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Ноябрь
2025

Neue AfD-Jugend: Ein Hitler-Redner trübt das professionelle Bild

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Vor der Hessenhalle in Gießen setzt die Polizei Wasserwerfer ein, drinnen gründet sich die neue Jugendorganisation der AfD. Ihre neue Führung tritt so radikal wie professionell auf. Mit einer Ausnahme. Es herrscht mal wieder Arbeitsteilung beim Spitzenduo der AfD bei der Gründung ihrer neuen Jugendorganisation. Tino Chrupalla ist dabei in der Hessenhalle in Gießen für den unbequemen Part zuständig. Der AfD-Co-Chef appelliert gleich mehrfach an die vor ihm versammelte Jugend seiner Partei: Ein Land zu verändern, das sei etwas anderes als zu fechten, als eine Demonstration zu organisieren, als auf Gebäude zu klettern. Die AfD sei "nicht mehr die Partei von 2015". "Nicht das Ego, nicht die Person ist das Wichtigste", sagt Chrupalla. "Zuerst das Vaterland, dann die Partei, dann die Person." Es ist eine Mahnung an die rund 800 jungen AfD-Mitglieder vor ihm, die allermeisten von ihnen männlich, viele davon tragen scharf gezogene Scheitel. Chrupallas Rede hat ihren Grund: Die frühere Jugendorganisation der AfD, die "Junge Alternative", hatte sich einen einschlägigen Namen gemacht – als skandalträchtig, schwer zu bändigen, wesentlich radikaler noch als die AfD. Oft stand sie auf Kriegsfuß mit dem eigenen Parteivorstand, wurde stark beeinflusst vom sogenannten Vorfeld, das aus noch radikaleren Organisationen außerhalb der Partei besteht. Schon 2023 stufte der Verfassungsschutz die "Junge Alternative" als "gesichert rechtsextrem" ein. Anfang des Jahres dann sagte sich die AfD von ihr los, wenige Monate später löste sich der Verein selbst auf. Es war ein Schritt, der hart umkämpft war, in der Jugend wie in der Partei. Er riss Wunden, die bei einigen noch immer nicht verheilt sind. Nach Monaten der Satzungs- und Personalplanung hinter den Kulissen aber erhält die AfD in Gießen an diesem Tag eine neue Jugendorganisation: "Generation Deutschland", für alle Parteimitglieder unter 37, mit eigener Satzung, Chef, Vorstand. Professionalisieren soll die Jugend sich, wie die gesamte AfD – so lautet ihr Auftrag, so lautet auch das Ziel ihrer führenden Akteure. Und das funktioniert am Gründungstag recht gut. Man hält sich zum größten Teil an die bereits im Voraus abgestimmten Personallisten. Überraschungen, Skandale, Patzer bleiben aus – bis auf einen bizarren Auftritt, bei dem ein Redner Hitler imitiert. Eine Mäßigung aber bedeutet das nicht. Die ist weder von der Jugend noch von der AfD-Spitze gewollt. Auch das werden die nächsten Stunden zeigen. Wasserwerfer und Pfefferspray Um die Halle tobt schon ab dem frühen Morgen Chaos. 25.000 Menschen protestieren am Samstag der Polizei zufolge gegen die Gründung der neuen AfD-Jugend. Gewerkschaften, Vereine und Parteien haben ebenso mobilisiert wie die Antifa, Linksextremisten, der vermummte Schwarze Block. Die Polizei spricht später davon, dass ein großer Teil der Proteste friedlich abgelaufen sei. Immer wieder aber kommt es zu Eskalationen und Gewalt. Viele Zufahrtswege zur Halle sind über Stunden komplett blockiert. Die Polizei setzt mehrfach Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcke gegen Demonstranten ein, muss Straßen mit Gewalt freiräumen. Zehn Beamte werden leicht verletzt. