Deutschland shoppt am Black Friday so viel wie nie zuvor – und schickt auch deutlich mehr zurück. Was Sie wissen sollten, bevor Sie zuschlagen. Der Black Friday bleibt voraussichtlich der umsatzstärkste Einkaufstag des Jahres. Er verändert das Einkaufsverhalten vieler Menschen spürbar. Eine neue Analyse der Finanztechnologie-Plattform Adyen zeigt, wie stark sich Zahlungsarten, Einkaufsvolumina und Rückgaben in Deutschland verschieben. Diese Trends und Risiken sollten Verbraucher kennen, bevor sie sich in den Rabatttrubel stürzen. Shopping-Hauptzeit international verschieden Eine Rückschau auf den Black Friday des vergangenen Jahres zeigt, dass der durchschnittliche Einkaufswert um 15 Prozent über dem eines normalen Freitags lag. Noch deutlicher fiel der Anstieg bei der Menge der Käufe aus: Das Transaktionsvolumen stieg in Deutschland auf das 2,7-Fache. Damit lag Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz neun und gleichauf mit den USA . Die meisten Käufe wurden hierzulande gegen 16 Uhr getätigt. In den USA erreichte die Geschäftszeit bereits um 11 Uhr Ortszeit ihren Höhepunkt, in Großbritannien um 17 Uhr. In Frankreich und Schweden fielen die Stunden mit den meisten Transaktionen sogar auf den darauffolgenden Samstag. Mehr Geld für Schnäppchen Auch in diesem Jahr wollen viele Verbraucherinnen und Verbraucher wieder auf Schnäppchenjagd gehen. Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom unter mehr als 1.000 Internetnutzern wollen etwa zehn Prozent mehr Geld ausgeben als noch vor Jahresfrist. Im Mittel wollten die Befragten rund 312 Euro in die Sonderangebote investieren. 2024 waren es noch 280 Euro. Weniger optimistisch ist der Handelsverband Deutschland (HDE). Er rechnet erstmals mit einem Umsatzrückgang um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Erwartet würden Einnahmen von 5,8 Milliarden Euro. Der Hauptgrund sei die anhaltend schwache Konsumstimmung. Bezahlen verändert sich: "Buy Now, Pay Later" wird stärker reguliert Kurz vor dem Shopping-Event treten neue EU-Regeln für "Buy Now, Pay Later" (BNPL) in Kraft. Spätestens ab November 2026 müssen Anbieter bei Käufen unter 200 Euro eine Bonitätsprüfung durchführen. Damit soll die Überschuldung von Verbrauchern verhindert werden. Kritik an neuen Kreditrichtlinien: Ein Klick zum Kredit – mehr Schutz oder mehr Risiko? Die Analyse von Adyen zeigt, dass BNPL-Zahlungen am Black Friday 2024 im Vergleich zu den Monaten September und Oktober desselben Jahres um 20 Prozent höher lagen. Die mit BNPL bezahlten Umsätze liegen in diesem Jahr aktuell bei minus 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Verbraucher sollten wissen: Die Option "Jetzt kaufen, später bezahlen" bleibt zwar beliebt, birgt aber das Risiko, dass man schnell mehr Geld ausgibt, als eigentlich geplant. Angebote oft überbewertet Verbraucher sollten deshalb stets bedenken, dass viele Angebote zwar spektakulär klingen, der Preisvorteil in der Realität laut Analysen jedoch oft deutlich geringer ausfällt. Darauf weist Erik Maier hin. Er ist Handelsexperte und Professor für Betriebswirtschaftslehre und Marketing an der TU Chemnitz. "Untersuchungen aus 2024 haben gezeigt, dass der durchschnittliche Rabatt im Vergleich zu vor dem Black Friday nur sieben Prozent betrug", so Maier. Einer der Gründe: Viele Angebote beziehen sich auf die unverbindliche Preisempfehlung (UVP), nicht auf den realen Straßenpreis. Dadurch wirkten die prozentualen Nachlässe größer, als sie am Ende tatsächlich seien. Mobile Wallets legen stark zu Laut Adyen-Studie zahlen immer mehr Menschen ihre Einkäufe per Smartphone oder Smartwatch. "Wir beobachten gerade, dass Mobile Wallets extrem schnell an Beliebtheit gewinnen", sagt Hella Fuhrmann, Adyen-Managerin für die Regionen Deutschland, Österreich und die Schweiz. Am Black Friday 2023 machten mobile Wallets in Geschäften 18 Prozent des Umsatzes aus, ein Jahr später waren es bereits 24 Prozent. Verwirrung auf dem Kontoauszug: Was bedeutet "not provided"? Kryptowährungen im Einzelhandel : Das steckt hinter dem neuen Paypal-Service Für Verbraucher spielt eine bequeme Onlinebestellung eine große Rolle. Dazu gehört auch eine breite Auswahl an Bezahlmöglichkeiten wie PayPal , Zahlen auf Rechnung, Google Pay, Apple Pay oder klassische Kartenzahlung. Bietet ein Händler nur wenige Optionen an, droht häufig ein vorzeitiger Kaufabbruch, weil Kunden flexibel entscheiden wollen, wie sie bezahlen. Steigende Retourenquote Mit den stark steigenden Käufen am Black Friday wächst auch die Zahl der Retouren. Die Rückerstattungsquote für Online-Einkäufe lag am Black Friday des vergangenen Jahres 13 Prozent über dem Jahresdurchschnitt. "Am Black Friday steigen nicht nur die Umsätze – auch die Rückgaben nehmen in Deutschland deutlich zu", sagt Fuhrmann. Die Daten machen deutlich: Weil Verbraucher am Black Friday deutlich mehr bestellen, müssen Händler automatisch damit rechnen, dass mehr Waren zurückgesendet werden. Für Kunden bedeutet das unter anderem längere Bearbeitungszeiten und ein höheres Risiko für Fehlkäufe – vor allem, wenn Produkte nur oberflächlich verglichen oder übereilt bestellt werden, nur um die Black-Friday-Rabatte nicht zu verpassen. Was Verbraucher daraus lernen können Die Adyen-Bezahlstudie zeigt, wie stark sich der Black Friday auf das Kaufverhalten auswirkt. Laut Bitkom suchen Käufer an den Aktionstagen vor allem nach Produkten, die sie sich schon länger wünschen und nun zu einem besseren Preis bekommen. Doch große Rabatte verleiten auch viele Verbraucher zu "Bewusstseinseffekten und Impulskäufen", sagt Handelsexperte Maier. Gleichzeitig führen Bezahlarten wie BNPL oder mobile Wallets dazu, dass viele Menschen ihre Ausgaben weniger deutlich wahrnehmen. Dies könne in finanzielle Schwierigkeiten münden, warnen Verbraucherschützer. Viele der in Deutschland überschuldeten Menschen stehen bei Online- und Versandhändlern in der Kreide. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes hatten 29 Prozent der rund 577.400 Personen, die im vergangenen Jahr Hilfe bei einer Schuldnerberatung suchten, Schulden bei Online- und Versandhändlern. Besonders betroffen seien junge Leute und Frauen. Wer von besonders günstigen Angeboten profitieren möchte, sollte deshalb Preise vergleichen, klare Budgetgrenzen setzen und sich vorab mit den Rückgabe- und Zahlungsbedingungen der Händler vertraut machen. So bleibt der Black Friday ein guter Deal und kein finanzielles Risiko.