Jahrelang stand der Zwarte Piet – Schwarze Piet – in den Niederlanden in der Kritik. Der Vorwurf: Rassismus. Jetzt löst sich die Protestgruppe "Kick Out Zwarte Piet" auf. Selbst einstige Gegner äußern sich überraschend. Er gehört in den Niederlanden zur Vorweihnachtszeit wie in manchen Gegenden hierzulande Knecht Ruprecht zum Nikolaus. Der "Zwarte Piet" – Schwarze Piet – begleitet Sinterklaas seit Mitte des 19. Jahrhunderts in den Niederlanden. Traditionell kommen Sinterklaas samt Begleiter in diesen Tagen mit dem Schiff im Land an. Doch gab es dabei in den vergangenen Jahren heftige Proteste. Der Grund: Piet stand unter Rassismusverdacht. Der Helfer von Sinterklaas war schwarz geschminkt, trug eine Perücke mit Afrolook und dazu goldene Ohrringe. So regte sich Protest. "Schwarzer Piet ist Rassismus", befand Jerry Afriyie und gründete 2010 die Aktionsgruppe "Kick Out Zwarte Piet" – Schmeißt den Schwarzen Piet raus. Niederlande: Erbitterter Streit um den "Zwarten Piet" Aufbruch: Liberaler Rob Jetten gewinnt Wahl Afriyie kam als Kind aus Ghana in die Niederlande . In Utrecht hatte er die niederländische Vorweihnachtsfeier 1993 erstmals erlebt. Er empfand den "Zwarte Piet" als verstörend. Die Proteste verliefen in den ersten Jahren heftig. Afriyie und seine Mitstreiter wurden teils wie eine Terrorgruppe behandelt. Wie in Rotterdam 2016. "Mein Kopf war geschwollen von all den Schlägen", schilderte Afriyie die brutale Polizeigewalt. Erfolg im Dialog Heute ist Afriyie 44. Und er weiß: Sein Einsatz hat sich gelohnt. "Es ist schon seit Jahren kein Schwarzer Piet mehr im Fernsehen zu sehen. Die Kinder kennen es überhaupt nicht anders", sagte er der Zeitung "NRC Handelsblad". Neben den Protestaktionen bei den Sinterklaas-Feiern machten Afriyie und seine Mitstreiter auch auf andere Art mobil. Sie baten die Organisatoren der Sinterklaas-Feiern zum Gespräch. "Wir haben wirklich einander zugehört", erklärte René de Reus, 54, der Zeitung "NRC Handelsblad". Seit 24 Jahren organisiert er in seiner Gemeinde Zaandam das Sinterklaas-Fest. Rassismus mochte er lange nicht erkennen. Nach dem ersten Treffen mit Afriyie erkannte de Reus: "Er wollte, dass seine Kinder das Fest auch unbeschwert feiern können. Da hatte er wirklich einen Punkt." Gemeinsam wurden neue Kriterien für den "Zwarten Piet" erarbeitet. Die goldenen Ohrringe sind weg, die Perücke mit krausen Locken auch und an den Wangen genügen ein paar Tupfer mit Ruß. De Reus schaut zurück auf das erste Fest im neuen Kostüm 2022 in Zaandam. "Ich weiß noch, wie ich die Straße hochkam und die Kinder riefen: Piet! Piet! Piet!". Bei den Kindern kam auch der neue Look an. Nach fünfzehn Jahren ist für Afriyie und seine Bewegung "Kick Out Zwarte Piet" nun Schluss. Die Aktionsgruppe löst sich im Dezember auf. "Unser Ziel ist erreicht", so Afriyie. Und der einstige Gegner de Reus? "Das hätten wir auch einfacher haben können", sagte er im Rückblick.