Heidelberg: Schaukel-Aktion für den Dannenröder Forst
Von Ruth Lang Fuentes
Heidelberg. "Wald statt Asphalt" fordern Aktivistinnen und Aktivisten des gleichnamigen Bündnisses im Dannenröder Wald in Hessen schon lange. Dort sollen 25 Hektar Wald für den Ausbau der A 49 gerodet werden. Seit Ende letzten Jahres besetzen sie aus diesem Grund die Bäume. Diesen Dienstag hat nun die Polizei begonnen, die Besetzer aus ihren Baumhäusern zu verdrängen. Am Wochenende soll die Rodung starten.
Als spontane Solidaritätsaktion beschloss deshalb in der Nacht auf Donnerstag eine kleine Gruppe von sechs Personen, die sich bei "Extinction Rebellion" engagieren, auch in Heidelberg einen Baum zu besetzen. "Einige von uns können am Wochenende nicht im Dannenröder Wald dabei sein", erzählt die Aktivistin Paula Leibe. So entschieden sie, von hier aus ein Zeichen zu setzen. Um 4 Uhr morgens brachten sie mehrere Banner und Plakate, sowie eine selbstgebaute Schaukel an einem Baum am Kapellenweg in der Nähe des Atzelhofes an. "Wir hatten den Platz vor allem deswegen ausgewählt, weil wir annahmen, er sei besonders schwer zu räumen", so Leibe. Die Protestform sei gewählt worden, weil sie coronakonform sei.
In mehreren Metern Höhe saßen abwechselnd verschiedene Personen bis in den späten Morgen auf der Schaukel. Als die Gruppe gegen 10 Uhr eine Spontandemo startete, wurde die Polizei auf die Aktion aufmerksam und der Platz schließlich doch geräumt.
Laut "Extinction Rebellion" kam es zu keinen Vorwürfen vonseiten der Polizei. Die Beamten hätten zwar die Personalien der Anwesenden aufgenommen, seien jedoch freundlich gewesen und hätten sich sehr besorgt um die Sicherheit der Person in der Schaukel gezeigt. Nach Aussagen der Polizei wurde die Aktion bei der Versammlungsbehörde gemeldet. Letztlich habe die Stadt mit Hilfe einer Hebebühne Schaukel und Plakate gegen 11.30 Uhr abgehängt und die Besetzer hätten den Platz freiwillig verlassen.
Mit der Aktion wollte sich die Gruppe mit den Menschen im von der Rodung bedrohten Dannenröder Wald solidarisch erklären, die dort eine alternative Form des Zusammenlebens erproben würden. "Solche Räume gilt es zu unterstützen, nicht anzugreifen und mit roher Gewalt zu zerstören", so die Protestierenden. Die sofortige Einstellung des dortigen Polizeieinsatzes sowie der Rodung fordern sie aus zwei Gründen: Einen gesunden Wald für eine Autobahn zu fällen, treibe die Klimakrise voran. Zudem sei ein wochenlanges Großaufgebot der Polizei inmitten einer globalen Pandemie nicht zu verantworten. Auch die hiesige Landesregierung solle sich für ihre Forderungen einsetzen. "Wer Wald für Autos opfert, ist nicht grün", meinen die Umweltaktivistinnen.
