Bilfinger: Aktionäre stimmen auf Hauptversammlung gegen Entlastung früherer Vorstände
Von Daniel Bernock
Mannheim. Ein ungewohntes Bild auf der Hauptversammlung der Bilfinger SE: Die Aktionäre des Mannheimer Konzerns verweigern ehemaligen Vorständen die Entlastung für das Geschäftsjahr 2015. Betroffen sind die früheren Manager Herbert Bodner, Joachim Müller, Joachim Enenkel, Pieter Koolen, und Jochen Keysberg. Mit jeweils mehr als 99 Prozent stimmten die Anteilseigner gegen die Entlastung.
Zuvor hatten auf der Hauptversammlung im Mannheimer Rosengarten der Aufsichtsrat und der Vorstand des Konzerns die Aktionäre zu diesem Schritt aufgefordert. Hintergrund sind mögliche Pflichtverletzungen der Vorstände im Zeitraum zwischen 2006 und 2016. Die Nicht-Entlastung hat für die früheren Manager erst einmal keine direkten Konsequenzen - sie ist jedoch ein deutliches Zeichen der Aktionäre in Richtung der Betroffenen.
Konkret werden den Vorständen beim Aufbau eines Compliance-Systems Verfehlungen vorgeworfen. Compliance steht für die Richtlinien einer sauberen Unternehmensführung - dabei geht es meist um das Thema Korruption. In den Vorjahren hatte die Hauptversammlung die Entlastung der Vorstände mehrmals vertragt.
Auch wenn die Abstimmung der Aktionäre keine Folgen hat, drohen den früheren Vorständen finanzielle Konsequenzen: Das Unternehmen lässt nach Aussage des Aufsichtsratsvorsitzenden Eckhard Cordes die Pflichtverletzungen gerade durch eine Kanzlei prüfen - auch gegen den früheren Vorstands-Chef Roland Koch, der 2015 bereits nicht mehr bei Bilfinger war. Ob und wie das Unternehmen Schadenersatzansprüche geltend machen werde, stehe derzeit noch nicht fest. Bilfinger führe unter anderem auch Gespräch mit Versicherungen um zu prüfen, inwiefern die Ansprüche durch Managerversicherungen gedeckt sind - und damit, welche Schadenshöhe überhaupt durchsetzbar ist.
Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) befürwortete die Empfehlung des Vorstands und des Aufsichtsrats, die früheren Vorstände nicht zu entlasten. "Diese Maßnahme ist reputationsschützend und zeigt, dass Fehlverhalten bei Bilfinger nicht geduldet wird", so Kienle.
Ebenfalls positiv wertete Thomas Hechtfischer von der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) den Schritt. Der gerade stattfindende, langjährige Aufbau eines Compliance-Systems unter Hilfe externer Berater zeige, dass es da in der Vergangenheit deutliche Defizite beim Vorstand gab. Mit Blick auf das Geschäft würde er sich freuen, wenn die Dividende, die derzeit aus der Substanz bezahlt wird, in Zukunft wieder verdient werde. "Die dürren Jahre sind hoffentlich bald vorbei", sagte Hechtfischer.
"Wir kommen gut voran", sagte Bilfinger-Chef Tom Blades vor den rund 630 Aktionären. "Wir haben Bilfinger strukturiert, stabilisiert und robuster aufgestellt", so der Brite, der fließend Deutsch spricht. Das Jahr 2017 sei maßgeblich von der Umsetzung der neuen Strategie geprägt gewesen. Die Märkte, vor allem die Energie- und die Öl- und Gasbranche, seien weiterhin herausfordernd. Das Unternehmen sei jedoch auf dem richtigen Weg: "Die Umsetzung unserer Strategie ist kein Sprint, sie ist ein Marathon", sagte der ambitionierte Läufer.
Im ersten Quartal belasteten die Kosten für den Konzernumbau erneut das Ergebnis, das mit einem Verlust in Höhe von 24 Millionen Euro besser ausfiel als im Vorjahr, als ein Minus von 55 Millionen Euro in den Büchern stand. Der Umsatz war mit 928 Millionen Euro wegen Verkäufen von Unternehmensteilen leicht rückläufig, organisch stagnierte er. Der Auftragseingang legte kräftig um rund 20 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu - laut Bilfinger war das das vierte Quartal mit einem Wachstum in Folge. Das schien gestern dem Kapitalmarkt zu gefallen, die Aktie des Konzerns legte kräftig zu.