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Julian Schmidt wird unterwegs von Vermummten angegriffen. Ein kurzes Video, das rasch in den sozialen Medien kursiert, zeigt, wie ein Mann mit Schal vor dem Gesicht Schmidt mehrere Schläge und Tritte versetzt. Schmidt holt zum Gegenschlag aus, doch stürzt. Und Schmidt soll nicht der Einzige sein, der angegriffen wurde. Am Rednerpult in den Hessenhallen bittet Hannes Gnauck, der Vorsitzende der alten AfD-Jugend, ein Geschwisterpaar darum, von ihren Plätzen aufzustehen. "Angelika und Eduard", stellt Gnauck sie vor. Beide seien auf dem Weg in die Halle geschlagen worden. Von "Frauenschlägern", sagt Gnauck, der "militanten Antifa". Die Geschwister ernten lauten Applaus, viel Solidarität. Teilnehmer sprechen in der Raucherecke von "Zecken" und "Terroristen". Mit mehr als zwei Stunden Verspätung beginnt dann der Gründungskonvent der AfD-Jugend. Von den AfDlern, die pünktlich eintreffen, sind die meisten schon um 4 oder 5 Uhr losgefahren. Der neue Jugend-Chef Jean-Pascal Hohm spricht später von Umwegen über mehrere Autobahnraststätten. Wie Chrupalla, Alice Weidel und Björn Höcke kommt er Stunden später an als geplant. Das Ziel vieler Organisationen draußen aber, die Veranstaltung ganz zu verhindern, wird nicht erreicht – nicht zuletzt dank massiven Einsatzes der Polizei. Kubitschek, Höcke und Helferich lauschen AfD-Chefin Alice Weidel adressiert die Sicherheitslage, die Probleme auf der Straße, als sie nach Chrupalla auf die Bühne tritt. Sie appelliere an die politische Konkurrenz, an die Gewerkschaften, an die "Omas gegen Rechts", an die Antifa, an die Linksextremisten da draußen: "Rüstet ab!", ruft Weidel. Es seien "zutiefst undemokratische Zustände", wie man sie aus "repressiven Regimes" kenne. Stolz sei sie auf ihre Jugend, wochenlang habe sie sich vorab Sorgen gemacht. Weidel kritisiert auch die Medien dafür, vorab von rechtsextremen Netzwerken auf dem Gründungskonvent geschrieben zu haben und gefährlich zu "framen". In der Vorhalle der Messehalle verkaufen zur selben Zeit einschlägig bekannte rechtsextreme Verlage und Vereine ihre Bücher, Zeitschriften, Fan-Artikel. Da werden T-Shirts mit "Björn Höcke"- und "Patriot"-Aufschrift angeboten; Sticker mit Aufschriften wie "Nett hier! Aber gehörst du nicht abgeschoben?", "Remigration" oder "Eure Vielfalt tötet". Hinter dem Stand des Verlags "Antaios" steht Götz Kubitschek, Verleger und seit Jahren wichtiger Strippenzieher des rechtsextremen Vorfelds. In den ersten Reihen in der Halle lauscht Björn Höcke Weidels Rede. Im hinteren Teil der Halle verfolgt der AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, der sich einst das "freundliche Gesicht des NS" nannte, die Veranstaltung. Höcke wie Helferich sind einflussreich und beliebt bei der Jugend. Schüchtern nähern sich 16-Jährige Höcke, als der von Kameras umringt durch die Vorhalle geht. Leise reden sie miteinander, werfen immer wieder Blicke zu Höcke. Worauf sie warten? Ein Selfie, das wäre toll, sagt ein hochgewachsener Junge mit Brille und in blauem Anzug. Gleich nach seinem 16. Geburtstag sei er in die AfD eingetreten, nun läuft sein Antrag für die Jugendorganisation. Andere schütteln Helferich die Hand, unterhalten sich mit ihm in der Raucherecke über ihre Anreise, über ihren Landesverband, über die AfD. Redner zitiert Leitsatz der Hitlerjugend Ab dem frühen Nachmittag wählt die "Generation Deutschland" ihren Vorstand. Ihre neuen Aushängeschilder. Es sind die Menschen, die die Parteijugend prägen werden, die zugleich Ausdruck ihres Selbstverständnisses sind. Die meisten von ihnen sind bereits bekannt, waren schon in der "Jungen Alternative" führende Akteure und zählen zum besonders radikalen Lager in der AfD. Patrick Heinz zum Beispiel war bis zur Auflösung der "Jungen Alternative" ihr Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen. Der 