Für Ex-Profi Fabian Hergesell ist das Spiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Preußen Münster an diesem Freitag ein ganz besonderes. Er hat bereits für beide Klubs gespielt. Er hat als linker Verteidiger drei Jahre für Fortuna Düsseldorf gekickt, später dreieinhalb Jahre für Preußen Münster – und wenn an diesem Freitag (Anstoß 18.30 Uhr) beide Klubs aufeinandertreffen, schlagen zwei Fußball-Herzen in der Brust von Fabian Hergesell. Heute arbeitet der 41-Jährige als Key Account Manager Analytik bei Currenta, dem Betreiber der Chemparks in Leverkusen, Uerdingen und Dormagen. Für den Ex-Profi eine ganz bewusste Entscheidung, aber das Interesse am Fußball hat er trotzdem nie verloren. Im Interview mit der Düsseldorfer Redaktion von t-online erinnert sich Fabian Hergesell an alte Aufstiegszeiten, schätzt die aktuelle Lage der Fortuna ein und blickt auf das Duell seiner Ex-Klubs. t-online: Fabian Hergesell, verfolgen Sie die Spiele Ihrer Ex-Klubs Fortuna und Preußen immer noch intensiv? Fabian Hergesell: Auf jeden Fall! Beim letzten Duell der beiden Klubs in Düsseldorf war ich mit der Familie da, stand sogar im Preußenblock. Und an diesem Freitag bin ich auch auf der Tribüne dabei. Ein Arbeitskollege hat mich gefragt, ob ich mitkomme. Er ist Preußen-Fan, also stehe ich wieder im Münsteraner Block. (lacht) Ich habe ihm aber schon gesagt, dass mein halbes Herz trotzdem noch für die Fortuna schlägt. Sie tragen beide Vereine im Herzen? In Düsseldorf habe ich meinen Durchbruch zum Profi erlebt. Wir sind damals im Sommer 2009 aufgestiegen in die 2. Liga. Es war das legendäre, letzte Spiel gegen die zweite Mannschaft von Werder Bremen vor 50.000 Zuschauern. Die Aufstiegsmannschaft gibt es heute noch in einer WhatsApp-Gruppe. Ich treffe auch viele wieder, weil ich jetzt wieder am Rand von Düsseldorf wohne. Allerdings hatte ich auch in Münster dreieinhalb Jahre eine ganz intensive Zeit. Wie sind da Ihre Erinnerungen? Wir hatten ein super enges Umfeld – Sponsoren, Verein, das Ganze drumherum. Wir sind auch nur knapp am Aufstieg gescheitert. Ich fahre regelmäßig nach Münster, da ich dort immer noch Freunde habe. Ich war sogar auf Hochzeiten von Vereinsangestellten eingeladen. Da gibt es nach wie vor einen ganz engen Draht. Ich spiele auch bei Preußen in der Traditionsmannschaft. Drei Jahre Fortuna, der Aufstieg in die 2. Liga – wie haben Sie Ihre Zeit in Düsseldorf empfunden? Was macht den Verein aus? Ich bin Ur-Leverkusener, eigentlich Kölner Seite. Da war es erst eine kleine Überwindung, zu Fortuna zu wechseln. (lacht) Und mit den Leuten muss man auch erstmal warm werden, das ist schon eine andere Kultur. Was ich gleich bemerkt habe, war der riesige Erwartungsdruck und die riesige Fanbase dahinter. Der Aufstieg war dann einfach das Größte, was ich feiern durfte. Wir waren eine eingeschworene Einheit. Ist die Fortuna mit diesem Stadion und diesem Umfeld ein Klub, der in die Bundesliga gehört? Bei der Fortuna hat man immer sehr hohe Erwartungen, die vielleicht nicht so ganz realistisch sind. Aber wie der Verein mittlerweile grundsätzlich aufgestellt ist, das sieht gut aus. Das Nachwuchsleistungszentrum mit seinen Trainern – da gibt es ein riesiges Potenzial allein im Nachwuchsbereich. Da muss man sich vor anderen Vereinen nicht verstecken. Wenn man diese Strategie konsequent weiterverfolgt, wird Fortuna auch wieder in der Bundesliga auftauchen. Auch in diese Spielzeit ist die Fortuna mit großen Zielen gegangen – und steckt jetzt im Abstiegskampf. Die Saison läuft etwas unglücklich. Grundsätzlich hatte man mit Daniel Thioune definitiv einen guten und sympathischen Trainer. Mit ihm hast du schon gedacht: 'Okay, das wird wieder eine vernünftige Mannschaft und eine ordentliche Saison.' Jetzt ist es aber richtig in die Hose gegangen, zusätzlich auch durch die Unruhe im Management. So etwas sorgt auch nicht dafür, dass du in Ruhe arbeiten kannst. Jetzt hat man sich für Markus Anfang als Trainer entschieden, mal schauen. Wie schätzen Sie Markus Anfang ein? Ist er der richtige Mann für den Abstiegskampf? Mit Markus Anfang habe ich in Düsseldorf noch zusammengespielt. Er war als Spieler ein klassischer Zehner, der auch gerne mal was gesagt hat. Ich habe ihn später auch als Jugendtrainer in Leverkusen erlebt, als er da seine ersten Schritte gemacht hat. Grundsätzlich würde ich sagen, er passt nach Düsseldorf. Er identifiziert sich mit dem Verein. Und die Tendenz scheint jetzt zu passen, in den letzten Spielen hat die Fortuna regelmäßig gepunktet. Anfang hat davon gesprochen, vielleicht all das aufzuholen, was man in der Hinrunde hat liegenlassen. Was erwarten Sie für den Rest der Spielzeit? Ich glaube, man wird in den nächsten Wochen nicht mehr viel mit dem Abstieg zu tun haben und sich irgendwo im Mittelfeld einfinden. Aber für die Plätze weiter oben in der Tabelle reicht es definitiv nicht. Da sind andere Mannschaften deutlich besser drauf und deutlich stärker in dieser Saison. Wer benötigt beim Duell an diesem Freitag die Punkte dringender – die Fortuna oder die Preußen? Die Preußen haben eine längere Durststrecke hinter sich, konnten die letzten sieben Spiele nicht gewinnen. Daher bräuchte Münster den Sieg allein aus mentaler Sicht deutlich dringender, um mal wieder einen Erfolg einzufahren. Aber Fortuna will unten raus, da musst du zu Hause gewinnen. Am Ende wünsche ich mir, dass beide Vereine in der Liga bleiben. Wagen Sie noch einen Tipp für das Duell am Freitag? Wir haben jetzt das Karnevalswochenende, da steht das Rheinland Kopf und alle spielen ein bisschen verrückt. Daher tippe ich mal auf ein närrisches 3:3-Unentschieden. Vielen Dank für das Gespräch!