Lärmaktionsplan: Eberbach gibt die Hoffnung auf Tempo 30 nicht auf
Eberbach. (fhs) Der Gemeinderat hat den Lärmaktionsplan für die Stadt Eberbach bei den vier Gegenstimmen der AGL-Fraktion beschlossen. Danach ist Tempo 30 von Seiten der Behörden aber nur für die Hirschhorner Landstraße zu erwarten. Allerdings setzt die Stadt Eberbach ihren Einsatz für Tempo 30 auch für die Friedrichsdorfer Landstraße (FriDoLa) fort.
Auf Antrag der SPD sollen nach Vorbild der bayerischen Stadt Spalt Schilder dafür werben, freiwillig Tempo 30 einzuhalten. Auf Antrag der AGL setzt sich die Stadtverwaltung beim Landesverkehrsministerium für einen Probebetrieb Tempo 30 in der FriDoLa ein. Er soll möglichst einen Monat (laut SPD sogar ein halbes Jahr) laufen.
SPD-Stadtrat Klaus Eiermann forderte Bürgermeister Peter Reichert auf, persönlich beim Regierungspräsidium (RP) vorzusprechen.
Er soll so mit Nachdruck begründen, warum die Stadt auf Tempo 30 beharrt, obwohl - wie ausführlich dargelegt - die erforderlichen Lärmgrenzwerte nur in der Hirschhorner Landstraße erreicht werden, nicht aber in FriDoLa, Beck- und Schwanheimer Straße.
Lothar Jost (AGL) kritisierte in einem Rundumschlag die "nicht mehr zeitgemäße Ausrichtung des Verkehrsrechts". Es überbetone das Auto und halte am ideologischen Ziel einer veralteten Richtgröße Tempo 50 fest.
Karl Braun (CDU) betonte, es sei jetzt wichtig, etwas zu machen um endlich vorwärts zu kommen.
Aufleuchtende Tempoanzeigetafeln sollten beschafft und installiert werden. Laut Bärbel Preißendörfer vom städtischen Ordnungsamt kosteten derartige Anzeigetafeln 2500 bis 3000 Euro. Für Rockenau sei bereits eine bestellt. Die rot aufleuchtenden Geschwindigkeitsmessdaten sollen Autofahrer veranlassen, von sich aus den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.
Bürgermeister Reichert sagte zu, sich beim RP trotz der Faktenlage für Tempo 30 einzusetzen. FWV-Stadträtin Susanne Lehn wünschte, man möge doch prüfen, ob man nicht fürs gesamte Eberbacher Stadtgebiet Tempo 30 einführen könne. Lehn beschrieb als Beispiel die Situation am Übergang über die Eberbacher Straße in Pleutersbach. Darauf Bürgermeister Reichert: "Wir werden keine Beispielstadt ’flächendeckend Tempo 30 in Eberbach. Aber wir wollen den Entscheidungsspielraum nutzen, den das Regierungspräsidium hier nicht sieht. Wir wollen Tempo 30, weil unsere Lärmwerte wirklich nur knapp darunter liegen."
Darauf hatte die AGL ihren Antrag für einen Probebetrieb gestützt, zumal ihre Stadträte davon ausgehen, dass der angenommene Ausweichverkehr von 1500 Fahrzeugen täglich mehr durch die Friedrich-Ebert-Straße bei weitem nicht so groß ausfallen werde wie vom Köhler-Leutwein-Planergutachten berechnet.
Sollte der Probebetrieb diese ("Fehl-")Annahme bestätigen, ist dies auch für die AGL ein Argument gegen Tempo 30 in der FriDoLa, denn man könne nicht Anwohner dort auf Kosten anderer Bürger entlasten, die dann mehr Lärm aufgebürdet bekämen. Die Auswertung des Probelaufs werde helfen, diese Frage sachgerecht zu entscheiden.
