Primizfeier des neuen Seckacher Priesters: Er stellt das "Wir" immer vor das "Ich"
Seckach. (lm) Freudige Erwartung lag in der Luft und schien die Seckacher Kirche St. Sebastian ebenso wie die vielen Gottesdienstbesucher und die Zelebranten in einem besonderen Zauber erstrahlen zu lassen beim Einmarsch der hohen Geistlichkeit zur Primizfeier von Lukas Biermayer.
Dem vorausgegangen war die die Abholung des Primizianten und seiner Familie von seinem Elternhaus durch die Mitzelebranten unter musikalischer Begleitung des Musikvereins Seckach und Dirigent Martin Heß.
Und dann erwartete die Gästeschar ein besonders lebendiger und musikalisch hochwertiger Festgottesdienst, den man vermutlich nicht so schnell vergessen wird. Für den gelungenen musikalischen Rahmen mit einer erfrischenden Mischung aus Taizé, Klassik und Pop sorgten neben dem Musikverein auch Organist Lukas Bender und der Singkreis nach der Begrüßung durch Pfarrer Andreas Schneider. Die Gottesdiensteröffnung und Leitung lag in den kreativen Händen des Primizianten Lukas Biermayer, der am Sonntag zuvor von Erzbischof Stefan Burger im Freiburger Münster zum Priester geweiht worden war.
Die Predigt unter dem Primizspruch "Friede diesem Haus" gestaltete als priesterlicher Freund und Begleiter des Primizianten Dr. Christian Hess - Leiter des Priesterseminars in Freiburg, der um das Jahr 2006 noch als Kaplan in Seckach eingesetzt war. Er machte deutlich, dass die zehnjährige Ausbildung zum Priester den Anwärtern einiges abverlange, aber auch vieles schenke. Begeistert erzählte er von Lukas‘ Wunsch, in Schweden zu studieren und als er ihn in Uppsala besucht habe, sein Erstaunen über dessen schwedische Sprachgewandtheit. "Wir haben viel zusammen erlebt", schon in der Jugendarbeit in Seckach, aber auch in der Gemeindearbeit, bei der Exkursion nach Taizé.
Immer wieder habe ihn die aktive Bodenständigkeit und Kreativität von Lukas Biermayer überrascht. So auch sein Wunsch, als Seelsorger im "Europapark" zu agieren. Diese kreative Bodenständigkeit und ansteckende Begeisterung zeichneten den Neupriester aus und zeigen, dass sein Primizspruch "Friede diesem Haus" wunderbar passe. Derzeit ändere sich die Kirche rasant, "wir sind als Kirche eine ständige Baustelle", und dazu sei der eingerüstete Seckacher Kirchturm während der Primizfeier mehr als passend. Man wisse nicht, was bei den Baumaßnahmen herauskomme, aber dass es etwas Gutes wird, dafür sei jeder einzelne Christ mit verantwortlich.
Von Lukas Biermayer wisse er, dass dieser ein Priester nach dem Vorbild seines Namenspatrons sein möchte, dafür wünschte er ihm neben vielen guten Wegbegleitern eine gute Kondition und "nimm die Welt immer ins Gebet" und stelle dich den vielen Herausforderungen, z.B. um gute Gemeinschaften in einer lebendigen Gemeinde aufzubauen. "Wir sind nicht von gestern, und wir haben noch ein Morgen vor uns!" Sein abschließender Dank richtete sich an die Eltern, weil sie ihren Sohn "hergegeben haben" und für den Rückhalt, an die Gemeindepfarrer und den Dekan für die gute Führung in der Seelsorgeeinheit Adelsheim-Seckach-Osterburken und das ganze Dekanat - "gefühlt habt ihr die Hälfte der Erzdiözese Freiburg ausgebildet".
Nach dem allgemeinen Primizsegen dankte Lukas Biermayer allen, die ihm diesen Gottesdienst ermöglicht und ihn mitgestaltet haben. Seinen Mitzelebranten und bisherigen Wegbegleitern Dr. Christian Hess, Dekan Johannes Balbach, dem ehemaligen Regionaldekan Michael Vollmer, den Pfarrern Andreas Schneider, Kurt Wolf und Rudolf Bschirrer sowie Diakon Bernhard Greef, weiter seinen Eltern und Geschwistern, dem Gottesdienst-Team, Mesnerin Mechthild Schindler, Ministranten, Musikverein, Singkreis und Organist Bender.
Nachdem der Musikverein sein Wunschlied "Music was my first love" begeisternd präsentiert und die Orgel die Gottesdienstbesucher verabschiedet hatte, traf sich die ganze Festgesellschaft in der Seckachtalhalle, wo Pfarrer Schneider noch einmal seiner Freude und Begeisterung über dieses nicht alltägliche Fest Ausdruck gab.
Bürgermeister Thomas Ludwig meinte, dass die Gemeinde Seckach an Pfingsten 2018 ganz im Zeichen dieser Primizfeierlichkeiten stehe, die über viele Wochen und Monate von zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Kräften unter der Leitung von Pfarrer Schneider vorbereitet worden war. Ludwig erinnerte an den nicht alltäglichen Festgottesdienst anlässlich der "Heimatprimiz" und gab einen kurzen historischen Rückblick zu den Themen "Priester aus Seckach" und "Primizen in Seckach", die letzten vor 51 Jahren in Großeicholzheim und vor 54 Jahren in Seckach. Er gratulierte Lukas Biermayer mit Präsenten zur Priesterweihe in einem Dankesreigen. "Danke dafür, dass Gott Dich, lieber Lukas, aus unserer Mitte gerufen hat, in seinen Dienst zu treten und dass Du diesen Ruf gehört und diese Berufung angenommen hast. Somit ist dieser 20. Mai 2018 also nicht nur für die Pfarrgemeinde ein großer Tag, sondern auch für die bürgerliche Gemeinde."
Man sei stolz auf dieses Geschenk Gottes und seine Entscheidung, das "Wir" vor das "Ich" zu stellen als "Handwerker der Nächstenliebe", die Sorge um den Nächsten höher zu bewerten als die üblichen Karrieremuster nötige den Seckachern größten Respekt ab. Der Primiziant lebe seit seinem 5. Lebensjahr in Seckach und konnte im Rahmen seines ehrenamtlichen Engagements in der Kirchengemeinde und im Musikverein schon viele wichtige Erfahrungen sammeln. Dieses Beziehungsnetz habe ihm zusammen mit dem Elternhaus wichtige Werte und Haltungen vermittelt.
Dem offiziellen Teil schloss sich ein gemeinsames Mittagessen, Kaffee und Kuchen an, bevor der Festtag mit einer Dankandacht mit Einzelprimizsegen seinen würdigen Abschluss fand.
