Freibad-Sanierung in Bad Rappenau: Die Summe der Kleinigkeiten bremst
Von Karoline Beck
Bad Rappenau. Ein großes imaginäres "Warum" scheint über dem Solefreibad zu schweben - die Fragen vieler unzufriedener Badegäste und der Bürger nach den Gründen, warum das Bad nicht wie ursprünglich geplant bereits zu Beginn der Badesaison fertig geworden ist, beherrschen das Stadtgespräch.
Glücklich mit der momentanen Situation ist auch Oberbürgermeister Sebastian Frei nicht. "Der jetzige Zustand des Freibades ist alles andere als zufriedenstellend", erklärt er auf RNZ-Nachfrage. "Wir standen vor der Wahl, das Bad zu öffnen oder es in diesem Jahr geschlossen zu lassen." Nach Beratung im Gemeinderat habe man sich dazu entschlossen, zu öffnen, wenngleich vieles provisorisch sei. "So hat man hier in Bad Rappenau wenigstens den Sommer über die Möglichkeit zu schwimmen."
Eigentlich sollten die Bauarbeiten bereits im Oktober beginnen, starteten aber erst im März. Gerüchte, die beauftragte Baufirma habe das Freibad aufgrund eines Großauftrags vernachlässigt, stellten sich als unrichtig heraus. "Wir, als Bad Rappenauer Baufirma, sind ständig Gewehr bei Fuß gestanden, um das Bauvorhaben zu verwirklichen", erklärt Lothar Niemann, Geschäftsführer der Niemann und Heselschwerdt GmbH.
Die Baugenehmigung sei erst am 15. Februar eingegangen und die Teilbaufreigabe am 6. März. Ab diesem Zeitpunkt waren fünfeinhalb Monate Bauzeit vorgesehen. "An uns liegt es nicht", beteuert Niemann. Die Baumaßnahmen seien zum jetzigen Zeitpunkt sogar weiter fortgeschritten, als bei Baubeginn vorgesehen war.
Auch Timo Künzel, Geschäftsführer der "Rappsodie" weist jede Schuld für den jetzigen Zustand des Bades von sich: "Ich als Betreiber hatte keinerlei Einfluss auf die Baumaßnahmen." Bauherr ist hingegen die Bad Rappenauer Kur- und Klinikverwaltung (KuK) zusammen mit der Stadt. KuK-Geschäftsführer Olaf Werner berichtet: "Wir haben alles daran gesetzt, das Freibad pünktlich zu eröffnen.
Und uns ist es natürlich selbst nicht recht, dass wir später und dann auch noch als Teilbaustelle eröffnet haben. Dennoch ist bei einer solch großen und komplexen Baumaßnahme im Altbestand ganz normal, dass Unvorhergesehenes passiert."
Der spätere Beginn der Arbeiten habe verschiedenen Gründe gehabt: Zum einen habe das Gesundheitsamt Nachforderungen zum Bauantrag gestellt. Des Weiteren verzögerte sich der Abbruch, weil in der Voruntersuchung übersehen wurde, dass der Abriss erst erfolgen kann, wenn das Gebäude stromfrei ist.
Die Hauptversorgung lag im abzubrechenden Umkleidegebäude. Allein, um dieses Problem zu lösen, benötigte man vier Wochen. Verzögerungen gab auch wegen einer sechstägigen Frostperiode im Februar, in der kein Arbeiten möglich war.
Weitere Probleme traten auf, weil in einigen Gewerken keine Angebote abgegeben wurden und man deshalb erst Handwerker finden musste. Außerdem mussten einigen Handwerksbetrieben wiederholt Fristen gesetzt werden, da die Termine nicht eingehalten wurden. Probleme habe es auch wegen der extremen Auslastung im Baugewerbe gegeben. Dadurch fehlten teilweise Material und Arbeiter vor Ort. Dies betraf unter anderem die Betonarbeiten, und seit einigen Wochen auch die Beschattungsanlage und die Gastronomieausstattung.
Ebenso nicht vorhersehbar sei gewesen, dass eine Trinkwasserleitung komplett erneuert werden musste. Das wurde erst im April festgestellt - kurz vor der eigentlichen Inbetriebnahme.
Zudem wurde ein neuer Kessel gebraucht, da der alte keine lange Lebensdauer mehr hatte und beim Inbetriebnahmeversuch die Trafoauslösung nicht reagierte. Eine zeitintensive Abstimmung zwischen Energielieferant und Handwerkern wurde notwendig.
Trotz aller noch ausstehenden Arbeiten ist Hoffnung in Sicht. Die neuen Umkleiden könnten im August eingeweiht werden und der Splash-Bereich für die Kleinen werde in drei Wochen in Betrieb gehen, die Gastronomie voraussichtlich Mitte Juli. Das Sport- und Wellenbecken sowie der Rutschbereich, die Liegeflächen und die Spielfelder seien alle nutzbar.
