Mit Donald Trump und New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani trafen sich zwei politische Erzfeinde. Doch im Oval Office zeigte sich: Die Politiker eint mehr als gedacht. Genau das macht ihre vermeintliche Allianz explosiv. Bastian Brauns berichtet aus Washington Eine solche Szene im Weißen Haus schien noch vor wenigen Monaten undenkbar: Donald Trump und Zohran Mamdani, die einander seit Monaten wüst jeweils als Faschist und Kommunist beschimpft haben, kamen am Freitag im Oval Office zusammen. Da saß an seinem großen Schreibtisch der rechtspopulistische US-Präsident Donald Trump. Und neben ihm stand Zohran Mamdani, der linksdemokratische Sozialist aus Queens, als frisch gewählter Bürgermeister New Yorks, der größten Metropole der USA . Trump hatte ihn noch bekämpft und sich für den demokratischen Konkurrenten Andrew Cuomo ausgesprochen. Auf den ersten Blick verbindet die beiden Männer also wenig, gerade ideologisch. Trump, 79, der Sohn eines Multimillionärs, Mamdani, 34, der Sohn indischstämmiger Einwanderer aus Uganda . Beide lächeln einander an und überschütten sich mit Lob. "Er hat gegen viele kluge Menschen gewonnen", sagte Trump zu den neugierigen Reportern. Und Mamdani schwärmte, wie sehr er das von ihm erbetene Treffen mit dem Präsidenten geschätzt habe. Trump trifft "Kommunist" Mamdani": "Einige Ideen sind die gleichen, die ich habe" Newsblog : Alle aktuellen Nachrichten zu Trump und den USA Trump und Mamdani – zwei politische Außenseiter Das ungewöhnliche Treffen dieser beiden Politiker offenbarte, wie ähnlich sie sich trotz unterschiedlicher politischer Vorstellungen in einem entscheidenden Punkt doch sind: Beide sind Systemsprenger, zwei Politiker, die ihre Parteien herausfordern und radikal verändern. Ihre Wege könnten kaum unterschiedlicher sein, aber insbesondere ihre mediale Wirkung und die Begeisterung ihrer Wähler sind verblüffend verwandt. Beide starteten im Grunde als politische Außenseiter. Der eine hat es nun geschafft, die Republikanische Partei teils bis zur Unkenntlichkeit nach seinem Willen umzuformen und zu unterwerfen. Der andere scheint zumindest für einen Trend zu stehen, der die Demokraten derzeit ebenfalls radikaler zu verändern scheint, als jeder linke Demokrat der vergangenen Jahrzehnte es vermocht hat. Trump kam an die Macht, indem er das republikanische Establishment demontierte und jetzt bereits zum zweiten Mal Präsident ist. Mamdani hingegen wird zwar niemals Präsident werden, denn er wurde nicht in den USA geboren. Aber auch er könnte die Demokratische Partei ähnlich tiefgreifend verändern, von links, von unten, über die Straße und über Basisarbeit. Mamdanis Sieg in New York zeigt, wie stark dieser neue linke Populismus mittlerweile ist. Und er ist kein Einzelfall: In Seattle an der Westküste gewann mit Katie Wilson gerade ebenfalls eine sozialistische Bürgermeisterin. Im 12. New Yorker Wahlbezirk kandidiert mit Cameron Kasky, ein 25-jähriger "Socialist", für den Kongress. Sozialismus, das Schlagwort scheint bei vielen Wählern plötzlich nicht mehr abzuschrecken, sondern geradezu sexy zu sein. Was Trump an Mamdani fasziniert Trump wirkte während des Treffens der beiden ungewöhnlich eingenommen von Mamdani. So staunte er etwa offen darüber, wie viel mehr Medienaufmerksamkeit diese Begegnung erzeugt hätte als etwa die Besuche der bekanntesten ausländischen Staatschefs: "Die größten Leute der Welt kommen hierher, niemand interessiert sich. Aber das hier, das hat die Presse gefressen", sagte Trump. Für Trump ist Mamdani offenbar ein politischer Exot, ein faszinierendes Phänomen und darum möglicherweise ein interessantes Werkzeug. Trump liebt Gewinner und noch mehr liebt er es, sie für seine Belange einzuspannen. Denn Mamdani und das, wofür er steht, können ihm gefährlich werden. Und das schon im nächsten Jahr bei den Zwischenwahlen. Verlieren die Republikaner dort die Mehrheit, gilt Trump spätestens dann als politische "lame duck", als lahme Ente ohne Gestaltungsmacht. Wenn man Trump zuhört, klingt seine Bewunderung oft stets wie ein giftiges Gemisch aus Kalkül. So war es auch beim Treffen mit Mamdani. Besonders verräterisch war etwa sein Satz: "Er braucht uns." Es war einer dieser für Trump typischen, versteckten, aber deutlichen Warnungen: Wenn du nicht das tust, was ich will, dann lasse ich dich fallen. Der Präsident hatte schon vor Wochen damit gedroht, dem "Kommunisten" Mamdani jegliche Bundesmittel zu entziehen, sollte er die Bürgermeisterwahl in New York gewinnen. Seltsam harmonische Szenen Doch darum sollte es vor der versammelten nationalen Presse nicht gehen. Trump ließ Mamdani glänzen, um auch selbst strahlen zu können. Seinen eigentlich ideologischen Feind bezeichnete er als "rationalen Mann", der "wirklich will, dass New York großartig ist". Das Treffen habe ihn positiv überrascht, sagt Trump. So sehr, dass er unter Mamdani als Bürgermeister sogar wieder gerne nach New York ziehen würde. Mamdani wiederum sprach von einem "produktiven Gespräch" und gemeinsamen Zielen