Die gesetzliche Rente soll im Alter als Basisabsicherung dienen. Neue Berechnungen zeigen, wie hoch Ihr Stundenlohn sein muss, damit Sie eine Rente oberhalb der Armutsschwelle erhalten. Wer heute arbeitet, auch über Jahrzehnte hinweg in Vollzeit, geht nicht automatisch einer sicheren Rente entgegen. Neue Daten zeigen, wie hoch Ihr Lohn sein müsste, damit die gesetzliche Rente im Alter wenigstens vor Armut schützt und wie viele Beschäftigte dieses Niveau realistisch gar nicht erreichen. Die Zahlen stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag, über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe zuerst berichtet haben. Grundlage der Rechnung ist ein stark vereinfachtes Szenario: Eine Person arbeitet 45 Jahre lang durchgehend in Vollzeit, der Stundenlohn bleibt konstant, es gibt keine Erwerbsunterbrechungen. Stundenlohn für 1.200 bis 1.500 Euro Rente Auf dieser Basis wurde ermittelt, welcher Bruttostundenlohn nötig wäre, um bestimmte monatliche Rentenansprüche zu erreichen. Das sind die Ergebnisse: Um im Alter auf 1.381 Euro Rente zu kommen – das ist aktuell die sogenannte Armutsrisikoschwelle für Alleinlebende –, müsste ein Arbeitnehmer über das gesamte Erwerbsleben hinweg rund 20 Euro brutto pro Stunde verdienen. Wer im Ruhestand wenigstens 1.200 Euro erhalten will, braucht immer noch knapp 16 Euro pro Stunde . Für eine monatliche Rente von 1.500 Euro wären mehr als 21 Euro brutto erforderlich. Millionen verdienen zu wenig für armutsfeste Rente Ein Blick auf die aktuelle Lohnstruktur zeigt, wie schwer diese Schwellen für viele zu erreichen sind. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdienten im April 2025 rund 18,9 Millionen abhängig Beschäftigte weniger als 20 Euro brutto pro Stunde. Für sie wäre eine Rente oberhalb der Armutsrisikoschwelle unter den angenommenen Bedingungen rechnerisch kaum möglich. 11,4 Millionen Beschäftigte liegen sogar unter 16 Euro pro Stunde – also in einem Lohnbereich, der selbst nach 45 Arbeitsjahren nur Renten um etwa 1.200 Euro erwarten lässt. Und mehr als 22 Millionen Arbeitnehmer verdienen weniger als 22 Euro brutto pro Stunde und bleiben damit unter dem Niveau, das für rund 1.500 Euro Rente nötig wäre. Ministerium mahnt zur Vorsicht Das Bundesarbeitsministerium warnt allerdings davor, aus den Berechnungen direkte Rückschlüsse auf die tatsächliche Altersarmut zu ziehen. Die Armutsrisikoschwelle sei kein fixer Betrag, sondern ein statistischer Wert. Sie basiert auf dem sogenannten Nettoäquivalenzeinkommen, das sämtliche Einkommen eines Haushalts berücksichtigt und Vorteile des gemeinsamen Wirtschaftens einbezieht. Zudem verfügen viele Rentner über weitere Einkommensquellen wie Betriebsrenten, private Vorsorge, Ersparnisse oder das Einkommen eines Partners. Auch sagten die Schwellen nichts darüber aus, ob jemand tatsächlich bedürftig sei, da Lebenshaltungskosten, vor allem Mieten, regional stark schwanken. Kritik an Mindestlohn: "Sozialpolitisch fahrlässig" Für die Linke sind die Zahlen dennoch ein Beleg für ein strukturelles Problem. "Wenn jede zweite gesetzliche Rente in Richtung Armutsrisiko rutscht, ist das kein Ausrutscher, sondern Systemversagen", sagte der frühere Fraktionschef Dietmar Bartsch . Dass rund die Hälfte der Beschäftigten den rechnerisch nötigen Stundenlohn von 20 Euro nicht erreicht, zeige die Schieflage des Systems. Besonders kritisch sieht Bartsch die geplante Erhöhung des Mindestlohns auf 14,90 Euro ab 2027. Diese sei "sozialpolitisch fahrlässig", weil selbst ein Erwerbsleben zum Mindestlohn fast zwangsläufig in Altersarmut führe. "Wenn Leistung zählen soll, darf ein Leben in Vollzeit niemals in Altersarmut enden", so Bartsch. Aktuell liegt der Mindestlohn bei 13,90 Euro. Was Beschäftigte daraus lernen können Die Botschaft für Arbeitnehmer ist klar und unbequem: Wer seinen Lebensstandard im Alter halten will, muss frühzeitig zusätzliche Vorsorge betreiben. Die gesetzliche Rente ist schließlich nur eine von drei Säulen der Altersvorsorge und dient lediglich der Basisabsicherung. Betriebsrenten oder langfristiger privater Vermögensaufbau, beispielsweise per ETF-Sparplan , sollten die Absicherung komplettieren.