Fehlzündung bei Comeback: Wie gut tut Mbappé dem Real-Spiel?
MALLORCA. Auswärtsspiele auf der Insel sind für Real Madrid prinzipiell ein schwieriges Unterfangen. Nicht zum ersten Mal sichert sich RCD Mallorca zu Hause vor glänzender Kulisse drei Punkte – drei Mal in Reals letzten sechs Besuchen. Für das abstiegsbedrohte Team von Martín Demichelis ein absolut unerlässlicher Punktgewinn, für Real Madrid nicht unbedingt die beste Ausgangslage vor dem Viertelfinalkracher in der Champions League gegen den FC Bayern München. Dabei drängte sich nach Mbappés Comeback beim 1:2 mit vielen vergebenen Chancen und wenig Kreativität vor allem eine Frage auf: Tut er Reals Spiel wirklich gut?
Mbappé zurück – und auch der alte Offensivtrott
Erstmals seit seiner viel kommentierten und umstrittenen Knieverletzung stand Kylian Mbappé wieder über 90 Minuten auf dem Platz. Vinícius nahm stattdessen erst einmal auf der Bank Platz, wurde später eingewechselt. Während der Franzose im Derby gegen Atlético eingewechselt mit Ball kaum Spielanteile hatte und keinen einzigen Torschuss abgab, war er gegen die Mallorquiner deutlich präsenter. Doch abgesehen davon, dass der 27-Jährige in seinen Abschlüssen zu ausrechenbar war und somit regelmäßig an Keeper Leo Román scheiterte, wirkte das gesamte Offensivspiel plötzlich wieder viel statischer, viel mehr „im alten Trott“ verankert. Die Vorwärtsbewegung lief wieder nach dem Motto ab: Hauptsache nach links außen, Arda Güler spielte beinahe automatisch den Stürmer an, sobald er an den Ball gelangte. Brahim Díaz kam so in 76 Minuten auf nur 30 Ballkontakte.
Dabei wurde bei Mbappés ersten Einsatz über die volle Zeit vor allem eines sichtbar: Die Chancenverwertung ist nach wie vor ein großes Thema. Es mag floskelhaft klingen, aber in Spielen wie diesen entscheiden sich Meisterschaften – nicht weil der Gegner unangenehm ist und Mallorca, Getafe oder Rayo Vallecano heißt, sondern weil er unangenehm ist, durchaus in der Lage zu treffen, und in diesem Fall dennoch genug Räume für Chancen bietet. Drei von Mbappés sechs abgegebenen Schüssen gingen auf das Tor, zwei davon Großchancen. Alle vergeben. Überhaupt ist er der Spieler in LaLiga mit den meisten vergebenen Großchancen. Anstatt die Herangehensweise zu ändern, versuchte es der Offensivmann immer wieder mit seinen Dribblings und den Schüssen ins lange Eck, doch an der Erfolgsquote änderte das nichts.
Das noch größere Problem: Die einseitige Herangehensweise der gesamten Mannschaft, sobald der Starstürmer auf dem Platz steht, ist alles andere als zuträglich. So lastet der ganze Druck einerseits mal wieder nur auf ihm, obwohl es ihm seit Monaten an Rhythmus fehlt. Hier muss auch Mbappé seinen eigenen Antrieb hinterfagen. Zwar ist er auf stetige Verbesserung aus und sein Label als Tormaschine mit 38 Treffern wettbewerbsübergreifend spricht zweifelsohne für ihn, doch gerade in solch unbequemen Partien ist vor allem eines wichtig: die Punkte gemeinsam holen. Es geht also darum, die Balance nach vorn zu halten und weitsichtiger zu denken – von beiden Seiten. Álvaro Arbeloa hat es in den vergangenen Wochen geschafft, dem Team in diesem Punkt eine gewisse Frische und Dynamik zu verleihen, indem er seinen Spielern einige Freiheiten gewährte, die bereits erste Früchte trugen. Seit dem 2. März gewannen die Madrilenen fünf Spiele in Folge, davon drei große Brocken: zwei Begegnungen mit Manchester City in der Champions League (3:0; 2:1) und das kräftezehrende Derby gegen Atlético (3:2). Es gilt, diese Tendenzen beizubehalten und so die Abhängigkeit von einer einzelnen Personalie zu verringern – denn Real kann auch ohne Mbappé überzeugen. Mit ihm ist die Mannschaft nicht immer schlechter – aber oft festgefahrener. Trifft er nicht, fehlt plötzlich die Lösung oder Vinícius muss es regeln und so ergibt sich ein ähnliches Muster.
