„Das ist groß“: Neuer Niedersachsen-Slogan erntet Kritik
Mit einer Kampagne zum Mitpfeifen und einem Basketball-Weltmeister will Niedersachsen sich selbstbewusster präsentieren. Doch der neue Slogan stößt bei vielen auf Ablehnung.
Der neue Niedersachsen-Slogan „Das ist groß“ ist in ersten Reaktionen mit wenig Begeisterung aufgenommen worden. In einer Online-Umfrage des NDR Niedersachsen bewerteten rund 63 Prozent der etwa 6.000 Teilnehmer den Slogan bis heute Morgen mit „Nicht mein Fall“.
Noch deutlicher fiel die Ablehnung in einer Online-Umfrage der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ aus: Dort stimmten knapp 80 Prozent der am Morgen rund 4.400 Teilnehmer der Aussage „Oje, das ist aber wenig kreativ“ zu. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ überschrieb einen Kommentar zum Slogan auf ihrer Print-Titelseite mit: „Jetzt schon wieder vergessen...“
Lies' Social-Media-Team verteidigt Kampagne
Auf der Instagram-Seite von Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) kommentierte ein Nutzer den Kampagnenstart mit den Worten „Und dafür 10 Millionen verbraten“. Das Social-Media-Team des Regierungschefs verteidigte die Kampagne daraufhin als „wichtige Investition in die Zukunft“, die dabei helfe, „Ideen, Investitionen und Chancen ins Land zu holen und hier zu halten“.
Positiver als der Slogan wurde das mit KI-Unterstützung erstellte Video mit dem Braunschweiger Basketballstar Dennis Schröder aufgenommen. „Wie geil ist das denn bitte?“ oder „Bruder das ist der Hammer“ lauteten hier zwei Kommentare auf Instagram.
In dem Video ist Schröder unter anderem beim Sprung aus einem Flugzeug, im Arztkittel bei der Geburt eines Babys und als Reiter am Strand zu sehen. „Ich als Niedersachse empfehle Ihnen: Niedersachsen“, sagt der Basketball-Weltmeister in dem Teaser. Umrahmt wird der Clip von Niedersachsens neuem „Soundlogo“, dem bekannten Pfeifen zu Beginn des Scorpions-Klassikers „Wind of Change“.
Verband fordert mehr als „stimmungsvolle Bilder“
Der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall begrüßte, dass die rot-grüne Landesregierung das Land selbstbewusster präsentieren wolle als bisher. „Das kann mit dieser Imagekampagne gelingen“, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt. „Entscheidend wird jedoch sein, dass sie langfristig mehr bietet als stimmungsvolle Bilder und den „Wind of Change“.“
Der Fraktionschef der AfD im Landtag, Klaus Wichmann, kritisierte, der neue Slogan habe „weder Esprit noch Witz oder Charme“. Ein „lahmer Werbespruch“ könne Niedersachsens Probleme nicht wegzaubern.
Zehn Millionen Euro bis 2027
Regierungschef Lies hatte die Kampagne damit erklärt, dass Niedersachsen sich nicht kleinmachen dürfe. In vielen Bereichen habe das Bundesland gute Rahmenbedingungen, bekomme diese aber noch nicht richtig kommuniziert. „Wenn wir uns klein machen gegen all die anderen, die sich groß machen, dann werden wir nicht wahrgenommen“, sagte Lies.
Die rot-grüne Landesregierung stellt für die Kampagne in diesem und im nächsten Jahr insgesamt bis zu zehn Millionen Euro bereit. Den Zuschlag für die Entwicklung erhielt die Werbeagentur Scholz & Friends.
