Stuttgart: EnBW-Tochter Neckarpri verbucht Verlust
Von Jens Schmitz, RNZ Stuttgart
Stuttgart. Der Landesbetrieb Neckarpri hat von Juli 2016 bis Juni 2017 einen Verlust von knapp 118 Millionen Euro erwirtschaftet. Das geht aus dem jüngsten Geschäftsbericht der Gesellschaft hervor, die Baden-Württembergs EnBW-Anteile hält. Schuld am Finanzloch sind die Energiewende und der Optimismus von Ex-Regierungschef Stefan Mappus (CDU): Der hatte 2011 geplant, die Zinsen für den milliardenteuren Erwerb der Aktien aus ihrer eigenen Dividende zu finanzieren. Funktioniert hat das nie - seit 2012 schon legt der Steuerzahler für die Kreditfinanzierung drauf.
Mit dem deutschen Atomausstieg brachen die Gewinne von Deutschlands drittgrößtem Energiekonzern aber ein; 2016 bezahlte die EnBW erstmals gar keine Dividende. Schon im vergangenen Bericht hatte die Neckarpri einen Verlust von 53,7 Millionen Euro verbucht. Die aktuelle Bilanz verzeichnet nun ein mehr als doppelt so großes Minus. Als einziger Gesellschafter hat das Land Baden-Württemberg im Haushaltsjahr 2017 deshalb 122,9 Millionen Euro in die Holding gesteckt. Falls die EnBW auch in den kommenden beiden Jahren keine Dividende zahlt, entsteht Bedarf für weitere 94 Millionen Euro pro Jahr.
Diese Beträge sind im Doppelhaushalts-Entwurf der grün-schwarzen Regierung, über den der Landtag derzeit berät, bereits enthalten. "Ein Worst-Case-Szenario", wie eine Sprecherin von Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) betont. Sitzmanns Ressort rechnet damit, dass die EnBW künftig wieder Auszahlungen tätigt, die zumindest mittelfristig auch bei der Neckarpri Überschüsse ermöglichen.
"Unter Berücksichtigung der derzeitigen Finanzierungskosten ist eine Dividende von EUR 0,73 je Aktie erforderlich, um zumindest die jährlichen Zinszahlungen zu decken", heißt es dazu im aktuellen Neckarpri-Papier. Für das Geschäftsjahr 2016 blieben die Zahlungen aus.
Seit einer Kapitalerhöhung im Jahr 2012 besitzt das Land insgesamt knapp 129,3 Millionen EnBW-Aktien und hält damit 46,75 Prozent an der AG. Der Wertverlust dieses Pakets hat sich im jüngsten Berichtszeitraum etwas verringert: Die zum Preis von insgesamt 5,2 Milliarden Euro erworbenen Anteile sind von 2,6 Milliarden Euro im Vorjahr auf 2,8 Milliarden Euro gestiegen (Stichtag 30. Juni). Am gestrigen Dienstag betrug der Wert 3,6 Milliarden Euro.
Durch günstige Kreditverlängerungen ist außerdem die Zinslast gesunken. Statt 135 Millionen Euro wie im Vorjahr betrug sie im abgelaufenen Geschäftszeitraum noch 117 Millionen Euro. Allerdings "besteht ein nicht unerhebliches Risiko, dass zukünftige Anschlussfinanzierungen mit höheren Zinsbelastungen verbunden sein werden".
