Friedrich Merz' "Stadtbild"-Äußerung schlägt hohe Wellen. Sahra Wagenknecht kritisiert das Frauenbild des Kanzlers – springt ihm aber bei einem anderen Punkt bei. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe mit der "Stadtbild"-Äußerung einen Punkt getroffen – sagte Sahra Wagenknecht (BSW) am Freitagabend im Ntv-Talk "Blome & Pfeffer". Gleichzeitig bezeichnete sie sein Frauenbild als "ziemlich muffig". SPD-Politiker Karl Lauterbach wiederum warf Merz vor, Frauen für Angstdebatten zu instrumentalisieren. Schon zu Beginn der Sendung machte Wagenknecht deutlich, dass sie Merz grundsätzlich nicht verteidigen wolle: Sein Frauenbild sei "nicht ganz auf der Höhe der Zeit". Doch in einem Punkt sehe sie ihn im Recht: Das Leben in Städten habe sich insbesondere für Frauen verändert. "Viele Frauen haben mir gesagt, dass sie sich nicht mehr wohlfühlen, ins Freibad zu gehen, weil sie dort blöd angemacht werden von Männergruppen", sagte Wagenknecht. Auch auf den Straßen gebe es zunehmend unangenehme Situationen. Das seien Dinge, die Männer nicht erlebten. "Das gehört auch zum Stadtbild" Die BSW-Gründerin betonte zugleich, dass sich das Stadtbild nicht allein an Sicherheitsfragen messen lasse. Sichtbare Armut, mehr Obdachlosigkeit und zunehmender Drogenkonsum seien in vielen Stadtteilen ebenfalls zentrale Veränderungen: "Vor 20 Jahren hat man in Deutschland keine Rentner gesehen, die nach Flaschen gesammelt haben", so Wagenknecht. Merz' politische Linie trage aus ihrer Sicht zur Verschärfung dieser Probleme bei – sie warf ihm vor, mit seiner Reformpolitik womöglich selbst zur Zunahme von Obdachlosigkeit beizutragen. Merz hatte am 14. Oktober gesagt, die Bundesregierung korrigiere frühere Versäumnisse in der Migrationspolitik und mache Fortschritte, "aber wir haben natürlich immer im Stadtbild noch dieses Problem, und deswegen ist der Bundesinnenminister ja auch dabei, jetzt in sehr großem Umfang auch Rückführungen zu ermöglichen und durchzuführen". Später sagte er auf Nachfrage: "Fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte." Seine Aussagen hatten breite Kritik ausgelöst, auch in der Koalition. Lauterbach: "Frauen instrumentalisiert" SPD-Politiker Karl Lauterbach übte in der Sendung scharfe Kritik an Merz. Zwar sei das Problem real, doch Merz’ Umgang damit falsch: "Wir müssen die Bahnhöfe, die Innenstädte sicherer machen. Das ist aber auch eine Frage von Geld und nicht von Migranten, die da vermeintlich rumlungern." Vor allem stört Lauterbach die Symbolik: Wenn Frauen immer dann ins Spiel gebracht würden, wenn Ängste gegenüber Migranten geschürt werden sollen, fühle man sich "vereinnahmt". Der SPD-Abgeordnete sieht in Merz’ Rhetorik auch eine Erklärung für das schlechte Abschneiden der Union bei jungen Frauen: "Das ist auch der Grund, weshalb die Union bei den unter 30-jährigen Frauen nur eine Zustimmungsquote von etwa zehn bis zwölf Prozent hat." Der CDU-Chef sei bisher nicht damit aufgefallen, glaubwürdig zu vermitteln, dass ihm die Belange von Frauen wichtig seien, sagte Lauterbach.