bei der Erschwinglichkeit von Wohnen und Lebenshaltungskosten. "Was ich wirklich am Präsidenten schätze, ist, dass unser Treffen sich nicht auf die vielen Punkte konzentrierte, in denen wir uns unterscheiden, sondern auf unseren gemeinsamen Zweck: New Yorkern zu dienen." Trump wiederum sagte: "Er will keine Kriminalität, er will Wohnungsbau, er will niedrigere Mieten – alles Dinge, denen ich vollkommen zustimme". Sie seien sich in viel mehr einig, als er gedacht habe. "Ich glaube, er wird einige konservative Leute überraschen", so Trump. "Wir wollen arbeitende Menschen wieder ins Zentrum unserer Politik stellen", erwiderte Mamdani. Politische Nähe trotz ideologischer Gräben? Es waren Worte, die auf viele wie aus einem Paralleluniversum wirken mussten. Da schienen zwei einander entgegengesetzte Ideen näherzuliegen als gedacht – der eine von links, der andere von rechts. "Bernie Sanders und ich waren uns auch in viel mehr einig, als die Leute dachten", sagte Trump über den linken Senator, um zu verdeutlichen, warum das nicht überraschend sei. Trump hatte Mamdani noch bis vor kurzem als "Kommunisten" beschimpft und sich über dessen zweiten ghanaischen Vornamen "Khwame" lustig gemacht. Mamdani hingegen hatte Trump nicht nur als "Faschisten", sondern auch als "Despoten" bezeichnet. Selbst dies aber ließ Trump in Wohlgefallen aufgehen. Als eine Reporterin Mamdani fragte, ob er Trump immer noch für einen Faschisten halte, mischte sich Trump grinsend ein: "Sagen Sie einfach ja, das ist einfacher als es zu erklären." Er sei viel Schlimmeres genannt worden als Despot. "Das ist nicht wirklich beleidigend", sagte Trump. Mamdani musste dazu dann nur noch lächeln. Über den ideologischen Graben zum New Yorker Bürgermeister sprach Trump auffällig wohlwollend: "Er hat da seine Ansichten, aber wer weiß? Wir werden sehen, was funktioniert und wer von uns sich vielleicht ändert", sagte Trump. Denn auch er habe sich viele Male verändert. Selbst politische Beleidigungen nimmt Trump inzwischen offenbar hin als Teil der Show, so sicher muss er sich in seiner Rolle fühlen. War das alles nur eine Show? Viel spricht zumindest dafür. Denn sowohl Trump als auch Mamdani profitieren enorm von ihrer öffentlichen Aufmerksamkeit. Für Mamdani war es der Beweis, dass er national relevant ist. Für Trump war es ein Bild, das er lieben dürfte: der Patriarch, der dem sozialistischen Newcomer gönnerhaft die Hand reicht. Doch Trumps Geschichte, gerade sein politischer Werdegang, ist voller abrupt gebrochener Allianzen. Zuletzt wurde das deutlich im Zuge der haarigen Epstein-Abstimmung im Kongress, als er seine langjährige Verbündete Marjorie Taylor Greene einfach fallen ließ . Heute also lobt er Zohran Mamdani. Morgen aber könnte er ihn wieder attackieren. Dessen ist sich auch der New Yorker Bürgermeister bewusst. Die Unterschiede bleiben fundamental Zwar überschneiden sich vielleicht ihre Botschaften bei Themen wie dem bezahlbaren Wohnen, den niedrigen Preisen oder der Kritik an der politischen Elite. Doch die Wege von Trump und Mamdani dahin könnten kaum weiter auseinanderliegen: Trump denkt in Deals, an den eigenen Profit, an Druck, Macht, Ruhm und Medieninszenierung. Mamdani, so wirkt es zumindest bislang, denkt in Bewegungen, die umwälzen sollen, er strebt nach Idealen und langfristigen gesellschaftlichen Veränderungen. Schon beim Thema Migration prallen beide hart aufeinander. Mamdani kritisiert deutlich die "inhumanen Razzien", die Trumps Abschiebebehörde ICE zu verantworten hat. Trump deutete schon mehrfach an, er könne jederzeit nicht nur die Gelder für New York sperren, sondern ICE und auch die Nationalgarde schicken. Das kaschierte er bei diesem Treffen, indem er sagte, wie "großartig" der neue Bürgermeister sei und wie sehr man ihn unterstützen würde. Bevor Mamdani in New York gewann, lauteten die Befürchtungen: Mit dem Sieg eines so linken Demokraten würde die Partei kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Denn dann hätte Trump mit einem vermeintlichen Kommunisten, dem darüber hinaus wegen seiner Israel-Kritik vielfach Antisemitismus vorgeworfen wird, den perfekten Feind. Darunter würde dann die ganze Partei leiden. Davon war zumindest bei diesem ersten Aufeinandertreffen kaum etwas zu spüren. Ein Flirt mit Ablaufdatum Das Treffen zeigte eine politische Chemie, die überraschend wirkte. Vielleicht können Trump und Mamdani einander wirklich besser leiden, als sie vorher dachten. Das Verhältnis der beiden Männer, die ihre Parteien umkrempeln, ist aber per se ein instabiles. Vielleicht finden sie wirklich kurzfristig gemeinsame Interessen. Aber die Logik ihrer Bewegungen steht einander trotzdem diametral gegenüber. Zumal sie stellenweise um die gleiche Wählerschaft werben. Es dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein, bis diese erste, betonte Harmonie bricht, sei es durch eine ICE-Razzia, eine Kürzung der Bundesmittel oder eine grundsätzliche politische Konfrontation über die Wirtschafts- oder Steuerpolitik von Mamdani in New York.