Die Feuerpause am Golf läuft aus. USA und Iran setzen auf neue Verhandlungen. Vorab drohen beide Seiten mit markigen Worten. Am Mittwoch um Mitternacht endet die Waffenruhe zwischen den USA und Iran . Lange herrschte Unklarheit, ob beide Seiten das Angebot aus Pakistan annehmen, um in Islamabad über eine Verlängerung der Feuerpause zu verhandeln. Dann kam das Signal: Am Mittwoch sollen die Gespräche in Pakistan weitergehen, meldete die Agentur AP. Beide Seiten haben die neue Verhandlungsrunde zunächst aber nicht offiziell bestätigt. Nach Angaben des US-Senders CNN machte sich US-Vizepräsident JD Vance auf den Weg nach Islamabad. Er wird demnach von Steve Witkoff begleitet, dem Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump , der im Vorjahr schon den Waffenstillstand zwischen Israel und der palästinensischen Terrorgruppe Hamas eingeleitet hatte. "Seine Fähigkeit, Abkommen zu erzielen und schwierige Verhandlungen erfolgreich zu führen, ist unübertroffen, und Amerika wird von seinem unermüdlichen Einsatz profitieren“, hatte Präsidentensohn Donald Trump Jr. im Vorjahr erklärt. Laut CNN will der Iran eine Delegation um Außenminister Abbas Araghtschi und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf entsenden. Überblick: Alle Entwicklungen im Nahost-Newsblog "Neuer Trumpf auf Schlachtfeld": Iran droht Trump "Den Finger am Abzug": Regime in Teheran geht massiv gegen Opposition vor Vor dem Wochenende hatte sich eine Entspannung zwischen den Konfliktparteien abgezeichnet, nachdem der Iran am Freitag seine Blockade der Straße von Hormus aufgegeben hatte. Das Regime in Teheran nahm die Entscheidung aber am Samstag zurück, nachdem die US-Marine im Golf ein iranisches Schiff aufgebracht hatte. Danach wechselten sich Entspannungssignale und Drohungen auf beiden Seiten ab. So drohte US-Präsident Trump im Falle eines Scheiterns, werde "eine Bombe hochgehen". Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf warnte umgehend auf der Plattform X: "In den vergangenen zwei Wochen haben wir uns darauf vorbereitet, neue Trümpfe auf dem Schlachtfeld auszuspielen." Ali Abdullahi, Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte, gab sich weiter unversöhnlich. Er erklärte: "Das iranische Volk hat die Streitkräfte weiterhin unterstützt." US-Präsident Trump bezeichnete er als "Lügner" und "fernab jeder Realität". Streit über Irans Atomprogramm Bei den Verhandlungen geht es vor allem um das iranische Atomprogramm. Der Iran ist nach Angaben aus Verhandlungskreisen zwar bereit, die Arbeiten auszusetzen. Doch liegen beide Seiten noch weit auseinander. Demnach bietet der Iran ein Moratorium von fünf Jahren an, die US-Seite beharrt auf einer Pause von 20 Jahren. Daneben geht es um die Schifffahrt in der Straße von Hormus. Die USA lehnen die Abgabe einer Gebühr für Schiffe bei einer Passage ab. Der Iran kritisiert die Kontrolle von Schiffen durch die US-Marine im Golf. Daniel Byman vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) wog die Chancen und Risiken der beiden Verhandlungsseiten gegeneinander ab. Für die USA stellte Byman fest: "Die Drohungen mit einer weiteren Eskalation müssen gegen das Risiko abgewogen werden, dass ihre Umsetzung einen Konflikt verschärfen würde, den die Bevölkerung im eigenen Land möglicherweise nicht unterstützt. Bluffen, wozu Trump neigt, birgt lediglich die Gefahr, die Iraner davon zu überzeugen, dass die roten Linien der USA nicht existieren." Über den Iran sagte Byman: "Der Krieg hat das Machtgleichgewicht zugunsten radikalerer Elemente verschoben." So stellte der Experte zur ersten Verhandlungsrunde fest: "In der ersten Gesprächsrunde verbrachten die pakistanischen Vermittler mehr Zeit damit, den Iranern bei ihren internen Verhandlungen zu helfen, als mit den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran." Hannah Neumann, Grünen-Europaabgeordnete und Iran-Expertin, sagte t-online: "Die Repression im Land nimmt massiv zu." Ihr Fazit: "Dieses Regime ist am Ende. Es ist moralisch am Ende. Und es ist politisch am Ende. Was wir aber gerade sehen, ist, dass es bereit ist, noch im Fall ein ganzes Land und eine ganze Region mit in den Abgrund zu reißen." Die Europapolitikerin warnte aber auch: "Klar ist, dass ein Wechsel aus der iranischen Gesellschaft selbst kommen muss. Bomben alleine werden keinen Regimewechsel ermöglichen."