Neckargemünd: Mit Tempo 70 durch den Tunnel
Von Christoph Moll
Neckargemünd. Neckargemünd und der Verkehr in der Altstadt - das ist einfach ein Dauerthema. Auch in der zurückliegenden öffentlichen Sitzung des Gemeinderates kam es wieder auf den Tisch. Und in diesem Kontext wurde auch publik, dass über ein künftiges Tempo 70 im Hollmuth-Tunnel nachgedacht wird.
Angestoßen hatte das Verkehrsthema eine Neubürgerin. Sie wohne nun seit einem halben Jahr in der "romantische Altstadt" in der Neckarstraße und fühle sich sehr wohl, berichtete die Dame - bis auf die zunehmende Luftverschmutzung. "Ich habe den Eindruck, dass der Verkehr immer mehr zunimmt", meinte sie. Die Lärmbelästigung durch durchbretternde Autos und über 100 Busse täglich sei für alte Menschen, aber auch die Kinder des Kindergartens Feuertor unerträglich. Rollstuhlfahrer müssten wegen der schmalen Gehwege und der herausragenden Treppen auf die Straße ausweichen.
"Ich habe den Eindruck, dass nicht einmal ein Drittel der Autos durch den sogenannten Prestigetunnel fährt", meinte die Frau und fragte: "Was können wir da machen?" Sie schlug eine Umweltzone vor, wie es sie schon in größeren Städten wie Heidelberg gibt, oder einen autofreien Sonntag wie früher. "Eine Straßennutzungsgebühr wäre ein weiterer Vorschlag", sagte die Frau mit einem Schmunzeln.
Vor Inbetriebnahme des Tunnels seien durch die Haupt- und die Neckarstraße jeden Tag 8000 Autos gefahren, erinnerte Bürgermeister Frank Volk. Aktuell seien es nur noch zwischen 2500 und 2800: "Der Verkehr wurde um zwei Drittel reduziert." Ein großes Problem sei aber nach wie vor die Geschwindigkeit. Deshalb begrüße er es, so Volk, dass das Landratsamt in der Neckar- und in der Hauptstraße häufig blitze. Eine Straßenbenutzungsgebühr sei in Deutschland nur auf Autobahnen möglich, sagte Volk.
Auf die Verkehrsregelung habe die Stadt keinen Einfluss: "Wir dürfen ohne das Landratsamt nicht einmal ein Schild ändern", erklärte der Rathauschef. "Uns bleibt nur, an die Vernunft der Autofahrer zu appellieren und diese zu bitten, nur dann durch die Altstadt zu fahren, wenn sie dort etwas erledigen müssen." Man wolle nicht, dass die Autofahrer durch die Altstadt abkürzen, so Volk.
"Wir sind deshalb im Dialog mit dem Landratsamt, um die Fahrt durch den Tunnel weiter zu beschleunigen und die Nutzung attraktiver zu machen", sagte der Bürgermeister. Hier gebe es "intensive Gespräche". Konkret könnte es um Tempo 70 für die 385 Meter lange Röhre gehen, denn noch gilt dort ein Tempolimit von 50 Kilometern pro Stunde. "Der Verkehr wird aber oft stärker wahrgenommen, als er tatsächlich ist", meinte Volk. In den 1990er Jahren sei es fast nicht möglich gewesen, tagsüber die Hauptstraße zu überqueren. "Jetzt sind die Lücken zwischen den Autos deutlich größer", betonte Volk.
Der Fragestellerin war außerdem das Parken in der Altstadt ein Dorn im Auge: Sie sei selbst seit zehn Jahren Busfahrerin und ärgere sich über die zugeparkten Straßen: "Warum müssen die Autos rechts und links parken?", fragte sie. "Es gibt doch so viele Parkmöglichkeiten in den Parkhäusern der Altstadt."
Die "Parkerei auf den Gehwegen", so Bürgermeister Volk, treffe vor allem Fußgänger und Rollstuhlfahrer: "Wer auf Gehwegen parkt, wird belangt." Wenn jeder vernünftig wäre, bräuchte man kein einziges Schild, meinte er: "So aber geht es nur über den Geldbeutel."
