Ladenburgs Bürgermeister im Interview: "Die Nordstadt hat auch 2018 hohe Priorität"
Von Axel Sturm
Ladenburg. Ein Jahr kann manchmal vieles verändern. Stefan Schmutz hat das 2017 erlebt: Seit er Ende Januar zum Bürgermeister gewählt wurde, ist kaum noch etwas, wie es war. "Die größte Veränderung ist ohne Frage, dass ich nicht mehr unbemerkt durch die Stadt laufen oder eine Veranstaltung besuchen kann, ohne angesprochen zu werden", sagt er im Jahresinterview. Einige Projekte hat Schmutz bereits angepackt und umgesetzt, nie aber werde es ihm gelingen, allen Erwartungen der Bürger gerecht zu werden. Das gilt auch für die Sportvereine, die auf eine Halle angewiesen sind: Schnelle Verbesserungen wird es für sie wohl nicht geben, sagt Schmutz.
Vor einem Jahr erlebte Ladenburg noch die heiße Phase des Bürgermeisterwahlkampfs. Denken Sie manchmal an diese Zeit zurück?
Die Erinnerungen sind noch recht frisch und werden im Moment häufiger geweckt, da ich viele Termine ein zweites Mal wahrnehme - vor einem Jahr als Kandidat und jetzt als Bürgermeister. Der Wahlkampf war eine sehr intensive Zeit, die ich nicht missen möchte, da ich Ladenburg von vielen unterschiedlichen Seiten kennenlernen durfte.
Was hat sich in Ihrem Leben verändert, seit Sie Bürgermeister von Ladenburg sind?
Die größte Veränderung ist ohne Frage, dass ich nicht mehr unbemerkt durch die Stadt laufen oder eine Veranstaltung besuchen kann, ohne angesprochen zu werden. Zugleich gilt es, mit der Vielzahl unterschiedlicher Erwartungen verantwortungsvoll umzugehen, da es nicht gelingen wird, allen gerecht zu werden.
Ist der Beruf des Bürgermeisters für Sie ein Traumberuf?
Ohne Frage. Ich schätze die Vielseitigkeit des Arbeitsalltags sehr. Die besondere Attraktivität liegt darin, unterschiedliche Interessen in erfolgreiches politisches Handeln zum Wohle der Stadt zu übersetzen. Das ist nicht immer einfach, aber dafür umso schöner, wenn es gelingt.
Haben Sie die zu erledigenden Aufgaben so erwartet oder gab es Dinge, die für Sie doch überraschend waren?
Wirklich überrascht hat mich das Arbeitsfeld aufgrund meiner beruflichen Vorerfahrungen nicht. Gleichwohl wird es noch eine Weile dauern, bis ich mich in die Vielzahl der Themenfelder vollständig eingearbeitet habe.
Können Sie die wichtigsten Projekte nennen, die Ihnen in Ihrem ersten Amtsjahr positiv in Erinnerung bleiben werden?
Die größte Erleichterung verspürte ich nach dem Abschluss der Sanierung der Wallstadter Straße und Benzstraße. Ich bin sehr froh, dass die massiven Belastungen durch den Schwerlastverkehr auf den innerörtlichen Umleitungsstrecken folgenlos blieben. Positiv hervorzuheben ist die zügige Vereinbarung mit den Sportvereinen, gemeinsam die Finanzierung eines Platzwartes im Römerstadion sicherzustellen. Persönlich begeistert haben mich die ersten Ladenburger Literaturtage. Ich freue mich sehr, dass es bereits 2018 eine Neuauflage geben wird.
Gab es auch weniger erfreuliche Entwicklungen, die von 2017 haften bleiben?
Sehr eindrücklich wird mir der Großbrand im Industriegebiet in Erinnerung bleiben. Mein großer Dank gilt hier unserer Freiwilligen Feuerwehr und den benachbarten Feuerwehren, die Schlimmeres verhindert haben. Unerfreulich ist und bleibt der Zustand unseres Bahnhofs. Ich setze daher auf das Versprechen der Bahn, dass Anfang 2018 definitiv alles fertig ist.
Wie zufrieden sind Sie mit der "Nordstadt-Kurzgewann"- Entwicklung?
Ich bin sehr zufrieden. Der derzeitige Bebauungsplanentwurf hat bereits eine sehr hohe Qualität und knüpft unmittelbar an die Vorgaben des Bürgerbeteiligungsprozesses an. Ich bin daher sehr zuversichtlich, dass wir diesen Anfang 2018 beschließen werden. Die Nachfrage, hier wohnen zu können, ist enorm, das hat das große Interesse bei der letzten Veranstaltung eindrücklich belegt.
Wie wollen Sie Ladenburg als kinderfreundliche Stadt weiterentwickeln und was ist Ihnen dabei besonders wichtig?
Wir haben einen steigenden Bedarf im Betreuungsbereich. Wir brauchen daher ein Mehr an Krippenplätzen und Ganztagsplätzen in Kindergärten. Beide Angebotsformen gilt es in den kommenden Jahren in Absprache mit den Trägern bedarfsgerecht auszubauen. Ebenso möchte ich, dass mancher Spielplatz attraktiver wird und wir Möglichkeiten suchen, wie wir die Öffnungszeiten unseres Freibades verlängern können.
Wie soll ein zukunftsträchtiger Schulstandort aussehen, mit dem Sie zufrieden sind?
