Nach monatelangem Ringen haben Union und SPD einen Kompromiss zum neuen Wehrdienst-Modell gefunden. Doch was halten eigentlich die, die es betrifft, davon? t-online hat sie gefragt. Der Wehrdienst kommt zurück: Die Koalitionsfraktionen von Union und SPD haben sich in dieser Woche nach langem Streit auf einen Kompromiss verständigt. Der neue Wehrdienst soll laut Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in den nächsten Wochen vom Bundestag beschlossen werden und zum Jahreswechsel in Kraft treten. Bereits ab kommendem Jahr erhalten alle 18-Jährigen ab dem Jahrgang 2008 einen Fragebogen zur Motivation und Eignung; die Männer müssen ihn ausfüllen, die Frauen können. Ab 2027 beginnt dann eine flächendeckende Musterung der Männer. Der sechsmonatige Wehrdienst soll aber freiwillig bleiben – bis auf Weiteres. Nur wenn sich nicht genug Freiwillige melden sollten, könnte es auch ein Losverfahren geben. Neuer Wehrdienst: Die wichtigsten Fragen und Antworten Kommentar zur Wehrdienst-Einigung: Teilerfolg auf ganzer Linie Doch was halten eigentlich die, die bald angeschrieben werden, von dem Kompromiss? Wollen junge Menschen freiwillig zur Bundeswehr? Oder haben sie Bedenken? t-online hat einige gefragt. "Die Bedrohung durch Russland ist real" Mika, 15 Jahre, Potsdam : "Deutschland muss auf den Ernstfall vorbereitet sein, denn die Bedrohung durch Russland ist real und ernst. Trotzdem reden über den Wehrdienst meist nur Politiker und ältere Menschen, obwohl wir Jugendlichen am meisten davon betroffen sind. Aber uns fragt niemand. Ein freiwilliges Modell halte ich für unrealistisch, doch ein Losverfahren wäre unfair. Es würde diejenigen, die ausgewählt werden, benachteiligen und frustrieren. Deshalb finde ich, dass grundsätzlich jeder – egal ob Mann oder Frau – einen Dienst leisten sollte. Allerdings frage ich mich, warum immer nur die Jüngsten dem Land dienen und es verteidigen sollen. Auch ältere Menschen könnten zur Bundeswehr oder in anderen Bereichen einen Dienst leisten – sie haben mehr Lebenserfahrung und Verantwortungsbewusstsein und wären in vielen Aufgaben sogar besser geeignet. Wichtig ist, dass es eine Wahlmöglichkeit gibt: Wer nicht kämpfen will, sollte einen Zivildienst leisten können. Ich selbst würde mich aus Überzeugung dafür entscheiden. Auch ohne Waffe kann man einen Beitrag für die Gesellschaft leisten." "Irgendjemand muss es tun" Pepe, 16 Jahre, Berlin : "Ich kann mir grundsätzlich vorstellen, Wehrdienst zu leisten. Denn ich sehe die Gefahr, dass Russland die Nato irgendwann angreifen könnte. Dann müssen wir uns verteidigen können und dafür brauchen wir eine starke Bundeswehr. Wenn aber niemand Wehrdienst leisten will, sind wir nicht stark und können uns nicht verteidigen. Irgendjemand muss es also tun. Natürlich will niemand einen Krieg, aber ich denke eben auch: Sollte es dazu kommen, bin ich lieber vorbereitet und weiß, was zu tun ist." "Das hat mich sehr erschreckt" Antonia, 17 Jahre, Berlin: "Als ich das erste Mal davon gehört habe, dass Jugendliche wieder für den Wehrdienst eingezogen werden, hat mich das sehr erschreckt und schockiert. Ich dachte, dass wir den Wehrdienst hinter uns gelassen haben und nie wieder jemanden an die Waffe zwingen müssen. Ich wäre nicht bereit, freiwillig zur Bundeswehr zu gehen. Meiner Meinung nach können die Menschen, die zur Bundeswehr gehen wollen, auch gehen. Aber diejenigen, die das nicht wollen, sollten auch nicht dazu verpflichtet werden. Sowohl das Thema Krieg als auch der Wehrdienst schüren in mir große Angst und lösen bei mir Panik aus. Ich wäre keinesfalls bereit, für Deutschland in den Krieg zu ziehen. Ich bin der Auffassung, dass Krieg niemals die Lösung ist. Generell sollte vielleicht deutlicher werden, dass es bei der Bundeswehr auch andere mögliche Berufsausbildungen gibt als Soldatin oder Soldat. Beispielsweise als Koch, in der Verwaltung oder auch im medizinischen Bereich." Experte über Bundeswehr: "Wir reden hier nicht von einer Wehrpflicht" Gewissensfrage: Dieser Weg führt am Wehrdienst vorbei "Dann bekomme ich Angst" Theo, 12 Jahre, Frankfurt am Main : "Ich bin zwar erst 12 Jahre alt und noch betrifft es mich nicht, aber wenn ich an die Wehrpflicht denke, bekomme ich Angst. Ich kann mir nicht vorstellen, im schlimmsten Fall in den Krieg gehen zu müssen. Ich möchte keine Menschen töten und nicht mein Leben riskieren. Ich möchte lieber anderen Menschen helfen, deswegen fände ich die Einführung eines sozialen Jahres für alle viel sinnvoller als eine Wehrpflicht." "Das ist ein Dilemma" Ruben, 15 Jahre, Berlin: "Ich habe viel darüber nachgedacht, ob ich mich nach der Musterung freiwillig melden würde. Auch weil ich die Vorteile sehe. Ich weiß ohnehin noch nicht so genau, was ich nach der Schule machen will, und fände es gut, eine Zeit lang mal was ganz anderes kennenzulernen, ein bisschen Geld zu verdienen, dort sogar den Führerschein machen zu können, der ja echt teuer ist. Vielleicht auch ein bisschen Disziplin zu lernen. Und neue Leute kennenzulernen aus ganz anderen Gegenden Deutschlands und anderen gesellschaftlichen Gruppen. Aber ich sehe auch die Nachteile, die wiegen schwer. Sollte es irgendwann einen Verteidigungsfall geben, müsste ich in jedem Fall kämpfen, also bereit sein, andere Menschen zu töten oder auch selbst zu sterben. Wer hätte davor nicht Angst? Ich hab' ja mein Leben noch vor mir. Für mich ist das auch ein Dilemma. Denn ich sehe, dass es auf jeden Fall Leute geben muss, die bereit sind, Deutschland zu verteidigen. Weil es in der jetzigen politischen Lage leider keine andere Möglichkeit gibt. Was ich mir aber vorstellen könnte, wäre ein Freiwilligendienst beim Zivil- oder Katastrophenschutz. Die Leute würden in einem Krieg ja auch gebraucht. Und generell finde ich einen Gemeinschaftsdienst für alle sinnvoll, also ein Jahr etwas für die Gesellschaft tun. Man kann dabei anderen helfen und es nutzt auch mir selbst. Man sammelt Erfahrungen, lernt vielleicht, was man gut kann oder gern macht. Das stärkt auch das Zusammengehörigkeitsgefühl."