Bahnhofsmission Mannheim: Begleiten, helfen oder einfach nur zuhören
Von Heike Warlich-Zink
Mannheim. Züge fahren ständig an und ab. Durch die Lautsprecher tönen Durchsagen. Menschen laufen eilig vorbei. Kofferrollen rattern über den Asphalt. Und doch hat die Ökumenische Bahnhofsmission Mannheim genau diesen Ort für seinen Gottesdienst zum 25-jährigen Bestehen ausgesucht. Dort, am Gleis 1 des Mannheimer Hauptbahnhofs, ist der Arbeitsplatz der Ehrenamtlichen. "Nächste Hilfe Bahnhofsmission" steht auf den blauen Shirts und Jacken. Eine Botschaft, ebenso knapp wie aussagekräftig. Sie sind da, wenn sie gebraucht werden.
Der katholische Dekan, Karl Jung, und sein evangelischer Amtskollege, Ralph Hartmann, würdigen die Arbeit der 50 Männer und Frauen, die sich unter der Leitung von Birgit Fischer engagieren und erinnern daran, dass die Bahnhofsmission vor einem Vierteljahrhundert in Mannheim die erste Einrichtung in ökumenischer Trägerschaft war. Eine Vorreiterrolle nahm man auch ein, als 2003 unter dem damaligen Leiter Roland Knüppel das Projekt "Kids on tour" etabliert wurde. Und heute noch ist die Mannheimer Bahnhofsmission einer der aktivsten und zahlenmäßig stärksten Standorte, wenn es darum geht, in Kooperation mit der Deutschen Bahn alleinreisende Kinder zu begleiten. Begleiten, das ist die zentrale Aufgabe an sich.
"110.000 Menschen sind täglich am Bahnhof unterwegs", nennt Dekan Hartmann Zahlen. Menschen, die ihre Sorgen und Nöte mit im Gepäck haben, und von denen manche ein offenes Ohr suchen, um diese zu teilen. Andere wieder benötigen Hilfe beim Gleiswechsel, weil sie ihre Koffer nicht alleine tragen können, nur schlecht laufen oder sehen können. Kinder haben in der Eile ihre Eltern aus den Augen verloren, Reisende ihren Zug verpasst und fragen die Helfer nach Adressen von Übernachtungsmöglichkeiten. Am Ort der An- und Abreise stranden auch manche. Menschen ohne Obdach oder jugendliche Ausreißer, die dankbar sind für ein Gespräch, das ihnen den Weg, beispielsweise zu einer Fachstelle, weist.
Eigentlich sei der Bahnhof mit seiner Hektik und Eile kein Ort für Begegnung. Doch genau dort und in diesem Sinn wirke die Bahnhofsmission im christlichen Auftrag, führten die Dekane aus. Mit Blick auf die Flüchtlinge, die vor zwei Jahren in großer Anzahl in Mannheim angekommen seien, sprach Erster Bürgermeister Christian Specht von einem "ersten freundlichen Willkommenszeichen der Metropolregion", das die Helfer diesen Menschen gegeben hätten, und bedankte sich im Namen der Stadt bei Fischer und ihrem Team.
Fischer selbst erinnerte daran, dass es die Bahnhofsmission bereits seit 1897 auf dem Hauptbahnhof gibt. Über viele Jahrzehnte jedoch konfessionell streng getrennt. Eine Woche gab es einen katholischen, eine Woche einen evangelischen Dienst. Jeder hatte seinen eigenen Zucker, seinen eigenen Kaffee und Tee, der nach Dienstschluss im jeweiligen Schrank verschlossen wurde. Bis 1991 gab es auch eine Essensausgabe. Die Zeit des Kochens von Erbsensuppe ist jedoch für die Ehrenamtlichen vorbei.
Sie sehen ihre Aufgabe in der Begleitung von Menschen und helfen bei kleinen und großen Problemen. So wie Renate Kleine, die seit 22 Jahren ehrenamtlich mitarbeitet. "Für mich ist das gelebte Ökumene und gelebte Nächstenliebe", sagt sie. Zweimal pro Woche tritt sie ihren Dienst im Nebengebäude des Hauptbahnhofs mit dem Logo der Bahnhofsmission - rosafarbenes Kreuz auf gelbem Balken - an. "Wünschenswert ist es schon, mindestens einmal die Woche zu kommen. Aber wir haben auch Berufstätige, die nur sonntags helfen können und einmal im Monat mitarbeiten. Auch das ist in Ordnung", sagt Fischer und ist nach eigener Aussage "einfach nur glücklich, dass zum 25. Jubiläum in ökumenischer Trägerschaft alles so ist, wie es ist". Die Zusammenarbeit von Caritas und Diakonie mit der Deutschen Bahn und der Stadt funktioniere reibungslos. Die Räume seien vor zwei Jahren renoviert worden. "Es soll einfach nur so gut weitergehen", wünscht sie sich.
Info: Die Mannheimer Bahnhofsmission ist montags bis samstags von 7 bis 21 Uhr geöffnet, sonntags von 8 bis 21 Uhr.
