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Telefonische Krankschreibung: Steht das Modell vor dem Aus

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Der Bundeskanzler beklagt den hohen Krankenstand. Nun steht die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung in der Diskussion. Doch es ist strittig, ob das überhaupt etwas bringt. Friedrich Merz ist unzufrieden. Der Bundeskanzler findet, die Deutschen melden sich zu häufig krank. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bad Rappenau bei Heilbronn hatte er am Freitag beklagt, die Beschäftigten in Deutschland seien pro Jahr fast drei Wochen krank . "Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?", fragte Merz daraufhin. Später bekräftigte er seine Aussagen. Es ist keine neue Diskussion, die Merz da anstößt. Klagen über den vermeintlich hohen Krankheitsstand gibt es regelmäßig – oftmals in Verbindung mit Vorschlägen, wie der Krankenstand künftig reduziert werden könnte. Häufig im Fokus: die telefonische Krankschreibung. Auf die bezog sich auch der Kanzler. Er sieht darin einen der Gründe für die hohen Krankenzahlen. Steigende Beiträge: "Die Länder machen die Krankenversicherung kaputt" Rekordhoch bei Krankschreibungen: Wer besonders oft krank ist – und wer selten Unterstützung bekam er schnell von seiner Parteifreundin und Gesundheitsministerin Nina Warken. Sie kündigte im "Tagesspiegel" an, die aktuellen Regelungen prüfen zu wollen. Dabei sind sich auch Experten einig: Die Zahl der Krankentage ist hoch – aber es gibt andere Strategien, um die Krankheitstage zu reduzieren. Zudem gibt es für die Fehlzeiten mehrere Gründe, die nichts mit einem zu leichtem Zugang zum gelben Schein zu tun haben. Krankheitstage sind angestiegen – doch es gab eine wesentliche Änderung Was tatsächlich stimmt: Die Zahl der Krankheitstage hat sich seit 2021 deutlich erhöht. Waren es damals 11,2 Werktage pro Arbeitnehmer, stieg sie 2024 laut dem Statistischen Bundesamt auf 14,8. Was dabei oftmals übersehen wird: 2022 wurde die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingeführt. Wird jemand krankgeschrieben, wird das nun also direkt an die Krankenkasse übermittelt. Zuvor musste dies der Versicherung per Zettel mitgeteilt werden – was offenbar oftmals nicht passierte. Die Umstellung fiel dabei in einen ähnlichen Zeitraum wie die telefonische Krankschreibung, die während der Corona-Pandemie eingeführt und am 7. Dezember 2023 dauerhaft verankert wurde. Dadurch sind beide Phänomene nicht immer leicht voneinander zu trennen. So forderte auch die CSU bei ihrer Klausurtagung im Kloster Seeon Anfang des Jahres ein Ende der telefonischen Krankschreibung. Die Begründung: Die Fehltage seien seit der Einführung der Regelung um 40 Prozent gestiegen. "Deutschland muss Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen und darf nicht weiter zurückfallen", sagte der CSU-Landesgruppenvorsitzende Alexander Hoffmann der "Augsburger Allgemeinen". Die Umstellung auf den elektronischen Krankenschein erwähnte er nicht. Bereits der damalige Finanzminister Christian Lindner hatte 2024 bemängelt, es gebe "eine Korrelation zwischen dem jährlichen Krankenstand in Deutschland und der Einführung der Maßnahme, die als guter Bürokratieabbau gedacht war". Schon damals erklärte Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes: "Es ist inzwischen hinlänglich bekannt, dass sich die gestiegene Zahl der Krankschreibungen in großen Teilen auf die elektronische Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zurückführen lässt." Er warnte bereits damals, eine Abschaffung sei "fehlgeleiteter Aktionismus". Zahlen im internationalen Vergleich hoch Allerdings soll die Erklärung für den Anstieg nicht davon ablenken, dass die Zahl der Krankentage in Deutschland im internationalen Vergleich bereits vor 2022 hoch war und aktuell weiterhin ist. Zwar lassen sich einzelne Länder aufgrund unterschiedlicher Erfassungsmethoden nicht direkt miteinander vergleichen, doch es ist unstrittig, dass die Menschen sich hierzulande häufiger krankschreiben lassen. Der Ökonom Nicolas Ziebarth erklärte bei t-online, er stimme Merz grundsätzlich zu: "In der derzeitigen wirtschaftlichen Lage ist das aus verschiedenen Gründen ein zu hoher Krankenstand." Denn dies bedeute hohe Arbeitskosten für Unternehmen, einen Organisationsaufwand, um Ersatz zu finden, sowie eine Verstärkung des Fachkräftemangels. In Kombination mit den starren Kündigungsschutzregelungen seien die Fehltage ein klarer Standortnachteil in Deutschland. Neue Krankheitsbilder führen zu anderen Zahlen Doch die angestiegenen