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Hape Kerkeling: "Jeder Staatsbürger ist dazu verpflichtet"

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Seit vier Jahrzehnten steht Hape Kerkeling im Rampenlicht. Gesellschaftlichen Problemen ist er stets mit Humor begegnet. Nicht alles davon findet er heute noch gut. Hape Kerkeling ist ein Spaßvogel. Als Horst Schlämmer, Hannilein oder Evje van Dampen bringt er Menschen auf einzigartige Weise zum Lachen. Der 61-Jährige hat nicht nur Kunstfiguren für die Ewigkeit erschaffen , sondern überzeugt auch als Schauspieler, Autor, Moderator, Regisseur, Sänger und Synchronsprecher. Doch nicht mit allem war Kerkeling erfolgreich, manches floppte, verschwand in der Versenkung. Und nicht alles, was er in den vergangenen Jahren gemacht hat, sagt ihm heute noch zu. In einer Sache bleibt sich der Recklinghausener aber treu: Er steht zu seinen Werten und wird nicht müde, seine Meinung kundzutun, selbst in Zeiten, in denen es schwieriger scheint. Im Interview mit t-online spricht Kerkeling über die deutsche Debattenkultur, seinen neuen Film und Momente, in denen er sich aus dem Fenster lehnen muss, auch wenn ihm Müll um die Ohren fliegt. t-online: Herr Kerkeling, worüber können Sie sich so richtig ärgern? Hape Kerkeling: Über Meinungen, die eigentlich keine Meinungen sind, die aber als Meinungen deklariert werden. Was konkret meinen Sie damit? Abstruse Thesen, Lügen, Unwahrheiten, Fake News, all das gefällt mir gar nicht. Mittlerweile finde ich, dass man sich auf so eine Diskussion gar nicht mehr einlassen kann. Ich weiß allerdings nicht, wie man zurück zu einem vernünftigen Konsens in der Gesellschaft kommen kann. Wie wäre es mit Humor? In Ihrem neuen Film "Extrawurst" begegnen Sie der problematischen Debattenkultur in Deutschland auf lustige Weise. Warten wir es mal ab. Ich hoffe, dass der Film sein Publikum finden wird und es über genau diese Missstände, die da auf komische Weise angeprangert werden, lachen kann. Natürlich ist Humor ein guter Weg. Aber wenn sich eine Diskussion gesellschaftlich schon so verirrt hat, dass Dinge, die faktisch unwahr sind, als Meinung verkauft werden, dann gerät man an eine Grenze, wo auch Humor nicht mehr zündet. Vielleicht kann ein solcher Film dazu beitragen, dass noch mehr Menschen erkennen, dass wir die Reißleine ziehen müssen. In einer Szene des Films diskutieren die Mitglieder eines Tennisvereins darüber, ob sie einen zweiten Grill für ein türkischstämmiges Mitglied anschaffen sollten. Haben Sie sich je gefragt, wie Sie sich bei so einer Diskussion verhalten hätten? Ja, das habe ich mich natürlich gefragt. Der Film zeigt auf, was passiert, wenn wir uns nicht mehr vom gesunden Menschenverstand leiten lassen. Er fordert dazu auf, sich kritisch zu hinterfragen und nicht zu glauben, dass man immer recht hätte. Wenn dem Film gelingt, dass wir alle etwas vorsichtiger an Diskussionen herangehen, dann ist schon viel erreicht. Wie ist es dazu gekommen, dass unsere Debattenkultur so verroht ist? Social Media verlangt von uns immer eine klare Positionierung: Ja oder nein. Aber im wahren Leben ist Grau häufiger als Schwarz oder Weiß. Und wenn wir uns darauf einigen könnten, dass unsere Gesellschaft ein großer Kompromiss ist und dass darin unser Glück liegt, wäre schon viel Gutes gewonnen. In der Konfrontation selbst liegt kein Glück, vor allem wenn sie darauf aus ist, den Gegner niederzubügeln und nicht seine Meinung anzuhören. Wohlgemerkt, wenn es sich um eine Meinung handelt und nicht um eine nachweisliche Lüge. Ist die Gesellschaft intoleranter geworden? Es gab immer schon Intoleranz. Aber Social Media befeuert intolerante Äußerungen noch mal mehr. Man kann das heute ungestrafter tun, als es noch vor 20 Jahren möglich gewesen wäre. Man wird nicht mehr sanktioniert, wenn man Thesen in den Raum stellt, die ungehörig oder gelogen sind. Sie sind aber auch auf Social Media präsent. Dort erleben jahrzehntealte Sketche und Interviews von Ihnen jetzt einen neuen Aufschwung und erreichen eine ganz neue Zielgruppe. Wie erklären Sie sich das? Das spricht vielleicht dafür, dass die Sketche ein bisschen wie guter Wein sind. Je älter sie werden, desto besser – wenn das so ist, wie Sie sagen, ich selbst verfolge das gar nicht so genau. Das freut mich natürlich, wenn