Neckar-Odenwald-Kreis: Grippewelle wütet in Buchen besonders stark
Von D. Rechner und A. Hanel
Neckar-Odenwald-Kreis. Hier und da ein Niesen, in der anderen Ecke hustet jemand, eine andere Person putzt sich die Nase: Solche Krankheitserscheinungen sind in den letzten Wochen wieder verstärkt zu beobachten. Man merkt es am Arbeitsplatz, in der Schule, im Verein und ganz besonders an den voll besetzten Hausarztpraxen: Die Grippewelle rollt wieder. Und sie hat dieses Jahr besonders viele Menschen im Neckar-Odenwald-Kreis erwischt. Das Gesundheitsamt des Neckar-Odenwald-Kreises hat im Zeitraum von November 2017 bis Februar 2018.180 Fälle registriert.
Zum Vergleich: Im Zeitraum von November 2016 bis Februar 2017 gab es nur 70 Fälle. Generell müsse zwar auch von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden, da nur wenige Patienten auf Grippe getestet werden, so Jan Egenberger, Pressesprecher des Landratsamtes. Nichtsdestotrotz könne man aktuell von einer deutlichen Grippewelle mit einer eindeutig höheren Anzahl von Grippefällen als im vergangenen Jahr sprechen. Nach Angaben des Gesundheitsamts Baden-Württemberg starben bislang insgesamt 23 Grippeerkrankte im Land (Stand 13. Februar).
Am Standort Buchen der Neckar-Odenwald-Kliniken waren nach Angaben des Ärztlichen Leiters, Priv-Doz. Dr. med. Harald Genzwürker, Stand gestern Vormittag, 17 Fälle von Influenza A/B untergebracht, am Standort Mosbach drei Fälle. Beide Häuser sind momentan nahezu voll belegt mit einem hohen Anteil internistischer Patienten. Die Abteilungen für Innere Medizin behandeln derzeit täglich zahlreiche Grippefälle, wie Chefarzt Dr. Rüdiger Mahler berichtet. "Die Grippepatienten werden zum Teil ambulant versorgt. Die Grippe führt aber überwiegend bei älteren oder vorerkrankten Patienten auch zu einem stationären Aufenthalt. Daher herrscht sowohl in der Ambulanz (ZNA) als auch im stationären Bereich eine erhebliche Auslastung. Einzelne Fälle - bei zum Beispiel Lungenvorerkrankten - haben einen schwierigen Verlauf und müssen auf der Intensivstation behandelt werden. Das ist eine deutliche Grippewelle."
Als Hauptgründe für die in diesem Jahr besonders starke Grippewelle führt Dr. Genzwürker zum einen an, dass sich immer noch zu wenig Menschen impfen ließen. Zum anderen wirke aber auch der gängige Dreifachimpfstoff in dieser Saison nur bedingt. Denn etwa die Hälfte der bisher nachgewiesenen Influenza-Fälle wurde nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) durch Influenza-B-Viren verursacht, die der teurere Vierfachimpfstoff bekämpft. Die Ständige Impfkommission am RKI empfiehlt seit dem 11. Januar diesen Vierfachimpfstoff.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Influenzaimpfung für alle Personen ab 60 Jahren, für alle Schwangeren ab dem zweiten Trimester, für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung, wie z.B. chronischer Erkrankung der Atmungsorgane oder Herz-Kreislauf-Krankheiten, sowie für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen.
Auch die Schüler und Lehrer an den Buchener Schulen sind von der Grippewelle betroffen. Katja Scheffel vom Sekretariat der Abt-Bessel-Realschule meint zwar, dass Anfang der Woche besonders viele Schüler grippebedingt dem Unterricht fern bleiben mussten, doch es seien wohl nicht mehr als im letzten Jahr. Auch in Sachen Unterrichtsausfälle haben man nichts Außergewöhnliches zu beklagen.
Auch in der Buchener Stadtapotheke machen sich die Auswirkungen der Grippewelle bemerkbar: Nicht nur seien die Bestände für die Medikamente, die gegen grippalen Infekt und Influenza wirken, beinahe leer, sondern auch das Kollegium der Apotheke beklage zur Zeit krankheitsbedingte Ausfälle.
Eine größere Anzahl an Patienten als im vergangenen Jahr konstatiert auch Allgemeinmediziner Dr. med. Andreas Schmitt aus Buchen: "Unsere Praxis ist voll. Letzte Woche war wohl der Höhepunkt. Die Zahl der Patienten lässt mittlerweile allerdings etwas nach." Von einer "richtigen" Grippe spreche man, wenn der Betroffene schlagartig hohes Fieber oftmals verbunden mit starkem Husten bzw. Schnupfen und extremen Gelenkschmerzen bekomme. "Den Patienten geht es dann so schlecht, dass sie selbst merken, dass sie zu Hause bleiben sollten", so Schmitt. Es dauere meist etwa zwei Wochen, bis die Patienten die Grippe überstanden haben.
Ebenso geht die aktuelle Grippewelle nicht spurlos am Pflegezentrum St. Josef in Waldhausen vorbei. Der Heimleiter Steffen Knapp kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Grippewelle "dieses Jahr gefühlt so schlimm wie noch nie ist." Fast zehn Prozent der Bewohner leiden zur Zeit unter der Grippewelle. So gravierend habe er die saisonale Krankheitswelle noch nicht wahrgenommen, berichtet Knapp.
Doch es gibt auch erfreuliche Nachrichten: Am AWO Maria Rast Wohn- und Pflegezentrum in Walldürn ist die Grippewelle wieder am Abklingen.
