Krisenmanagement: Deutliche Kritik an Wegners Entschuldigung
Berlins Regierender Bürgermeister entschuldigt sich für seine Kommunikation beim großen Stromausfall Anfang des Jahres. Das überzeugt allerdings nicht alle.
An der Entschuldigung von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) für sein Verhalten im Zusammenhang mit dem großen Stromausfall gibt es deutliche Kritik. "Statt wirklich reinen Tisch zu machen und sich ehrlich an die Menschen in Berlin zu wenden, versucht Kai Wegner erneut, sich mit Kommunikationsfehlern herauszureden", teilte Grünen-Fraktionsvorsitzender Werner Graf auf dpa-Anfrage mit. "Gerade in Zeiten von Unsicherheit und Krisen brauchen wir einen Regierenden Bürgermeister, auf dessen Wort Verlass ist."
Die Linke-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl, Elif Eralp, warf Wegner vor, sich mehr als zwei Monate Zeit gelassen zu haben. "Und erst jetzt, wo noch mehr Ungereimtheiten öffentlich werden, entschuldigt er sich, das sieht doch arg nach Wahlkampfmanöver aus." Auf sie wirke das wenig glaubwürdig. "Was jetzt von ihm als kommunikativer Fehler abgetan wird, klingt nicht nach echter Einsicht, sondern nach Kalkül."
AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker teilte mit, Wegner habe nicht etwa "kommunikative Fehler" gemacht – er habe schlicht gelogen. "Mit seinem halbherzigen Entschuldigungsversuch beweist er ein weiteres Mal: Für das Amt des Regierenden Bürgermeisters ist er weder politisch noch charakterlich geeignet."
Wegner: "Es tut mir aufrichtig leid"
Der CDU-Politiker hatte Fehler in seiner Kommunikation nach dem durch einen Brandanschlag verursachten Stromausfall eingeräumt. Dafür wolle er sich bei allen Berlinerinnen und Berlinern entschuldigen, sagte er der "B.Z.". "Es tut mir aufrichtig leid", so der CDU-Politiker.
"Aufgrund meiner Fehler in der Kommunikation ist ein Eindruck entstanden, den ich sehr bedauere. Tatsächlich habe ich mich mit aller Kraft um die Bewältigung dieser Krise gekümmert, als absehbar war, welche Dimension das annimmt."
Bei dem Stromausfall Anfang des Jahres mussten mehrere Zehntausend Menschen im Südwesten Berlins deshalb tagelang ohne Heizung und Elektrizität auskommen. Wegner steht insbesondere wegen seiner Angaben zum ersten Krisentag, dem 3. Januar, in der Kritik.
Er hatte zunächst verschwiegen, mittags für eine Stunde Tennis gespielt zu haben, wie Recherchen des RBB ergaben. Vergangene Woche war Wegner erneut wegen eines Berichts des "Tagesspiegel" zu seinem Tagesablauf unter Druck geraten. Dabei ging es um die Frage, ob Wegner den Umfang seiner Aktivitäten korrekt dargestellt oder einen falschen Eindruck erweckt hatte.
