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Interview: "Kriminologisch spielt die Herkunft keine Rolle"

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Von Matthias Kehl

Heidelberg/Hamburg. Rafael Behr (62) ist Professor für Polizeiforschung an der Polizeiakademie Hamburg und lehrt dort Kriminologie und Soziologie.

Herr Behr, in der Nacht zum Sonntag eskalierte am Frankfurter Opernplatz die Gewalt. Als die Polizei einschritt, attackierten und verletzten die Feierwütigen die Beamten. Es heißt, dass es sich bei den Tätern vorwiegend um Migranten handelt. Wie bewerten Sie die Gewalteskalation?

Hier wird versucht, mit einem Label zu arbeiten, und das heißt: Migrationshintergrund. Kriminologisch spielt die Herkunft keine Rolle. Es gibt aber viele andere Mosaiksteine, die zu den Krawallen beigetragen haben. Auch die Zuspitzung, dass es Gewalt gegen die Polizei war, ist relativ willkürlich. Die Gewalt eskalierte zunächst unter den Randalierenden. Dann ist die Polizei eingeschritten – die es dann auch abbekommen hat. Aber die Ursache lag nicht darin, dass die Täter unbedingt Polizisten verprügeln wollten. Die Polizei hat in der unübersichtlichen Lage den Hass auf sich gezogen. Das ist schlimm, aber nicht neu.

Spielen Sie auf die Ausschreitungen in Stuttgart an?

Nein. Das geht viel länger zurück. Bereits bei den Schwabinger Krawallen 1962 gab es vergleichbare Situationen. Dort gab es auch ein jugendliches Publikum, das den Weisungen der Polizei nicht gefolgt ist – und dann gab es vier Tage Krawalle. Es kam zu Straßenschlachten zwischen bis zu 40.000 vor allem jugendlichen Protestlern, übrigens überwiegend Deutsche. Da hat man sich auch gefragt: Wie kann das sein? Solche Ausnahmeerscheinungen haben wir nun mal in der Zivilgesellschaft. Das mag man beklagen, ist aber kein neues Phänomen.

Mit Blick auf die aktuellen Eskapaden in Frankfurt oder zuletzt in Stuttgart, welche Ursachen erkennen Sie?

Das Problem hat in erster Linie einen sozioökonomischen Hintergrund.

Der Unterschied bezieht sich also mehr auf den sozialen Status?

Genau. Konflikte zwischen den Gruppen bricht sich dann auch in Gewalt Bahn, die auch die Polizei abbekommt, die dazwischengeht. Dieses Kriterium Ausländer, Fremder oder Migrant schwemmt sich immer mehr aus. Und es wird ersetzt durch andere Zuschreibungen – wie zum Beispiel Armut, Arbeitslosigkeit oder bildungsfernes Milieu. Das sind alles Faktoren, die zu diesem Konglomerat an "Feierwut" geführt haben. Da geht es nicht um den Herkunftsstatus der Eltern. Und darüber hinaus unterscheidet sich das Geschehen in Stuttgart prinzipiell von dem in Frankfurt.

Inwiefern?

Nach meiner Kenntnis waren in Frankfurt die Bars und Klubs geschlossen. Am Opernplatz hat sich eine sehr heterogene Menge getroffen, von der sich dann eine Art spontaner Gewaltrausch entwickelte. In Stuttgart war es der Unterschied zwischen "denen drinnen" und "denen draußen". Also denen, die im Klub gefeiert haben und teure Getränkepreise zahlen – und denen, die nicht reinkommen, aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht weil sie Migrationshintergrund haben, vielleicht weil sie frech waren oder die falschen Klamotten anhatten. Die suchen sich dann draußen ein Ort zum "Feiern".

Nach der Krawallnacht in Stuttgart verteidigte das Innenministerium die Maßnahme der Polizei, zu erforschen, ob die Täter einen Migrationshintergrund haben, als "Standardvorgehen". Gehen Sie da mit?

Bei der eingeschlagenen Fensterscheibe ist es nicht relevant, ob die Mutter des Zerstörers aus Afghanistan oder Oslo kommt – strafrechtlich gesehen. Man muss sich fragen, wann hört das Fremdsein auf? Wann hört man auf, in diesen Kategorien zu denken? Wenn die Leute einen deutschen Pass haben – und das war in Stuttgart beim Großteil der Fall – dann leben diese Menschen schon ein paar Jahre hier. Insofern halte ich diese Untersuchung eben für nicht gerechtfertigt. Die Polizei hat nicht die Aufgabe der Jugendgerichtshilfe – dass sie erforschen soll, wie es den Kindern der Eingewanderten geht. Die Polizeiaufgabe hat sich auf die Tat und die Täter zu beschränken und die Erklärung einer Straftat. Und nicht auf die Untersuchung der Stammbäume der Täter.




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