Добавить новость
ru24.net
World News
Апрель
2026

Tiere: Wenn Igel Hilfe brauchen - 81-Jährige päppelt Tiere auf

0
Stern 

Zu leicht, zu spät geboren, oft verletzt: Viele Igel überleben den Winter nicht. Gabriele Giesel aus Anhalt-Bitterfeld hilft - und gibt Tipps, wie jeder im Garten etwas tun kann.

Elf hungrige Mäuler, jede Menge Arbeit - jeden Abend. Wenn Gabriele Giesel gegen halb sechs in ihren Garten geht, beginnt für die 81-Jährige die Versorgung ihrer Igel. Käfig säubern, Näpfe spülen, Futter verteilen: Bis zu zwei Stunden ist sie täglich beschäftigt. 

Seit mehr als 20 Jahren kümmert sich die Rentnerin aus Zörbig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld um verletzte oder zu schwache Tiere. Was mit einem Zufallsfund begann, ist heute eine kleine private Auffangstation. 

Ihr Ziel sei es, die Population zu stärken und vor allem Jungtiere durchzubringen, die den Winter allein nicht schaffen würden, sagt sie. "Ich möchte, dass wir eine gesunde Igelpopulation haben."

Aktuell leben elf Tiere bei ihr - für Giesel eigentlich zu viele. Für sie persönlich sei das inzwischen eigentlich ein bisschen viel, sagt sie und lächelt - "bin ja nun nicht mehr die Jüngste". 

Ein halbes Jahr im Einsatz

Die Arbeit mit den Igeln ist für Giesel kein Ganzjahresprojekt, sondern konzentriert sich auf die entscheidende Zeit: vom Herbst über den Winter bis ins Frühjahr. Dann werden besonders viele geschwächte Tiere gefunden - häufig zu spät geborene Jungtiere, die sich nicht genügend Fettreserven anfressen konnten.

"Das geht so ab Oktober los", sagt Giesel. Im Frühjahr, meist bis Mitte Mai, werden die Tiere wieder ausgewildert.

Auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) bestätigt diese kritische Phase: Igel müssen sich im Frühjahr und Sommer ausreichend Gewicht anfressen, um den Winterschlaf zu überstehen. Tiere, die zu leicht sind, haben geringe Überlebenschancen.

Füttern im Zwei-Stunden-Takt

Besonders aufwendig ist die Pflege der ganz kleinen Igel. Manche wiegen nur 60 oder 80 Gramm, wenn sie abgegeben werden. Dann heißt es: füttern im Zwei-Stunden-Takt, auch nachts. "Alle zwei Stunden, Tag und Nacht", beschreibt Giesel den Rhythmus.

Die Tiere bekommen spezielle Aufzuchtnahrung per Spritze. Das erfordere Geduld, sagt sie - nicht jeder Igel beginne sofort zu trinken. 

Untergebracht sind die Tiere in einem umgebauten Gartenhaus sowie inzwischen auch in Kästen im Freien. Jede Box ist ein eigenes kleines Gehege. Darin stehen Holzkisten als Unterschlupf, ausgelegt mit Zeitungspapier, in dem sich die Tiere tagsüber verkriechen. Zum Fressen kommen sie meist erst am Abend heraus. Jeder Igel lebt für sich, denn sie seien "absolute Einzelgänger". 

Igel sind dabei wählerischer als viele denken. "Igel sind Gourmets", sagt Giesel. Manche Tiere hätten ganz eigene Vorlieben: Einer fresse nur gekochte Hühnerflügel, ein anderer verschmähe sogar Rührei, wieder ein anderer nehme nur bestimmte Futtersorten an. Wechsle man die Marke, könne es passieren, dass ein Igel die ganze Nacht nichts fresse, erzählt sie.

Und jeder hat einen Namen: Bambi, Paulchen oder Octavio. In einem Tagebuch hält die 81-Jährige genau fest, woher die Tiere kommen, wie viel sie wiegen und wie sie sich entwickeln.

Auswilderung mit Vorbereitung

Im Frühjahr beginnt für Giesel die nächste Phase: die Auswilderung. Viele Finder holen ihre Tiere wieder ab. Einfach aussetzen reicht aber nicht. Man könne die Igel nicht einfach in die Natur setzen, sagt sie.

Stattdessen werden die Tiere zunächst in einem Gehege an ihrem künftigen Lebensort untergebracht. Dort bleiben sie einige Tage, bekommen Futter und gewöhnen sich an die Umgebung. Erst dann geht es in die Freiheit.

Viele Tiere seien zu spät im Jahr geboren worden und hätten in der Natur zu wenig gelernt. Mit zu geringem Gewicht in den Winterschlaf zu gehen, sei oft tödlich: Die Tiere wachen im Winter auf, finden keine Nahrung und verhungern, erklärt Giesel.

Nützlinge im Garten

Igel sind für Gärtnerinnen und Gärtner durchaus hilfreich: Sie fressen Insekten, Würmer und andere Kleintiere und halten so Schädlinge in Schach. Anders als oft angenommen, sind sie reine Fleischfresser und ernähren sich nicht von Obst.

Viele Gefahren für Igel

Warum die Hilfe nötig ist, sieht Giesel jeden Tag. Straßenverkehr, Zäune, offene Schächte oder Gift im Garten setzen den Tieren zu. Besonders kritisch sieht sie den Einsatz von Mährobotern - die Verletzungen seien "furchtbar". 

Naturschützer warnen ebenfalls: Vor allem nachts laufende Mähroboter stellen eine große Gefahr dar, weil sich Igel bei Gefahr einrollen, statt zu fliehen. Immer häufiger werden verletzte Tiere in Auffangstationen gebracht.

Auch beim Autofahren wünscht sich Giesel mehr Rücksicht. Es sei für sie unverständlich, wie Igel selbst in Tempo-30-Zonen überfahren würden, sagt sie.

Was Gartenbesitzer tun können

Wer Igeln helfen will, kann schon mit einfachen Mitteln viel erreichen: Laub- und Reisighaufen im Garten liegen lassen, auf Gift verzichten, Ausstiegshilfen in Teichen anbringen und kleine Durchgänge im Zaun schaffen. Solche naturnahen Gärten bieten Nahrung und Unterschlupf.

Gabriele Giesel hofft, dass mehr Menschen darauf achten. Man könne nur darauf setzen, dass die Menschen umdenken und Rücksicht nehmen, sagt sie.

Für sie selbst ist die Arbeit längst zur Routine geworden - zumindest für ein halbes Jahr. Und auch wenn es viel Arbeit ist, nimmt sie immer wieder neue Tiere auf, wenn jemand Hilfe sucht.

Dann raschelt es wieder in den Kisten im Garten in Zörbig. Die Igel werden wach - und Gabriele Giesel beginnt von vorn.




Moscow.media
Частные объявления сегодня





Rss.plus
















Музыкальные новости




























Спорт в России и мире

Новости спорта


Новости тенниса