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Июнь
2025

Erst die „Bolo“, dann das Vergnügen

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Eine Story von Karsten Zipp (Gießener Anzeiger).

Fernwald. Zur Begrüßung bellt der kleine Pudel munter durchs Wohnzimmer. Auf einer kleinen Matratze schaut die vier Monate junge Mara eher desinteressiert am unbekannten Gast vorbei. Dafür sagt Anne mit freundlichem Lächeln »Guten Tag«. Guten Tag bei der jungen Familie Schornstein im Steinbacher Neubaugebiet. Und während unten im Reihenhaus die Ehefrau das Kind und den Hund betreut, führt der Ehemann den Gast ganz nach oben.

Oben unterm Dach wartet nämlich das ständig im Wachsen begriffene Studio von Simon Schornstein. Der Mann, der als Medienprofi die Spiele der Gießen 46ers für sportdeutschland.tv kommentiert. Der Mann, der mit zwei Freunden den erfolgreichsten Podcast der 2. Basketball-Bundesliga initiiert hat. Der Mann, der als Hallensprecher für den RSV Lahn-Dill in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga tätig ist. All das aber eher als Hobby. Im Hauptberuf ist der 31-Jährige als Marketing-Manager für ein Beratungsunternehmen im Wetzlarer Leica-Park engagiert. »Ja, manchmal ergibt das schon eine 60-Stunden-Woche«, sagt Schornstein nach kurzem Nachdenken. Plus Familie, plus Haus und plus dem neuen Gartengrundstück, das sich das Ehepaar um die Ecke gemietet hat, dürfte es dem stets so freundlichen Basketball-Experten nicht langweilig werden.

Noch dazu muss er später an diesem Abend in der Küche tätig werden. Auch als Koch ist Simon Schornstein gefragt. Zumindest dann gefragt, wenn seine beiden Freunde Lukas Becker und Thorsten Dlugosch montags oder dienstags vorbeikommen. Denn immer dann erstellt das Gießener Trio den inzwischen deutschlandweit bekannten Podcast »Erstklassig zweitklassig«. Dabei geht es um alle Themen, die in der ProA die Fans bewegen. Stets wird ein Gast zugeschaltet. An diesem Abend wird es Cindy Rössel sein, die Geschäftsführerin von Aufsteiger SBB Baskets aus Wolmirstedt, die erklären wird, welche Rolle das neue Team denn in der ProA einzunehmen gedenkt. Und damit das heimische Podcast-Trio für den langen Abend auch bei Kräften bleibt, will Schornstein Spaghetti Bolognese zubereiten. »Der Klassiker«, wie er mit einem Lachen sagt. Ein Klassiker, den lustigerweise Luis Figge auf den Küchenplan gebracht hat. Der sonst so zuverlässige Antreiber der 46ers verpasste einst seinen zugesagten Podcast-Termin. Und als ihn Schornstein nach längerem Warten an jenem Abend anrief, sagte der ebenso perplexe wie schuldbewusste Figge nur: »Oh Mist. Das habe ich vergessen. Und jetzt stehe ich hier in der Küche und koche Bolo.« Seitdem steht halt die Bolo ganz weit oben auf dem Ernährungsplan der drei Gießener Basketball-Enthusiasten. Aber wieso ausgerechnet Basketball? Weshalb ein Podcast? Warum wird ein junger Mann Moderator? Dieses wieso, weshalb, warum seiner Biographie erklärt Simon Schornstein gerne. Und vor allem immer überaus freundlich.

»Das war schon etwas nerdig«, sagt der Hobbykoch zu seinen Anfängen als – nun ja – Medien-Nerd. Wer im Alter von 14 Jahren damit beginnt, in der Schule Veranstaltungen zu moderieren, später dann begeistert für Internetradiosendungen tätig wird, als diese noch so gut wie keiner kannte, wer schließlich ganze Veranstaltungen verbal begleitet, wird durchaus von den Klassenkameraden als Nerd, als technischer Eigenbrötler sozusagen, tituliert. »Ich war«, erklärt Schornstein denn auch ernsthafter, »als Jugendlicher eigentlich sehr still und schüchtern. Da hat es mir ungeheuer viel Selbstbewusstsein gegeben, als ich merkte, dass ich gut vor Gruppen reden kann. Das wiederum hat mir dann auch später in der Schule bei Projektvorstellungen beispielsweise sehr geholfen.« Ein Hobby als Lebenshilfe. Eine Leidenschaft, die durchs Leben trägt. Das macht Sinn. Das macht vor allem aber auch weiterhin dem immer noch jungen Simon große Freude, als er nach dem Abitur direkt bei einem Sender einsteigt. Doch nach einiger Zeit bei Radio Bob und später bei Radio HNA merkt er: »Das war nichts fürs Leben. Als Radiomoderator arbeiten, wäre als Vollzeitjob nichts für mich gewesen.« Also startet er nach seinem Ausflug zu den Sendern an der Gießener THM das Studium der Betriebswirtschaft. Schließt dieses auch erfolgreich ab und arbeitet heute bei einem Unternehmen in Wetzlar. »Das«, so betont er, »macht mir auch richtig Spaß.«

