Sanierungsstau in Heidelberg: Modernster Klinikbau Europas ist längst überholt
Von Birgit Sommer
Heidelberg. Lange Jahre hat das Land Baden-Württemberg den dringenden Sanierungsbedarf seiner vier Universitätsklinika ausgeblendet. Jetzt entschloss man sich zu einer "Sanierungsoffensive", wie das Staatsministerium bekannt gab. 400 Millionen Euro macht das Land in diesem und im nächsten Jahr locker, um in Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm optimale Bedingungen für die Spitzenmedizin zu schaffen.
Heidelberg wird davon 78 Millionen Euro bekommen. Wie Irmtraut Gürkan, die Kaufmännische Direktorin des Klinikums, auf RNZ-Anfrage mitteilte, kann die Universitätsklinik in Heidelberg 25 Millionen Euro davon als Planungskosten für die Sanierung der Kopfklinik einstellen.
Das klingt nach einer ziemlich hohen Summe, doch Planungskosten, so Gürkan, betragen in der Regel 15 Prozent der Gesamtbaukosten. Und die werden bei der Kopfklinik bei mehr als 200 Millionen Euro liegen.
Die 1987 eingeweihte Kopfklinik im Neuenheimer Feld galt damals als modernster Klinikbau Europas. Doch die Entwicklungen der letzten Jahre haben die Möglichkeiten der Haustechnik und der Brandschutzmaßnahmen längst überholt.
Gebraucht wird auch ein neuer OP-Bau für die Kopfklinik, in den schon während der Umbauzeit die Eingriffe der Mediziner an Patienten ausgelagert werden können. Dafür stellt das Land 30 Millionen Euro bereit.
Und schließlich gibt es weitere 22,7 Millionen für kleinere Instandhaltungsvorhaben im Klinikum, vor allem Brandschutzmaßnahmen, auch die Neuordnung der Stromversorgung in der Psychiatrie in Bergheim und die Sanierung der zentralen Sterilgutversorgungsanlage gehören dazu.
"Ich bin sehr froh, dass es diese Initiative des Landes jetzt gibt", unterstrich Irmtraut Gürkan. Denn nach dem Neubau der Chirurgie ist die Sanierung der Kopfklinik das nächste teure Projekt im Klinikring.
Die Sanierungsoffensive des Landes wird aus Steuermehreinnahmen im Haushalt 2018/19 finanziert. Die Ministerinnen Theresia Bauer (Wissenschaft) und Edith Sitzmann (Finanzen) betonten, dass in den folgenden Jahren weitere Investitionen nötig seien, um den Sanierungsstau an den Universitätskliniken abzubauen.
In den neuen Gebäuden werde absolutes Hightech mit patientenfreundlicher Gestaltung verbunden. Und für die Wissenschaft, erklärte Theresia Bauer, bedeute dies eine optimale Verbindung von Krankenversorgung und Forschung an neuen Therapien: "Spitzenmedizin ist teuer, aber sie ist es wert."
