Kurz vor der WM 2026 herrscht vor allem in den USA eine eher gedrückte Stimmung im Tourismussektor. Menschenrechtsorganisationen warnen nun sogar vor Reisen in das Land. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko gilt als eines der größten Sportereignisse der kommenden Jahre. Für die US-Tourismusbranche schien sie lange wie ein Selbstläufer: Millionen Fans, volle Hotels, steigende Umsätze. Doch nur wenige Wochen vor dem Turnier (11. Juni bis 19. Juli) zeichnet sich ein anderes Bild ab. Reiseveranstalter berichten von einer anhaltenden Buchungsschwäche, während zugleich die Preise hoch bleiben. Flüge und Unterkünfte sind teuer, viele Reisende zögern oder entscheiden sich gleich für andere Ziele. Innerhalb der Branche wächst die Unsicherheit, ob der erhoffte Boom am Ende doch noch eintritt. Fußball-Weltmeisterschaft 2026: Alle Stadien und Austragungsorte im Überblick WM-Übertragung: Auf diesen TV-Sendern laufen die Spiele der Weltmeisterschaft Schon 2025 verzeichneten die USA als einziges großes Reiseland einen Rückgang bei internationalen Besuchern. Das hat verschiedene Gründe. Ein zentraler: die Kosten. Für viele Fußball-Fans ist die Reise kaum bezahlbar. Tickets für Spiele kosten teilweise mehrere Tausend Dollar , hinzu kommen teure Flüge und Unterkünfte. Zudem sind auch die Verpflegungskosten hoch – in Restaurants, Bars, Cafés und Supermärkten bezahlt man in den USA häufig das Doppelte bis Dreifache der Preise in Deutschland. Wer also schon viel Geld für Flüge, Tickets und Hotel ausgibt, muss auch noch eine Menge Taschengeld einpacken. Menschenrechtsorganisationen warnen vor USA-Reise Auch die politische Lage in den USA schreckt viele Fans ab. In einer t-online-Umfrage vom Januar erklärten 94,6 Prozent der Teilnehmer , dass sie die WM lieber im Fernsehen verfolgen wollen, da sie die Lage vor Ort abschreckend finden. Nur 2,6 Prozent würden sich trotz der Umstände gerne ein Spiel im Land anschauen wollen. Insgesamt nahmen über 41.000 Leserinnen und Leser an der Abstimmung teil. Gleichzeitig steigen die Hürden für die Einreise. Verschärfte Visa-Regeln, mögliche Social-Media-Überprüfungen und zusätzliche Gebühren schrecken viele ab. Immer wieder gibt es Berichte von Reisenden – auch deutschen Staatsbürgern – denen die Einreise in die USA verweigert wurde. Erst kürzlich warnten auch zahlreiche Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International vor Risiken bei der Einreise. In einem gemeinsamen Statement von mehr als 120 Organisationen heißt es unter anderem: "Der zunehmende Autoritarismus und die eskalierende Gewalt der Trump-Regierung stellen für alle ein ernstes Risiko dar". Kritisiert wird auch "die sich verschlechternde Menschenrechtslage in den Vereinigten Staaten und das Ausbleiben sinnvoller Maßnahmen und konkreter Zusicherungen seitens der Fifa, der Austragungsstädte oder der US-Regierung". Tourismusbranche hofft auf kurzfristige Buchungen Ein weiterer Faktor: die Struktur des Turniers. Erstmals wird die WM in drei Ländern ausgetragen und auf 48 Teams ausgeweitet. Das macht Reisebewegungen schwerer vorhersehbar. Einige Fans weichen bewusst auf Kanada oder Mexiko aus, wo die Einreisebedingungen als einfacher gelten. Die Folgen sind spürbar. Hotels berichten von verhaltener Nachfrage, insbesondere bei vorab reservierten Zimmerkontingenten für die WM. Teilweise werden geblockte Zimmer wieder freigegeben, weil sie nicht wie erwartet gebucht werden. Ähnlich verhalten sind die Flugbuchungen, die teilweise deutlich zurückgegangen sind. Gleichzeitig bleibt ein gewisser Optimismus. Viele Anbieter setzen auf kurzfristige Buchungen – ein typisches Muster bei Großereignissen. Die Branche befindet sich damit in einer unsicheren Zwischenphase: Die große Welle ist ausgeblieben, doch ein später Anstieg bleibt möglich. Für viele deutsche WM-Fans dürfte es aber ohnehin zu spät sein. Spontane USA-Reisen sind kaum möglich, es sei denn, man hat das nötige Kleingeld über – und eine gültige ESTA-Genehmigung. Aber vor dem Fernseher oder beim Public Viewing kann man schließlich auch Spaß haben.