Krankentage haben auch medizinische Gründe: Die Zahl der Atemwegserkrankungen stieg infolge der Corona-Pandemie deutlich an. Rund die Hälfte der zusätzlichen Krankmeldungen erfolgte 2022 und 2023 aufgrund dieser Leiden. Auch die Zahl der psychischen Erkrankungen nahm nach der Pandemie deutlich zu. Diese sind oftmals mit deutlich längeren Ausfallzeiten verbunden, zeigt der AOK-Fehlzeiten-Report. Die häufigere Diagnostizierung lässt sich dabei vor allem mit einem deutlich höheren Bewusstsein und besseren Diagnosemöglichkeiten für psychische Probleme erklären. Doch welche Rolle spielt nun die telefonische Krankschreibung? Dazu gibt es bisher wenig Daten. Eine Untersuchung des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Versorgung (ZI) mit der Barmer-Krankenkasse hat aufgezeigt, dass im Jahr 2022 lediglich 1,2 Prozent der Krankschreibungen durch ein Telefonat erfolgten, im Folgejahr waren es sogar nur 0,9 Prozent. Auch Experte Ziebarth betont, es gebe keinen Nachweis, dass die telefonische Krankschreibung für den hohen Krankenstand verantwortlich ist. Bei einer Abschaffung sollte man nicht davon ausgehen, dass der Krankenstand sinkt. So verweist er darauf, dass die telefonische Krankschreibung Hausarztpraxen entlaste und Kranke aus überfüllten Wartezimmern fernhalte. "Das ist gerade dann auch weiterhin wichtig, wenn wir die hausarztzentrierte Versorgung einführen möchten." In dem Fall wäre kein einfaches Wechseln mehr zwischen verschiedenen Ärzten möglich. Streit über die telefonische Krankschreibung Für die Politik bleibt die telefonische Krankschreibung dennoch ein beliebtes Thema. Die schwarz-rote Koalition hielt bereits in ihrem Koalitionsvertrag fest, man wolle Missbrauch ausschließen. Unter den Ärzten sind die Folgen umstritten. Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, betonte im "Tagesspiegel": "Die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung lädt natürlich zum Missbrauch ein." Er forderte deren Abschaffung. Die Vorsitzende des Berliner und Brandenburger Hausärzteverbandes, Sandra Blumenthal, hingegen attackierte Merz für die Forderung: "Hat ein Bundeskanzler nichts Besseres zu tun? Ich finde es anmaßend von Friedrich Merz, zu behaupten, ich würde meine Patienten leichtfertig krankschreiben." Auch Andreas Storm, Vorsitzender der DAK Gesundheit, sagte kürzlich im t-online-Interview, er finde die Forderungen nach einer Abschaffung "absurd und ärgerlich". "Es war eine der Lehren der Corona-Zeit, dass man mit einem Schnupfen nicht zwingend in die Praxis gehen muss, um dort noch seinen Sitznachbarn anzustecken." Nun forderte Storm einen Gipfel im Kanzleramt, der Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzte und Krankenkassen an einen Tisch bringen soll. Notwendig sei eine fundierte Ursachenforschung. Als Baustein für neue Lösungswege schlug der Kassenchef die Einführung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen vor. Gemeint ist damit, nur für einen Teil der täglichen Arbeitsstundenzahl krankgeschrieben zu werden. Hoher Krankheitsstand: Es gibt Lösungen Experte Ziebarth schlägt als eine Lösung mehr Videooptionen anstelle reiner Telefonate vor. Dann kann der Arzt den Patienten zumindest optisch einschätzen. Zudem unterstützt der Experte die Forderung der Arbeitgeber, Nacht- und Feiertagszuschläge von der Berechnungsbasis auszuklammern. Am effektivsten sei aber eine andere Option: "Wirklich einen signifikanten Unterschied machen könnte die graduelle Krankschreibung", so Ziebarth. Darunter versteht man die Krankschreibung für einen Teil des Tages, die Arbeitnehmer könnten dann bei leichter Erkrankung trotzdem ein paar Stunden pro Tag arbeiten. Seine Rechnung: Würden nur zehn Prozent von 900 Millionen Krankheitstagen in halbe Arbeitstage umgewandelt, gebe es bereits 45 Millionen weniger Fehltage. Das Ergebnis wäre das gleiche wie bei der Abschaffung eines Feiertags. "Damit retten wir Deutschland nicht, aber es wäre eine sehr sinnvolle Modernisierung der Lohnfortzahlung, die in allen skandinavischen Ländern akzeptiert sowie gang und gäbe ist", verdeutlicht Ziebarth. Ebenso brauche es klarere Leitlinien für die Ärzte, damit diese künftig Krankschreibungen nach einheitlicheren Standards ausstellen. Zudem plädiert er für die Einführung der hausarztzentrierten Versorgung. So könnten Patienten, denen die Krankschreibung verweigert wird, nicht "einfach Ärzte-Hopping betreiben". Vorschläge gibt es genug, um das Problem anzugehen, auch jenseits der wiederkehrenden Debatte um die telefonische Krankschreibung.



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