Und ebenso viel Spaß bereitet dem jungen Familienvater weiterhin seine Basketball-Berichterstattung. Warum Basketball? »Meine Frau hat mich damals zum ersten Mal in die Osthalle mitgenommen. Und wie bei so vielen Menschen hat mich die Stimmung sofort begeistert«, blickt er zurück. Und gemeinsam mit der Ehefrau wurden später auch die ersten Berichte erstellt. Anne hinter, Simon Schornstein vor der Kamera. Davor ergab sich die Chance für den jungen Mann, als Hallensprecher bei den Gießen Rackelos einzusteigen. Später übernahm er diesen Job auch bei den 46ers, wo er von 2018 bis 2022 gemeinsam mit Carsten Schäfer tätig war. Heute animiert der gebürtig aus Hadamar stammende Hesse noch die Zuschauer bei den Heimspielen des RSV Lahn-Dill.

»Das«, so sagt er, »bereitet mir auch viel Freude. Aber die Podcasts und das Internetfernsehen sind noch mehr meine Leidenschaften.« Vor allem wenn die inzwischen auch vom Liga-Verband mit einer Live-Konferenz aller neun Begegnungen beim letzten Hauptrundenspieltag geadelten Gießener wieder einmal besonders spannende Gäste haben. »Hansi Gnad«, erzählt Schornstein von der Basketball-Legende, »war klasse. Der saß mit einem Glas Rotwein vor seinem Laptop und hat einfach sehr interessant erzählt.« Gerne denkt Schornstein auch an zwei Folgen zurück, als jeweils ein Schiedsrichter zugeschaltet war. »Seitdem sehen wir ein paar Dinge anders, wenn wir bei den Spielen sind«, freut er sich heute noch über die starke Regelkunde. Dazulernen ist überhaupt ein wichtiger Aspekt. »Ich habe ja nie selbst Basketball gespielt und bin dann ja erst relativ spät regelmäßig in die Osthalle gegangen. Da verfügen Lukas und Thorsten einfach über mehr Fachkompetenz«, räumt der Neu-Steinbacher die sportspezifische Überlegenheit der beiden Partner gerne ein. Schornstein selbst bearbeitet jeweils am Tag danach die Folgen, die zwischen 1 und 1:40 Stunde lang sind. Insgesamt bedarf es schon fünf bis sechs Stunden an Arbeit, ehe ein Podcast erstellt ist.

Während der junge Mann das erklärt, sitzt er hinter einem Schreibtisch mit Computer und einem kleinen Mischpult. Der Gast wiederum hat auf einem Zweisitzer Platz genommen und war anfangs irritiert davon, dass der Sofatisch über zwei eingebaute Mikrofone verfügt. Seit drei Jahren nutzt er diesen Raum. Ständig wird an der Technik gefeilt. »Ja, ich habe sozusagen mein eigenes Studio«, freut sich der Medienexperte. Und freut sich aber auch darauf, dass nun die Sommerpause folgt. Dass endlich mehr Zeit für die Familie ist (»Wenn meine Frau nicht ebenfalls so basketballbegeistert wäre, würde das alles nicht gehen«) und dass nun auch das neue Gartengrundstück die kleine Familie ins Grüne lockt.

Beim Verlassen des Hauses bellt der Hund wieder fröhlich, die Frau sagt »auf Wiedersehen« und man kann sich lebhaft ausmalen, wie später am Abend drei Gießener im Steinbacher Dachzimmer bei einem großen Teller »Bolo« über die Saison der 46ers fachsimpeln.

Der Beitrag Erst die „Bolo“, dann das Vergnügen erschien zuerst auf GIESSEN 46ers.




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