Eppingen/Bad Rappenau: Revier und Polizeiposten stehen nicht zur Disposition
Eppingen/Bad Rappenau. (rnz) Die vergleichsweise unspektakulären Zahlen zur Kriminalität in Eppingen waren das eine - ebenso beruhigen und fast wichtiger war die Aussage des scheidenden Polizeirevierleiters Jens Brockstedt zum Fortbestand seiner Dienststelle, die er im August altershalber verlassen wird: "Eppingen steht nicht zur Disposition", versicherte Brockstedt den Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung.
Und auch nicht der Posten in Bad Rappenau. In Bezug auf die Reviere sei keine weitere Strukturreform geplant, sagte der Erste Polizeihauptkommissar, der das Eppinger Revier seit 2014 leitet.
Weniger glücklich ist Brockstedt mit dem Altersdurchschnitt seiner Beamten: Der liegt bei 49 Jahren und verleiht Eppingen den Status "zweitältestes Revier" im Bereich des Heilbronner Polizeipräsidiums.
Zudem wird die Soll-Stärke unterschritten: 56 Beamte sollten gezählt werden, tatsächlich sind es aktuell 50, davon 35 im Streifendienst - drei weniger als auf dem Papier.
Im Posten Bad Rappenau sorgen sieben Beamte für die Sicherheit der Kurstädter, hier ist der nominelle Stand acht. Wobei Brockstedt ausdrücklich und nicht zum ersten Mal bedauerte, dass nicht auch Kirchardt und Gemmingen je einen Posten mit zwei bis drei Beamten haben, "die vor Ort Ansprechpartner für die Bürger sind".
Dafür, dass er seine Leute verstärkt auf die Straße geschickt hat und selbst bei vielen Terminen präsent war, erntete Brockstedt reichlich Lob von den Sprechern aller Fraktionen und von Oberbürgermeister Klaus Holaschke, der den Polizeikommissar als "Mann klarer Worte" schätzt: "Wenn es Probleme gab, hat man Sie sehr schnell gesehen."
"Die Umleitung (Ende Juli zur Sanierung der B293, Red.) müssen wir noch mit vereinten Kräften meistern", sprach OB Holaschke die letzte große Herausforderung für Brockstedt vor dem Ruhestand an.
Die letzte Bilanz des Revierleiters und seiner Mannschaft kann sich sehen lassen, auch wenn Brockstedt keinen Hehl daraus machte, dass es auch ein Dunkelfeld gibt: "Wir haben nicht alle Zahlen", sagte er und führte als Beispiel Ladendiebstähle an.
Weil nur einer der Discounter in Eppingen regelmäßig einen Ladendetektiv beschäftige, kämen aus diesem Geschäft ungleich mehr Anzeigen als aus den anderen. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass bei anderen nichts geklaut wird."
Gleichwohl: Die Zahl der erfassten Straftaten hat sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr deutlich von 804 auf 694 verringert, während sich die Aufklärungsquote gleichzeitig von 59 auf 65,6 Prozent verbessert hat. Fast halbiert - von 14 auf acht - hat sich die Zahl der tatverdächtigen Kinder. Denen stehen 265 erwachsene Tatverdächtige (2016: 293) gegenüber, darunter 112 ohne deutschen Pass (2016: 148). In den Bereichen Straßenkriminalität (132; -24), Körperverletzungen (72; -9) , einfacher und schwerer Diebstahl (204; - 75) sowie Betrug (96; -34) sind die Zahlen allesamt rückläufig. Lediglich Einbrüche (16) und Sachbeschädigungen (111) liegen exakt auf Vorjahresniveau.
"Wir haben hier keine großen Straftaten", sagte Brockstedt, der den verstärkten Fußstreifen, zu denen teilweise auch Bereitschaftspolizisten angefordert würden, eine unglaublich hohe präventive Wirkung" zumisst.
Jens Brockstedt wird am Freitag, 17. August, im Bürgersaal offiziell in den Ruhestand verabschiedet.