31-Jährige hat Lehramt studiert und ist ein enger Vertrauter von Matthias Helferich. Er wird schon bejubelt, bevor er seine Rede beginnt, spricht dann von einem "Mohammed", der einen Schüler auf dem Schulhof zur Unterwerfung auffordere und mit einem Butterfly-Messer bedrohe. Es sei ein echter Erlebnisbericht eines deutschen Schülers, der ihm zugesandt worden sei, sagt Heinz. "Ein Angriff auf einen von uns ist ein Angriff auf alle von uns", ruft er am Ende seiner Rede. "Zusammen kämpfen wir dafür, dass Deutschland das Land der Deutschen bleibt." Heinz erntet tosenden Applaus. Trotz eines Gegenkandidaten erhält er satte 78 Prozent Zustimmung und ist damit stellvertretender Vorsitzender der neuen Jugendorganisation. Kevin Dorow trauert zu Anfang seiner Rede um die alte "Junge Alternative", blickt dann aber rasch nach vorne: Jetzt baue man neue Strukturen auf, noch stärker, klarer, disziplinierter. Zwei zentralen Leitsätzen will er dabei folgen: "Wir distanzieren uns nicht!" Und: "Jugend muss durch Jugend geführt werden!" Dorow beruft sich bei diesem Zitat auf eine Äußerung von Björn Höcke vor einigen Wochen. Der Satz war aber auch ein Leitsatz der Hitlerjugend in der NS-Zeit, genau deswegen machte Höckes Aussage Schlagzeilen. 88,68 Prozent Zustimmung erhält Dorow von den rund 800 Delegierten – und wird damit erster Beisitzer im Vorstand der "Generation Deutschland". Mit Reinhild Goes und Julia Gehrckens kommen auch zwei Frauen in den 15-köpfigen Vorstand. Während man sich auf Goes in Absprachen hinter den Kulissen bereits vorab geeinigt hatte, schafft Gehrckens den Sprung überraschend durch eine Kampfkandidatur gegen einen Parteikollegen, der wie sie aus Baden-Württemberg stammt. Sie überzeugt ihr Publikum mit einer Rede gegen "Wokeness", gegen "Feminismus", versetzt mit einem populären Signalwort, das aus der rechtsextremen Szene stammt: "Nur millionenfache Remigration schützt unsere Frauen und Kinder!" Mit rund 63 Prozent setzt sie sich deutlich gegen ihren Konkurrenten Mio Trautner (34 Prozent) durch. Hitler-Imitator gegen Höcke-Mann Schnell, straff und gut organisiert laufen die Wahlen. Andere unvorhergesehene Kampfkandidaturen bleiben aus. Gegen Abend bricht nur ein skurriler Auftritt das professionelle Bild: Alexander Eichwald tritt im blauen Anzug, mit rollendem "R" und zackiger Gestik auf, ganz in Hitler-Manier. "Es ist und bleibt unsere nationale Pflicht, die deutsche Kultur vor Frrremdeinflüssen zu schützen", ruft er. Ungläubige Blicke werfen sie sich in der Halle zu, tuscheln, lachen, zücken ihre Handys. "Sind Sie ein V-Mann?", fragt einer aus dem Publikum Eichwald am Saalmikrofon. "Der Bundesvorstand missbilligt das ausdrücklich und sieht sich daher veranlasst, eine Prüfung seiner Daten und Mitgliedsrechte vorzunehmen", sagte Partei-Co-Chef Chrupalla später der Deutschen Presse-Agentur. In den Vorstand gewählt wird Eichwald nicht, mit 12 Prozent Zustimmung scheitert er an Alexander Claus. Der stammt aus Höckes Landesverband Thüringen und spricht in seiner Rede von "globalistischen, antideutschen Kräften, die unser Land in den Abgrund treiben". Mit Jean-Pascal Hohm beendet der neue Chef der "Generation Deutschland" den Gründungskonvent. Mit 90 Prozent wurde er bereits am Mittag gewählt, steht Höcke wie Helferich nahe. Hohm betont: Jeder solle unter ihm mitwirken in der neuen Jugend. Ihm sei es "völlig egal", ob jemand früher im "vorpolitischen Raum" oder bei einer Altpartei aktiv gewesen sei. Wichtig sei nur, dass er "jetzt auf der richtigen Seite der Geschichte steht". Auf ihrer Seite.



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