Logistikbataillon 461: Chinesische Armee nimmt Nachhilfe in Walldürn
Walldürn. (RNZ) "Wir werden unsere moderne Militärlogistik umfassend stärken und die Forschung und Entwicklung von neuen High-Tech-Waffen vorantreiben sowie die entsprechenden Industrien fördern", hatte Chinas Premierminister 2015 angekündigt. Zu diesem Zweck begibt sich das personell stärkste Militär der Welt - die Volksbefreiungsarmee mit ihren mehr als zwei Millionen Soldaten - auch zur Nachhilfe nach Walldürn.
Der aus China stammende Oberstleutnant Zhi Chen hat für zweieinhalb Monate eine zweite Heimat beim Logistikbataillon 461 gefunden - im Rahmen der militärischen Ausbildungshilfe. Seit 1997 bildet die Bundeswehr chinesische Soldaten weiter. Im Gegenzug hat die nationale Verteidigungsuniversität der chinesischen Volksbefreiungsarmee rund 250 Lehrgänge für ausländische Soldaten geöffnet, an denen bereits deutsche Soldaten teilgenommen haben. Angesichts des Wandels der chinesischen Außen- und Sicherheitspolitik haben China und Deutschland die Zusammenarbeit inzwischen intensiviert.
Bevor Oberstleutnant Chen nach Walldürn kam, hatte er eine sprachliche Ausbildung am Bundessprachenamt in Hürth durchlaufen. In einem straff geplanten Ausbildungsablauf arbeitete sich Chen dann in das logistische System der Bundeswehr ein. Dazu gehörten Exkursionen in die Depotorganisation der Bundeswehr sowie in den Bereich der zivilen logistischen Leistungserbringer.
Dass die Bundeswehr bei ihrem Fuhrpark und bei der Instandsetzung militärischer Großgeräte die zivile Wirtschaft einbindet, war für Chen sehr interessant. Diese Kooperation beschränkt sich nicht nur auf Deutschland, sondern gilt auch bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr.
Im "Mutterhaus der Logistikkräfte der Bundeswehr" in Garlstedt erlebte der chinesische Oberstleutnant die vielfältigen logistischen Ausbildungen hautnah vor Ort und zog direkte Vergleiche zu den eigenen Ausbildungskonzeptionen. Chen ist an der Militäruniversität in Wuhan mit der Ausbildung des logistischen Fachpersonals des Heeres betraut und soll das logistische System der chinesischen Streitkräfte weiterentwickeln.
Im Rahmen seines Aufenthalts in Walldürn sammelte Chen nicht nur Informationen, er gewährte auch selbst Einblicke in die chinesische Kultur und Lebensphilosophie. Dabei fasste er auch zusammen, welche Herausforderungen und strukturellen Reformen die Volksbefreiungsarmee noch zu meistern habe.
"Als Fremder gekommen - als Freund gegangen", fasste Oberstleutnant Werle, Kommandeur des Logistikbataillons 461, den Aufenthalt von Zhi Chen zusammen. Der hatte die ausbildungsfreien Wochenenden intensiv genutzt, um die deutsche Kultur und Gastfreundlichkeit näher kennenzulernen. Seine Ausflüge führten ihn unter anderem nach Berlin, Bonn, Dresden, Frankfurt, Heidelberg, München und Würzburg.
An Deutschland gefielen dem Chinesen nicht nur die weithin bekannten Attraktionen wie Schloss Neuschwanstein oder das Oktoberfest, sondern auch die regionalen Sehenswürdigkeiten. Im direkten Umkreis der Nibelungenkaserne besichtigte er unter anderem die Walldürner Wallfahrtsbasilika, die Eberstadter Tropfsteinhöhle sowie die noch erhaltenen Teile des römischen Limes und das Römermuseum in Osterburken.
Ein Glücksfall für Chen war es, dass seine Lebensgefährtin seit etwa drei Jahren an der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich der Rechtswissenschaften promoviert. Seinen Aufenthalt in Deutschland nutzte der Soldat prompt, um sich zu verloben. Die Hochzeit, so gab Chen bekannt, ist für das Frühjahr in China geplant.
Zum Abschied bedankte sich Oberstleutnant Zhi Chen für die freundliche Aufnahme sowie die fundierte logistische Weiterbildung im Logistikbataillon 461: "Sie haben mir stets das gute Gefühl gegeben, ein Freund unter Freunden gewesen zu sein."
