Im Mordprozess um den getöteten Fabian liefern Handydaten der Angeklagten brisante Hinweise. Eine mysteriöse Handypause und eine ungewöhnliche Google-Suche erhärten den Verdacht gegen Gina H. Am zehnten Prozesstag im Mordfall Fabian sind am Dienstag die Auswertungsergebnisse des Handys der Angeklagten vorgestellt worden. Die 30-jährige Gina H. habe ihr Smartphone intensivst genutzt und innerhalb von viereinhalb Tagen unter anderem 1.100 Sprachnachrichten verschickt, 207 Telefonate geführt und mehr als 3.100-mal Messengerdienste genutzt, sagte der für die Auswertung verantwortliche Polizeibeamte und Digitalforensiker am Landgericht Rostock . Brisant: Am mutmaßlichen Tattag, dem 10. Oktober 2025, nahm Gina H. um 10.43 Uhr in unmittelbarer Nähe von Fabians Haus ein Foto von ihrem Auto auf. Kurz danach, um 10.51 Uhr, nutzte der Achtjährige das letzte Mal in seinem Leben sein Handy – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Gina H. das Kind abgeholt hat, um es zu ermorden. Das Wetter kippt: Gewitter mit Hagel und Sturm – Schafskälte kommt Mitten auf dem Markt: Porno-Attacke in deutscher Kleinstadt Ihr eigenes, voll geladenes Handy schaltete Gina H. eine halbe Stunde später ab. Zwischen 11.22 Uhr und 12.42 Uhr blieb das Gerät fast anderthalb Stunden aus. "Fressen Wildschweine tote Menschen?" "Dies ist ein besonderes Ereignis, weil das sonst überhaupt nicht stattfindet", erklärte im Prozess der Polizist, der dem Gericht die Auswertung der Handydaten vorstellte. Das Handy von Gina H. sei ansonsten nur ein einziges Mal drei Minuten lang ausgeschaltet gewesen, kurz nach dem Kauf des Smartphones. Anhand der Auswertung von WhatsApp-Nachrichten und Fotos konnte zudem belegt werden, dass sie am mutmaßlichen Tattag ihr Auto reinigte. Vier Tage später, als die verbrannte Leiche des Jungen an einem Tümpel bei Klein Upahl (Landkreis Rostock) gefunden wurde, behauptete sie hingegen, dass sie das Auto seit Langem nicht gereinigt habe. Auch weiteres erscheint verdächtig: Am Morgen nach Fabians Ermordung googelte H.: "Fressen Wildschweine tote Menschen?" Und am 13. Oktober, also einen Tag vor dem Auffinden des Leichnams, chattete sie unter anderem mit einem Bekannten. Beide tauschten sich über eine Suchaktion der Polizei am Inselsee aus, wo Spürhunde angeschlagen hatten. Dabei wies die Angeklagte von sich aus darauf hin, dass Wasserleichen keine DNA-Spuren aufwiesen, und auch Brandleichen wenig DNA-Spuren hätten. Sexualisierte Witze und Selbstmitleid Diese Angabe zur Brandleiche sei aus dem Nichts gekommen, bemerkte der Richter. Auch der Digitalforensiker der Polizei sagte, das Wort Brandleiche sei damals erstmalig von der Angeklagten eingeführt worden. Aufschlussreich über den Charakter von H. könnten auch Mitteilungen nach Fabians Tod sein. Im November beschwerte sie sich bei Matthias R.: "Du bist derjenige, der traurig ist. Du bist der arme, arme Matthias. Wie es mir geht mit der ganzen Situation, interessiert weder dich, noch sonst wen." R. ist Fabians Vater und war zum damaligen Zeitpunkt der Ex-Partner von Gina H. – mittlerweile sind R. und H. wieder zusammen. Am Tattag selbst verschickte H. zudem anzügliche Sprachnachrichten an einen Bekannten. Während sie mit Matthias R. chattete, habe sie dem Bekannten "sexualisierte Witze" geschickt, erklärte der aussagende Polizist. Sechs Stiche, aufs Herz gezielt: Fabian verblutete Vergangenen Donnerstag hatte ein Gerichtsmediziner ausgesagt: Demnach wurde Fabian mit sechs Stichen getötet, das Kind verblutete . Die Tatwaffe war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein einschneidiges Messer mit einer Klingenlänge von etwa 10 bis 15 Zentimetern. Die Stiche zielten auf die Herzregion. Abwehrspuren konnten bei der Obduktion nicht festgestellt werde – allerdings seien Fabians Oberarme so stark verbrannt gewesen, dass sie nicht auf entsprechende Merkmale untersucht werden konnten, sagte der Mediziner. Außerdem waren vergangene Woche Sprachnachrichten abgespielt worden, die das Verhältnis von Gina H. und Matthias R. beleuchteten. In einer Nachricht aus dem Januar 2024 ging es um die Beerdigung vom Vater von Matthias R. – die Angeklagte konnte selbst in dieser Situation ihre Eifersucht nicht beherrschen und sagte: "Ich bin ja mal gespannt, wer dir dann wichtiger ist: Deine Ex oder ich?"