Meckesheim: Ist der Windpark im Wald ein Verbrechen an der Natur?
Von Nicolas Lewe
Meckesheim. Eines vorneweg: Der Gemeinderat in Meckesheim ist grundsätzlich nicht gegen die Errichtung von Windkraftanlagen. Aber: Ein solches Gebiet darf aus Sicht der Ratsmitglieder nicht nahezu ausschließlich im Wald liegen - und es darf auch keine Größe von 63 Fußballfeldern aufweisen. Diese beiden Aspekte, die so in den aktuellen Überlegungen des Regionalplans Rhein-Neckar auftauchen, sorgten bereits in der Gemeinderatssitzung im Mai für Unmut bei den Bürgervertretern.
Und, um im Bild zu bleiben: Es gab ordentlich Gegenwind für die Absichten des Verbands Region Rhein-Neckar, der unter dem Dachverband der Metropolregion firmiert. Im Mai beschloss das Räterund, die Vertreter der Metropolregion von den Windkraft-Plänen in der derzeitigen Form abzubringen - gleichzeitig aber Verhandlungsbereitschaft in Richtung einer kleineren Ausweisungsfläche im Gewann "Brüchel" zu signalisieren.
Vor diesem Hintergrund hat in der Zwischenzeit ein Treffen stattgefunden, wie Bürgermeister Maik Brandt in der zurückliegenden Zusammenkunft des Gemeinderats berichtete. Dieses Treffen sei allerdings ernüchternd verlaufen. "Seitens der Metropolregion wurde festgestellt, dass es nicht die Aufgabe der Metropolregion sein kann, bei der Umsetzung die Einhaltung von Gemeinderatsbeschlüssen zu überprüfen", so Brandt. Zudem argumentiere die Metropolregion damit, dass die vorgeschlagene Fläche ja innerhalb des Vorranggebietes liege.
Im Meckesheimer Gemeinderat hingegen möchte man dies so nicht akzeptieren. Man sei verwundert über das "eigenmächtige Vorgehen" des Vorgängers im Bürgermeisteramt in Sachen Windkraft, so die Stellungnahme der Verwaltung. Der zwischen 2011 und 2013 erfolgte Verlagerungswunsch in den Wald habe entgegen des ausdrücklichen Willens des Gemeinderates stattgefunden. Man habe daher die Vertreter der Metropolregion nun davon überzeugen können, dass der Fall Meckesheim einer gesonderten Bewertung bedarf, freute sich Brandt über den Teilerfolg.
Der Gemeindeverwaltungsverband Elsenztal, zu dem neben Meckesheim die Kommunen Eschelbronn, Lobbach, Mauer und Spechbach gehören, habe entschieden, ein bereits 2014 beauftragtes Gutachten durch das Sinsheimer Unternehmen Sternemann und Glup fertigstellen zu lassen. Ziel dieses Gutachtens sei es, so Brandt, den Bau von Windkraftanlagen im Wald durch fachliche Gründe auszuschließen.
Und sollte dieses die Windkraft-Planer von der Metropolregion immer noch nicht überzeugen, dann soll ein artenschutzrechtliches Gutachten weiter Druck auf eine Änderung der Pläne ausüben. "Im betroffenen Gebiet sind bereits mehrere unter den Artenschutz fallende Rot- und Schwarzmilane gesichtet worden", betonte Brandt. Er wies aber auch darauf hin, dass eine Rückkehr zur ursprünglich beschlossenen Vorrangfläche im Gewann "Brüchel" nicht so ohne Weiteres möglich sei. Denn: Der inzwischen auf 1000 Meter erhöhte Mindestabstand der Windräder zur Wohnbebauung ist nicht überall gegeben.
Die Haltung des Gemeinderats brachte Clemens Heck (CDU) anschließend treffend auf den Punkt: "Ein Windradpark auf der aktuell ausgewiesenen Fläche wäre ein Verbrechen an der Natur." Dem hatten die restlichen Ratsmitglieder nichts hinzuzufügen: Das von Bürgermeister Brandt zuvor skizzierte weitere Vorgehen wurde per Abstimmung einhellig gebilligt.
