Rente: Top-Ökonomen fordern Stopp der Rentenreform
Eine Gruppe Wissenschaftler fordert die Regierung auf, von der Rentenreform abzusehen und auf die Rentenkommission zu warten. Das Vorhaben gefährde die Stabilität des Systems. 22 führende Ökonomen und Juristen fordern den sofortigen Stopp des geplanten Rentenpakets der Bundesregierung – das geht aus einem Appell hervor, der dem "Handelsblatt" vorliegt und am Montag veröffentlicht werden soll. Die Wissenschaftler warnen vor schwerwiegenden Folgen für die junge Generation und werfen der Koalition mangelnde Weitsicht vor. "Rentenpaket verschärft Probleme" In dem Schreiben kritisieren die Unterzeichner unter anderem die geplante Verlängerung der Haltelinie für das Rentenniveau sowie neue Leistungen wie Mütterrente und Frühstart-Rente . All das führe zu einer "zusätzlichen Lastenverschiebung zwischen den Generationen", so die Experten. Lesen Sie hier, was das Rentenpaket aktuell vorsieht. "Die demografisch bedingten strukturellen Probleme des Rentensystems würden weiter verschärft", heißt es in dem Papier. "Das Rentenpaket sollte deshalb in Gänze zurückgezogen werden." Zu den Unterzeichnern gehören prominente Namen wie Ifo-Präsident Clemens Fuest , die Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer , Veronika Grimm und Martin Werding , der frühere Sachverständigenratschef Bert Rürup sowie Stiftung-Marktwirtschaft-Vorstand Michael Eilfort. Unterstützung für Kritiker in der Union Die Wissenschaftler schlagen sich damit auf die Seite der sogenannten Jungen Gruppe in der Unionsfraktion, die das Rentenpaket ebenfalls ablehnt. Die 18 Abgeordneten hatten Mitte November angekündigt, dem Gesetz in der jetzigen Form nicht zuzustimmen – ein Veto mit potenziell weitreichenden Folgen: Ohne ihre Stimmen fehlt der schwarz-roten Koalition die Mehrheit. Die Junge Gruppe kritisiert, dass man durch die Festschreibung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031 anschließende Renten auf einer zu hohen Grundlage berechnen würde. 2031 gelte als neues Basisjahr. Dies würde den Bund rund 120 Milliarden Euro zusätzlich kosten. Lesen Sie hier mehr Details zur Kritik der Jungen Gruppe. Derweil weist die SPD die Vorwürfe zurück. Arbeitsministerin und Parteichefin Bärbel Bas sieht keinen Änderungsbedarf – ebenso wenig wie SPD-Chef Lars Klingbeil. Er betont: Die Unionsminister hätten im Kabinett bereits zugestimmt. Lesen Sie auch: Grüne wollen die "Rente mit 63" kippen Videokommentar zur Rente : "Sie lassen das System kollabieren" Ökonomen warnen vor Schnellschüssen Die Unterzeichner fordern stattdessen eine umfassende, langfristig tragfähige Reform – basierend auf den Empfehlungen der geplanten Rentenkommission. "Es wäre für das Vertrauen in die Politik fatal, wenn jetzt einseitige Entscheidungen getroffen würden", heißt es in dem Appell. Ein überhasteter Beschluss könne schon bald zu "drastischen Folgen" führen – mit erneutem Reformbedarf. Unionsfraktionschef Jens Spahn rief am Wochenende zur Geschlossenheit auf: "Diese Koalition muss regierungsfähig sein, wenn wir etwas erreichen wollen für unser Land." Auch CSU-Chef Markus Söder mahnte zur Einigung . Die Anliegen der jungen Abgeordneten seien berechtigt – aber das Gesamtpaket dürfe nicht scheitern. Kompromissversuche – aber kein Konsens Im Gespräch ist nun als Kompromiss ein Entschließungsantrag: Er könnte festhalten, dass weitere Reformen folgen sollen, um die Belastungen nach 2031 abzufedern. Klar ist aber: Die Fronten bleiben verhärtet – auch auf internationaler Bühne. Selbst beim G20-Gipfel in Johannesburg wurde das Thema zum Nebenschauplatz. "Mich hat überrascht, dass die G20-Partner nicht auch gleich danach gefragt haben", scherzte Kanzler Friedrich Merz . Doch Späße helfen kaum über die politische Realität hinweg: Die Wissenschaft warnt – und der Druck auf die Koalition wächst.