Wir verantworten als Schulträger eine Vielzahl an Schulgebäuden. Daher kommen wir nach der Sanierung des Carl-Benz-Gymnasiums nicht daran vorbei, uns schrittweise mit der Sanierung der weiteren Gebäude zu beschäftigen und bei steigenden Einwohnerzahlen auch die Erweiterung von Schulstandorten vorzubereiten. Natürlich gilt es auch, die Anforderungen der Digitalisierung sowie die großen Schulentwicklungsthemen Ganztagsschule und Inklusion im Blick zu behalten. Hier setze ich auf die Bereitschaft und das Interesse der Schulen, sich diesen Themen zu öffnen.
Ist Ladenburg aus Ihrer Sicht eine seniorenfreundliche Stadt und gibt es Projekte, die umgesetzt werden sollen?
Ladenburg ist eine seniorenfreundliche Stadt. Wir müssen diesem Thema in Anbetracht der demografischen Entwicklung aber eine größere Bedeutung einräumen. In den kommenden Jahren werden deshalb der Bau altersgerechter und barrierefreier Wohnungen sowie eine Verbesserung der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum eine wichtige Rolle spielen. Eine weitere Aufgabe ist die Zukunftssicherung unseres Alten- und Pflegeheims am Waldpark.
Ab wann können die Hallensport treibenden Vereine mit einer Verbesserung rechnen? Wann wird die Lobdengauhalle saniert?
Das wird noch ein wenig dauern. Ich möchte im kommenden Jahr mit allen Beteiligten Gespräche führen und einen gemeinsamen Fahrplan entwickeln, wie wir eine Verbesserung der Hallenkapazität mittelfristig erreichen können. Dabei gilt es, auch die Zukunft der Lobdengauhalle zu thematisieren.
Sie haben angekündigt: Wirtschaftsfragen sind Chefsache. Haben Sie die wichtigsten Unternehmen schon besucht? Welche Erwartungen haben die Unternehmen an den Standort?
Ich habe eine Reihe von Unternehmen bereits besucht. In Summe gab es eine große Zufriedenheit mit dem Standort Ladenburg. Wünsche gab es natürlich auch. Diese zielen insbesondere auf eine zusätzliche Ausweisung von Erweiterungsflächen sowie einen zügigen Ausbau des Glasfasernetzes. Beiden Aufgaben müssen wir uns stellen.
Die Tourismusbelebung ist Ihnen wichtig. Haben Sie Ideen dafür?
Ladenburg hat viel zu bieten. Wir brauchen daher nicht noch mehr Angebote, sondern alle Beteiligte müssen sich gemeinsam Gedanken machen, wie wir mehr Außenwirkung in der Region erzielen können. Zum Beispiel, in dem wir unterschiedliche Interessen miteinander verbinden oder einfach besser zusammenarbeiten. Ein belebendes Element für die Zukunft ist sicherlich eine Anbindung an den geplanten Radschnellweg zwischen Mannheim und Heidelberg. Diesbezüglich haben wir bereits erste Gespräche geführt.
Welche wichtigen Projekte haben für Sie 2018 Priorität?
Die Nordstadt hat auch 2018 eine hohe Priorität. So werden wir uns im Gemeinderat insbesondere mit dem Aspekt der zentralen Wärmeversorgung und mit der Frage beschäftigen, welche Nutzungskonzepte wir auf den städtischen Flächen favorisieren. Ein weiteres Thema ist die Entwicklung eines Bürgerbüros. Bürgerinnen und Bürger sollen zukünftig die Möglichkeit erhalten, eine große Zahl ihrer Anliegen an einer zentralen Stelle anzubringen. Damit einher geht auch eine Verlängerung der Öffnungszeiten. Für die Verwaltung besitzt die Umstellung auf die Doppik ab dem Jahr 2020 eine zentrale Bedeutung. Demzufolge müssen 2018 wesentliche Vorbereitungen abgeschlossen werden.
Wie ist Ihr Eindruck von den städtischen Einrichtungen wie der Musikschule, Bibliothek, dem Lobdengau-Museum und der Volkshochschule? Wird es hier möglicherweise Veränderungen geben?
Jede Einrichtung hat einen besonderen Stellenwert und leistet eine sehr gute Arbeit. In Anbetracht der derzeitigen Haushaltslage gilt es, Wege zu finden, diese hohe Qualität zu sichern.
Der Rahmen des Haushaltsentwurfs steht. Trägt der Entwurf schon Ihre Handschrift und wird es 2018 strukturelle Veränderungen geben?
Der Haushaltsentwurf für das Jahr 2018 wird derzeit noch vorbereitet und in den kommenden Wochen vorgestellt. Die Entscheidungshoheit über den Haushalt hat der Gemeinderat. Daher gilt es, die Ergebnisse der Beratungen abzuwarten.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten für die Kommune drei Wünsche frei. Welche wären das?
Zunächst wünsche ich allen Ladenburgerinnen und Ladenburger einen guten Start in das neue Jahr. Ich persönlich wünsche mir, dass es gelingt, auf zentrale Fragen der Stadtentwicklung die richtigen Antworten zu geben und Ladenburgs Zukunft gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern zu gestalten.
Wie verbringen Sie die Tage zwischen den Jahren? Haben Sie ihr Snowboard für den Winterurlaub schon aus dem Keller geholt?
Urlaub ist keiner geplant. Das Snowboard muss daher noch etwas im Keller ausharren. Ich freue mich dennoch auf die Tage zwischen den Jahren, um etwas Abstand zu gewinnen und vor allem mehr Zeit mit meiner Familie verbringen zu können.
