"Frauenblick auf Eberbach": Sie wollen die Stadt voranbringen
Von Felix Hüll
Eberbach. Die "kleine, überschaubare schnuckelige Gemeinde mit ein bisschen Rost an manchen Stellen" durch Visionen voranbringen und durch Umsetzen oft des bereits längst Beschlossenen einen Anfang machen, etwa bei Sauberkeit in den Straßen und im Ausbau des Tourismus - das antworten Susanne Weber und Ursula Clifford auf die Frage nach ihrer Meinung, wenn sie in der Reihe "Frauenblick auf Eberbach" gefragt werden.
Die Eberbacher Apothekerin Susanne Weber ist Vorsitzende des Hospizvereins Eberbach-Schönbrunn, Coach und Unternehmensberaterin Ursula Clifford ist sowohl im Hospizverein als auch beim Unternehmerinnenforum Eberbach (UFO) zweite Vorsitzende, in dem Weber ebenfalls Mitglied ist.
Ein buchstäbliches "no go" in Eberbach ist für sie Kopfsteinpflaster. Schön anzusehen, aber "wenn ich einen Rollator habe, dann klappern dir die Knochen" (Clifford). Den unterschiedlichen Ausleuchtungsgrad des öffentlichen Raums in Eberbach erwähnt Weber: "Im Heinrich-Heine-Weg haben wir Flutlicht, und hier drin in der Stadt ist es dunkel". Die Neckarstraße sei schön illuminiert, aber die Leuchtpunkte sind nicht miteinander verbunden.
Gleichermaßen ärgert beide Frauen die mangelnde Sauberkeit in der Stadt. Clifford: "Ich hab die bösartige Ansicht, dass hier das Verursacherprinzip angewandt gehört. Wir brauchen eine Gebührenordnung, die sagt: Herrschaften, das kostet."
Clifford würde einfach mal den Anfang machen und bezahlte Leute durch die Stadt patrouillieren lassen, um Leute auf frischer Tat beim Wegwerfen und Verunreinigen zu erwischen und zu belangen. "Ja, das kostet, aber das hat einen Erziehungseffekt, nichts, was ewig dauert. Wenn die Leute merken, oh, da ist man dahinterher, pendelt sich das ein." In Singapur habe das funktioniert, Mannheim habe es auch geschafft, Poser aus der Stadt zu ziehen.
Mehr Sauberkeit und Aufenthaltsqualität in der Stadt - "ich glaube nicht, dass das neue Sachen sind. Mich wundert, dass das einfach nicht umgesetzt wird." (Clifford) Man müsse eben einfach beginnen und konsequent dabeibleiben, die Impulse umzusetzen.
Susanne Weber: "Ich denke, dass es doch einer Person bedarf, die die Ziele vor Augen hat." Das gelte für Sauberkeit, Licht wie für Bausünden und Innenstadtgestaltung.
Die ewige Baulücke nach dem abgerissenen Haus Bahnhofstraße 2 "trägt nicht gerade zur Attraktivität der Innenstadt bei". Dabei sollte Eberbach mit seinen Pfunden als eigentlich schönes Städtchen am Neckar wuchern und noch mehr Touristen anziehen. "Wieso kann man nicht einen Tanztee anbieten, wenn die Kreuzfahrtschiffe anlegen? Oder Modevorführungen dort, wo die Gäste hingehen? Und wieso bietet Eberbach nicht Vergleichbares wie Freudenstadt, wo Eltern ihre Kinder auf dem Marktplatz gefahrlos ohne Sorge wegen fahrender Autos spielen lassen und sich ins Café setzen können?
Clifford: "Ja, alles was man als Idee neu formuliert, kostet Geld. Aber man kann nicht baden, ohne nass zu werden. Außerdem: wenn ich von vornherein alles madig mache, kommt nie eine Vision zustande." Man sollte Ideen nicht gleich totschlagen mit dem Kostenargument. Erst müsse man Ziele benennen und dann beim Ermöglichen der Finanzierung schauen, "was braucht’s denn, um sie zu erreichen".
Klar gebe es kleine Schritte, die schnell angegangen werden können und größere Projekte, bei der die Finanzierung schwerer fällt. Weber: "Ich find’s schade, dass Eberbach sich nicht um eine Landesgartenschau beworben hat und dass es auch nicht heißen wird, Eberbach hat im Neckartal die neueste und schönste filigrane Brücke." Anders gelagert mag der Wunsch nach einem "Netzwerk Pflege" sein, das es schon gibt, "aber es wäre schön, wenn sich das über Ärzte und Apotheken erweitern ließe" (Weber).
Susanne Weber und Ursula Clifford sind sich einig: wir wollen Eberbach ja weiterbringen. Das fordert jeden, bringt aber auch allen was.
Clifford: "Ich glaub’ es ist mehr, so einen Spirit zu setzen, dass man sieht, da ist jemand, der einen langen Atem hat, kompetent ist und einen Draht zum Bürgermeister hat, denn der kann nicht alles selbst machen."