da neue Zielgruppen offen sind für meine "alten Sketche". Sie bekommen nicht mit, dass Sie auch neue Generationen erreichen? Doch, doch, ich kriege das schon mit. Aber ich verfolge das jetzt nicht so genau, ich bin nicht jeden Tag online und checke meine sämtlichen Portale. Da gibt es hilfreiche Menschen, die da auch ein bisschen wendiger sind als ich. Aber natürlich versperre ich da meinen Blick nicht, ich nehme das schon wahr. Wie ist das, wenn man auf eine so lange Karriere zurückblickt? Das ist ehrlich gesagt toll. Ich habe mir immer gewünscht, einmal auf 40 Jahre Karriere zurückblicken zu können. Ich bin dankbar für jedes einzelne Jahr, auch für die Rückschläge. Was ich erleben durfte, das war ein reiches großes Geschenk. Gibt es Tabubrüche oder Gags, an die Sie sich heute nicht mehr trauen würden? Es wird immer so geschimpft auf die sogenannte Wokeness. Ich möchte hier mal eine Lanze für die Wokeness brechen. Wokeness heißt nichts anderes, als dass wir alle sensibler werden für unser Gegenüber und darauf achten, die Grenze des anderen einzuhalten, ihn zu respektieren, nach Möglichkeit nicht zu diskriminieren. Und wenn ich mir alte Sketche von mir anschaue, habe ich diesen Pfad manchmal zwar nicht dramatisch, aber doch ein wenig verlassen. Ich hätte mehr darauf achten müssen, dass sich überhaupt keine Diskriminierung in meiner Kunst findet. Gelingt es Ihnen mittlerweile besser, darauf zu achten? Ja. Ich will das Beispiel eigentlich gar nicht bringen, aber: Als ich mein letztes Buch schrieb, wollte ich von der sogenannten "buckligen Verwandtschaft" schreiben. Und dann dachte ich mir, nein, das ist ein diskriminierender Begriff. Deswegen werde ich den nicht benutzen. Ich muss einen neuen erfinden, der nicht diskriminierend ist. Ich finde es gut, dass die Wokeness mich daran erinnert. Deshalb mag ich auch Quoten, die darauf achten, dass Menschen mit diversen Hintergründen verstärkt in Fernsehspielen auftreten. All das finde ich erst mal richtig, damit wir hoffentlich sensibler werden. Aber leider erreichen wir damit nicht alle. Es gibt eben auch das Gegenteil, Menschen, die sich dadurch umso mehr radikalisieren. Sie finden also, dass im Comedy- und Satirebereich heute mehr Rücksicht auf mögliche Diskriminierungen genommen werden sollte, als dies früher der Fall war? Man muss auf jeden Fall sensibler sein. Wo entgleitet Comedy? Wo spaltet sie? Man sollte niemanden ausschließen. Klar darf man auch mal ein Bashing machen und über die Grenze hinausschießen, aber grundsätzlich sollte es eher einen verbindenden Charakter haben. Sie haben sich in der Vergangenheit schon öfter klar politisch geäußert, sich auch gegen die AfD ausgesprochen. Weil Sie es als in der Öffentlichkeit stehende Person für Ihre Pflicht halten? Nein. Wenn ich mich zu politischen Themen äußere, tue ich das als Staatsbürger. Jeder Staatsbürger in der Demokratie ist nach meiner Überzeugung dazu verpflichtet. Das Grundgesetz gilt für mich immer, auch an einem verhangenen Montagvormittag. Es gilt auch für deutsche Reichtumsmigranten in Dubai . Wenn ich das Gefühl habe, dass dagegen verstoßen wird, dann erhebe ich laut meine Stimme. Nun bin ich eine öffentliche Person, sodass es an der einen oder anderen Stelle abgedruckt wird. Aber glauben Sie mir, dieser Verantwortung bin ich mir auch bewusst. Das ist einerseits eine positive Möglichkeit, aber in herausfordernden Zeiten wie diesen auch eine Bürde. Viele Ihrer Kollegen und Kolleginnen sehen politische Aussagen eher als Bürde. Bräuchte das Land mehr bekannte laute Stimmen? Ich verstehe jeden, der lieber schweigt. Wer sich aus dem Fenster lehnt, dem fliegt viel Müll um die Ohren. Damit muss man dann rechnen. Das muss man aushalten können. Spaß sieht sicher anders aus. Was meinen Sie damit? Ich bin eigentlich eher jemand, der das Fenster zumacht, im ruhigen Stübchen am Kamin sitzt und ein Buch liest. Aber manchmal muss man auch das Fenster aufmachen und den Kopf raushalten. Wie gehen Sie dann mit Gegenwind um? Ich höre mir Gegenwind immer an, aber der Gegenwind wird zunehmend idiotischer. Und da er so idiotisch ist, werde ich weiter meinen Kopf raushalten. Ich bin gespannt, wie idiotisch es noch wird. "Extrawurst" startet ab dem 15. Januar im Kino.



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