Spritpreise: Pendlerpauschale zu niedrig – Berechnung zeigt nötige Höhe
Steigende Spritpreise belasten Pendler stark. Eine Auswertung zeigt: Selbst die Anfang dieses Jahres erhöhte Pendlerpauschale reicht nicht aus. Die Spritpreise sind zuletzt deutlich gestiegen – und mit ihnen die Belastung für Millionen Pendler in Deutschland. Zwar wurde die Pendlerpauschale zum Jahresbeginn bereits auf 38 Cent pro Kilometer ab dem ersten Kilometer erhöht , doch eine aktuelle Auswertung zeigt: Das reicht nicht aus, um die Mehrkosten auszugleichen. Nach einer Berechnung von Wiso Steuer für t-online auf Basis anonymisierter Pendlerdaten zahlen Berufspendler derzeit deutlich mehr für ihren Arbeitsweg als noch zu Jahresbeginn. Im Durchschnitt ergibt sich daraus eine zusätzliche Belastung von rund: 220 Euro pro Jahr für Dieselfahrer 122 Euro pro Jahr für Benziner Grundlage der Berechnung ist der deutsche Durchschnittspendler: 139 Arbeitstage im Jahr und eine einfache Strecke von 27,3 Kilometern. Das ergibt knapp 7.600 Kilometer Arbeitsweg pro Jahr. Als Maßstab für den Verbrauch wurde ein VW Golf herangezogen, das meistverkaufte Auto hierzulande. Im Schnitt verbraucht das Dieselmodell 5,69 Liter, der Benziner 7,51 Liter auf 100 Kilometer. Aktuelle Auswertung: Wo Haushalte jetzt am meisten Geld verlieren Warum die höhere Pauschale nicht reicht Die Pendlerpauschale wirkt nur indirekt: Sie senkt das zu versteuernde Einkommen und damit die Steuerlast. Doch selbst mit der Erhöhung auf 38 Cent pro Kilometer wird die reale Mehrbelastung durch höhere Spritpreise nicht vollständig kompensiert. Denn: Die Pauschale wirkt nur anteilig – je nach persönlichem Steuersatz . Ein Teil verpufft zudem durch den Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro pro Jahr, der ohnehin automatisch berücksichtigt wird. Erst wenn die tatsächlichen Werbungskosten diesen Betrag übersteigen, gibt es überhaupt eine zusätzliche Steuerersparnis durch die höhere Pendlerpauschale. Modellrechnung: So hoch müsste die Pauschale sein Wie hoch müsste die Pendlerpauschale also sein, um die gestiegenen Kosten vollständig auszugleichen? Wiso Steuer hat das für einen Musterfall näherungsweise durchgerechnet: Jahresgehalt: 50.000 Euro Persönlicher Steuersatz: 21 Prozent Keine weiteren Werbungskosten Das Ergebnis: Die Pendlerpauschale müsste bei rund 61 Cent pro Kilometer liegen, damit die Steuerersparnis die Mehrkosten durch die höheren Spritpreise ausgleicht. Die Rechnung dahinter: 61 Cent × 139 Tage × 27 Kilometer = 2.289 Euro Werbungskosten Abzüglich Arbeitnehmer-Pauschbetrag: verbleiben rund 1.059 Euro Steuerersparnis (21 Prozent): etwa 222 Euro Damit wäre die zusätzliche Belastung durch teureren Diesel und teureres Benzin rechnerisch vollständig kompensiert. Keine Lösung, die für alle passt Allerdings gilt: Diese 61 Cent sind kein allgemeingültiger Wert. Wie stark Pendler entlastet werden, hängt immer vom Einzelfall ab. Entscheidend sind neben dem Einkommen und dem Steuersatz die Länge des Arbeitswegs und die Anzahl der Arbeitstage, für die die Pendlerpauschale berücksichtigt werden kann. Wer im Homeoffice arbeitet, kann sie nicht nutzen. Stattdessen greift dort die Homeoffice-Pauschale . Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich zuletzt offen für eine weitere Erhöhung der Pendlerpauschale gezeigt. Auch der Bund der Steuerzahler unterstützt das Instrument. Anders als die geplante steuerfreie Entlastungsprämie , die Arbeitgeber freiwillig zahlen können, sei eine höhere Pendlerpauschale "eine wirklich sachgemäße Lösung zur Entlastung", sagte Steuerzahlerbund-Präsident Reiner Holznagel.