Duale Hochschule Mosbach: Wo sich Lego von ganz alleine aufräumt
Von H. Schattauer und J. Zimmermann
Mosbach. Legosteine sind - abgesehen vom Moment, wenn man nachts barfuß auf sie drauf tritt - was Tolles. Mit den bunten Plastikklötzchen lässt sich immer und immer wieder Neues und Erstaunliches bauen, sie regen die motorische Entwicklung an, schulen die Konzentrationsfähigkeit, fördern die Kreativität. Nur aufräumen und vielleicht gar noch sortieren will sie keiner. Warum gibt’s dafür nicht einfach eine Maschine? Diese Frage hat sich schon mancher gestellt, wenn er vom Nachwuchs zurückgelassene Kleinteile in mühevoller Handarbeit wieder in die Legokiste zurückpacken darf. Johannes Gehrig hat die Antwort: Der Mechatronik-Student der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach hat eine Lego-Sortiermaschine konstruiert. Und das Ding funktioniert tatsächlich - wie die allermeisten der Projektarbeiten übrigens, welche die Studierenden aus dem 5. Semester Anfang der Woche im Auditorium der Hochschule präsentierten.
Doch zurück zur Legomaschine: "Wenn das Lego sieht, das kaufen die doch gleich auf", mutmaßt einer der zahlreichen staunenden Betrachter, die der Vorführung von Johannes Gehrig folgen. Währenddessen fliegen im Hintergrund weiße, blaue, rote, gelbe Legosteinchen in verschiedenen Größen in die dafür vorgesehenen Kästchen. Ein Förderband (aus Legotechnik-Komponenten gebaut) transportiert die Plastikbauteile von der Beladestation in Richtung Sammelbehälter. Die blauen mit richtig Schmackes und Schwung ins hinterste, die gelben ganz sanft und entspannt ins vorderste Kästchen. Nichts fliegt daneben, alle Steinchen landen in der richtigen Box - beeindruckend. Das System von Johannes Gehrig ist gleichermaßen nachvollziehbar wie effektiv: Eine Pixy-Cam erledigt die Objekterkennung, die dazu entwickelte Software steuert daraufhin den Impuls, also die Kraft bzw. Geschwindigkeit, mit der das Legosteinchen dann über das Förderband in Richtung Sammelbehälter beschleunigt wird. Viel bequemer lässt sich Lego kaum aufräumen und sortieren.
Überhaupt ist das DHBW-Auditorium voll mit Prototypen und Entwicklungsmodellen, die Eindruck machen. So wie das Nageltest-Modell von Sven Thumm, das der Student in rund 150 Stunden Arbeit komplett selbst konzipiert und gebaut hat. Erst am Tag vor der Präsentation wurde der Zylinder, der den Nagel für eine Kurzschluss-Simulation in den jeweiligen Akku presst, geliefert. "Ein bisschen nervös" sei er demnach im Vorfeld der Präsentation schon geworden, räumt Sven Thumm ein. Umso erleichterter war er dann, als nach dem eiligen Einbau des Elementarbauteils alles so funktionierte wie geplant.
Wie ursprünglich vorgesehen arbeitet auch das "stimmige" Modell von Andre Bühler und Jochen Burkhardt. Sie haben eine Konstruktion ausgearbeitet, die es auch halbseitig gelähmten Menschen ermöglichen soll, Gitarre zu spielen. Der Gitarrenschlag wird dabei mechanisch über ein Fußpedal ausgeführt. Das steuert via Bluetooth eine auf der Gitarre montierte Apparatur an, die dann über die entsprechenden Saiten streicht. Klingt gut, im wahrsten Wortsinn. Und könnte eine echte Option für Musikfans sein, die körperlich eingeschränkt sind. In einem weiteren Schritt wollen die beiden Tüftler nämlich ihr Funktionsmuster noch weiter verbessern, die Fußsteuerung verfeinern.
Weiterentwickeln ist auch bei vielen anderen Projekten angesagt: So braucht der 3-D-Tondrucker von Nils Klein noch Feinjustierung, auch in die vielsprechenden Antriebs- und Lenkmodelle von Maximilian Thomas Höger und Fabian Gock für ein autonom (bzw. ferngesteuert) fahrendes Fahrrad soll noch weitere Entwicklungsarbeit fließen.
Noch bevor die Mechatronik-Studenten ihre Semesterprojekte öffentlichkeitswirksam vorstellten, waren übrigens ihre Kollegen aus dem Elektrotechnik-Studiengang mit Präsentationen im Auditorium dran. Auch deren Prototypen zogen Aufmerksamkeit auf sich. Wie etwa der Star-Wars-Roboter made in Mosbach: Ein ferngesteuertes Auto auf zwei Rädern, eine Kugel und ein W-Lan-fähiges Gerät, mehr braucht das "BB-8" Roboterimitat zum Hollywood-Blockbuster nicht. Klingt simpel, doch die Komplexität liegt in der Umsetzung der Steuerung versteckt. Das Gefährt von Joshua Weiß und Thilo Gärtner, das an ein Spielzeugauto in einer Plastikkugel erinnert, enthält zwei Motoren und wird über einen Mikrocontroller gesteuert. Via Smartphone und Touchscreen lässt sich die Richtung des Star-Wars-Gefährts beeinflussen, die kleine Kugel kommt durch die Beschleunigung des Miniautos in Schwung und rollt (fast einwandfrei) in die vorgegebene Position.
Bei aller Begeisterung und Kreativität: Die allermeisten der gezeigten Modelle werden Einzelstücke bleiben. Denn ihre Herstellung dient schließlich vor allem der Weiterentwicklung der Studierenden selbst, die neue Erfahrungen und Kenntnisse gewinnen sollen. Wobei so manches Projekt eben doch Potenzial für mehr hat - mal sehen, ob Lego vom Sortierer Wind bekommt...
