Heilbronn: Online verdirbt dem Einzelhandel die Laune
Von Michael Endres
Heilbronn. Zunehmend macht der Onlinehandel den Einzelhändlern im Raum Heilbronn zu schaffen, sie verlieren deutlich Kunden an Amazon, eBay & Co. Das zeigt die jetzt veröffentlichte Marktuntersuchung der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken. Sie hat die Umsätze im Einzelhandel und die Kaufkraft der Einwohner in den Kreiskommunen untersucht. Das Fazit: Es gibt in allen Bereichen Gewinner und Verlierer. Das zur Verfügung stehende Geld bleibt in den wenigsten Fällen beim Einzelhandel am Ort. Und der Umsatz durch den Onlinehandel wächst weiter in allen Branchen - aber deutlich geringer im Lebensmittelbereich.
Neben den Herausforderungen der Digitalisierung gibt es laut IHK-Analyse auch Chancen, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Aber: Ein Patentrezept gibt es hierbei nicht.
Laut IHK-Auswertung ist die Einzelhandelskaufkraft in der Region Heilbronn-Franken von 2015 bis 2017 um 4,6 Prozent gestiegen und verzeichnet dadurch ein höheres Wachstum als der Durchschnitt in Baden-Württemberg (+ 4,4 %) und Deutschland (+ 4,1 %). Trotzdem bleibt das Unterland bei der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft pro Einwohner von 6719 Euro unter dem Schnitt in Baden-Württemberg von 6838 Euro.
Der Stadtkreis Heilbronn ist mit 6866 Euro Spitzenreiter vor dem Landkreis Heilbronn mit 6847 Euro. Bei der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft pro Einwohner hat sich Flein die Spitzenposition vor Niederhall gesichert.
Als Kommune mit hohem Wachstum hat Zweiflingen in den Top 10 Abstatt verdrängt. Als Oberzentrum kann Heilbronn viel Umsatz aus dem Umland generieren und erfährt einen enormen Kaufkraftzufluss im Einzelhandel. Beim Einzelhandelsumsatz pro Einwohner behauptet Neckarsulm seine Spitzenposition.
Aber: Die Zentralität der Region Heilbronn-Franken liegt mit 95 unter dem Landesdurchschnitt von Baden-Württemberg (96,8). Sie ist von 2015 bis 2017 um 0,7 Punkte gesunken. Wie beim Einzelhandelsumsatz pro Einwohner behauptet auch Neckarsulm seine Spitzenposition, trotz leichter Verluste. Ähnlich wie Neckarsulm geht es den anderen Mittel- sowie Unterzentren, die ebenfalls an Zentralität verlieren. Ein anderes Bild zeigt sich beim Einzelhandelsumsatz, der mit 3,2 Prozent gleich wie der Landesdurchschnitt, aber 0,3 Prozent weniger stark als der Deutschlandschnitt gewachsen ist. Während jeder Einwohner der Region Heilbronn im Jahr durchschnittlich 6719 Euro einzelhandelsrelevante Kaufkraft zur Verfügung hat, die er im stationären Einzelhandel ausgeben könnte, gibt er davon allerdings nur 5659 Euro aus. Dies entspricht einer Differenz von 1060 Euro. Doch der Betrag wird nicht auf die hohe Kante gelegt, sondern kommt dem Onlinehandel zugute.
Der Umsatz, der durch den Onlinehandel getätigt wird, fehlt auf der anderen Seite dem stationären Einzelhandel. Dies kann nach IHK-Meinung zu enormen Veränderungen der Innenstädte führen. Diese müssten interessant und abwechslungsreich gestaltet und mit Leben gefüllt werden, heißt es in der Studie. "Es müssen neue Ideen konzipiert und durchgeführt werden, die das Ziel haben, die Innenstädte zu erhalten und wieder zu beleben", so das Fazit der Untersuchung.
