Heilbronn: Wie die Kirche auf die Messerattacke auf Flüchtlinge reagiert
Heilbronn. (bfk/pol) Vom Vorfall, bei dem am vergangenen Sonntag ein in Heilbronn wohnender 70-jähriger Mann mit deutscher und russischer Staatsangehörigkeit drei sich vor der Kilianskirche in Heilbronn aufhaltende junge Asylbewerber mit einem Messer attackierte, fühlt sich auch die evangelische Kiliansgemeinde Heilbronn betroffen. Vor allem in der wärmeren Jahreszeiten sitzen auf den Kirchenstufen zum Marktplatz hin viele junge Männer mit offensichtlichem Migrationshintergrund. Die Stadtbahnhaltestelle, welche die Männer anstreben, oft von Deutschkursen in der Nachbarschaft kommend, und das freie W-Lan in dem Gebiet, gelten als Begründung hierfür. Die Polizei hat bestätigt, dass hier auch mit Drogen gehandelt wird.
Hans-Jörg Eiding, Pfarrer an der Kilianskirche, hatte in einer Befragung im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates einige Tage vor dem Vorfall zu den gehäuften Klagen und zur Verunsicherung bei der Bevölkerung gesagt, die Kirche fühle sich nicht bedroht oder verunsichert. Was ihn störe, sei die Vermüllung rund um das Gotteshaus, und diese stamme genauso von deutschen Passanten wie von der besagten Gruppe junger Männer an diesem "Brennpunkt".
Dort hat die Kilianskirche auch einen Schaukasten, und darin hat Eiding nun im Namen der Gemeinde auf den Vorfall reagiert. Seit Dienstag kann man hier diese drei Bibelverse lesen: "Fremdlinge sollst du nicht bedrücken und bedrängen; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen" (2. Mose, Kapitel 22) - "Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen." (Matthäusevangelium, Kapitel 5) und "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Ehre." (Römerbrief, Kapitel 15). Am morgigen Freitagabend will man hier eine Mahnwache veranstalten.
Die Ermittlungsergebnisse der Polizei zum Messerangriff führten inzwischen zu einer Änderung des Sachverhaltes. Es ergab sich der dringende Tatverdacht des Mordversuchs und der gefährlichen Körperverletzung in drei tateinheitlichen Fällen gegen den 70 Jahre alten Tatverdächtigen. Staatsanwaltschaft und die Polizei gehen von einer politisch motivierten Tat gegen Personen ausländischer Herkunft aus. Aufgrund der Ermittlungen wegen dreifachen Mordversuches und der dadurch deutlich höheren Strafandrohung besteht Fluchtgefahr. Daher hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehl beantragt, der bereits von einem Haftrichter erlassen und in Vollzug gesetzt wurde.