Das Problem: Nicht Mbappé sondern das Grundgerüst
Hinzu kommt: An der Defensivarbeit nimmt Mbappé zu wenig teil, kritisierte sich dafür in einem Interview zuletzt auch selbst: „Ich bin ein Spieler, der etwas weniger verteidigt als die anderen und manchmal kann das ein Problem sein. Die Leute sehen nur Tore und Assists, aber Fußball ist mehr als das. Es stimmt, dass ich weniger tue, aber wenn ich den ersten Schritt mache, wenn ich anfange zu pressen, dann folgen die anderen.“ Diese Devise sollte auch in der Rückwärtsbewegung gelten. In einem aktuell noch zu fragilen Gebilde, um sich aus diesen Aufgaben mal herauszunehmen, hat auch hier der eine Schritt mehr oder weniger einen deutlichen Einfluss auf die Mentalität der Mannschaft.
In diesem Punkt hat Federico Valverde deutlich die Nase vorn. Der Uruguayer hat sein Feuer wieder entfacht, nachdem er sich vor allem in der ersten Saisonhälfte großer Kritik aussgesetzt sah und schon beinahe ein wenig auf der Kippe stand. Der Allrounder hat es nicht nur geschafft, sich selbst, mit Hilfe des neuen Trainers, wieder in die Spur zu bringen, sondern auch die ganze Mannschaft mit hochzuziehen. Gegen Mallorca fehlte der 27-Jährige gesperrt und das machte sich deutlich bemerkbar. Nach vorn fehlte das „gewisse Etwas“, dass er in den letzten Wochen regelmäßig ins Team trug, nach hinten sein ansteckender Kampfgeist. Nun kann auch ein Valverde nach hinten nicht alles regeln, aber mit seinen Aktionen sendet er stets eine Message. Die fehlte auf Mallorca und das Muster wiederholte sich: In wichtigen Umschaltmomenten schalten einige einfach ab und verlassen sich auf den anderen. So Eduardo Camavinga vor dem 0:1, der Torschütze Manu Morlanes genau im Blick hatte und dennoch keineswegs an Geschwindigkeit zulegte, um den Passweg zuzumachen oder zumindest noch beim Abschluss zu stören.
Dabei handelt es sich nur um ein Beispiel, um erneut deutlich zu machen, worum es bei Real Madrid eigentlich geht – etwas, das Arbeloa in beinahe jeder Pressekonferenz predigt: Einsatzbereitschaft, Kollektivarbeit und Konstanz. Nur so entsteht Stabilität. Es scheitert weder an Mbappé, noch am fehlenden Valverde. Es scheitert auf den letzten Metern (unter anderem – denn natürlich muss auch das Thema Verstärkung und mögliche Abgänge weiterhin im Fokus stehen) nach wie vor am Grundgerüst. Zwar könnten die magischen Nächte in der Champions League zurückgekehrt sein und stellen auch gegen den FC Bayern ein gut denkbares Szenario dar, und in der Liga sind die Kampfsiege und späte Tore zumindest zum Teil wieder da. Aber: Noch immer fehlt auf konstanter Basis das zuvor teils blinde Vertrauen in den jeweils anderen und der selbstverständliche, unüberwindbare Kampfgeist. Kleine Veränderungen lösen nach wie vor zu große Wackler aus, die den Blancos wohl am Ende trotzdem mindestens den zweiten Tabellenplatz bescheren, aber den Abstand zum FC Barcelona nicht kleiner werden lassen, also Stand jetzt wieder nicht für den Titel reichen. Die Königsklasse steht trotz allem auf einem anderen Blatt Papier.
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