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Апрель
2026

FDP-Chef Kubicki: Warum das keine gute Idee ist

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Die FDP wählt Wolfgang Kubicki Ende Mai wohl zu ihrem neuen Vorsitzenden. Er verspricht, die Partei wieder aus der Versenkung zu holen. An dieser Verheißung sind Zweifel erlaubt. Normalerweise, das wird regelmäßigen Leserinnen und Lesern dieser Kolumne aufgefallen sein, tue ich mich nicht schwer mit einer klaren Meinung. Manchmal aber eben doch. In solchen Fällen schaue auch ich gerne nach Handläufen, Geländern, nach Orientierung bei Leuten, auf deren Urteil ich etwas gebe. Zu Wolfgang Kubicki als kommendem FDP-Chef schrieb der geschätzte Kollege Kurt Kister dieser Tage in seiner Kolumne "Deutscher Alltag": "Wenn Wolfgang Kubicki die Zukunft der FDP ist, dann ist Donald Trump die Zukunft des humanitären Völkerrechts, und ich bin die Zukunft der 'Süddeutschen Zeitung'." Ein echter Kister. Es ist ein Kontinuum seiner Kolumnen, dass er eher dem Gestern melancholisch nachhängt, als dem Morgen entgegenzufiebern. Und mittlerweile sechs Jahre ist es her, dass der begnadete Grantler aus freien Stücken als Chefredakteur der Zeitung aufgehört hat. Im "Spiegel" wiederum überschrieb der ebenfalls geschätzte Kollege Ralf Neukirch seinen Leitartikel: "Warum nur Wolfgang Kubicki die FDP retten kann". Er hält ihn in etwas eigenwilligem Deutsch für "die beste Hoffnung" der Liberalen. Es hilft also nichts. Ich muss alleine klarkommen mit der Personalie Kubicki. Also gehen wir die Sache an, systematisch. Bei zwei etwas intensiveren Begegnungen konnte ich mir von ihm persönlich ein Bild machen. Einmal hatten wir ihn bei "Cicero" zu einem Streitgespräch mit Alexander Gauland gebeten. Kaum jemand hatte die Traute, dem Bärbeiß der AfD die Stirn zu bieten, Kubicki hat sofort zugesagt. Die Erkenntnis aus diesem Gespräch: Kubicki ist schlagfertig, schnell im Kopf und Demokrat durch und durch. Wer von ihm erwartet, dass da was Richtung Libertär gehen wird, mit ihm als Kopf der Liberalen, sollte sich jetzt schon auf eine Enttäuschung gefasst machen. Vertauschte Rollen Die zweite Begegnung trug sich im Industrieclub von Düsseldorf zu. Wir waren aufs Podium geladen, in vertauschten Rollen. Kubicki schlüpfte in jene des Journalisten und Fragers, ich musste wie ein Politiker parieren. Auch hier wieder: Blitzschnell, mit Mutterwitz ausgestattet, sicheres Gespür für Pointen. Hinterher, bei einem Glas Wein oder zwei, sagte Kubicki: "Sie sind ja gar nicht so ein Arschloch, wie ich dachte." Eingehandelt hatte ich mir diese Ersteinschätzung durch einen Aufsatz, in dem ich über ein Muster bei Querköpfen in der Politik schrieb. Festgemacht an Peter Gauweiler von der CSU , Hans-Christian Ströbele von den Grünen und eben Kubicki von der FDP. In ebenfalls etwas eigenwilligem Deutsch nannte ich diesen Typus "Querulator" und versuchte mich an einer Definition desselben. Erstens: Der Querulator ist meistens, was man heute einen alten weißen Mann nennt. Der alte weiße Mann kämpft gegen den eigenen Verfall an. Er verjüngt sich gewissermaßen durch sein permanent rebellisches Auftreten. Er ist wie ein alternder Punk. Er ist der Johnny Rotten der Politik. Er muss aber aufpassen, dabei nicht zur Karikatur seiner selbst zu werden. Zweitens: Der Querulator ist meistens Jurist. In seiner akademischen Grundausbildung hat er gelernt, dass sich jedes noch so feine Haar spalten lässt. Er versteht sich darauf, die völlig falsche Sache zu vertreten, und dem Ganzen eine märtyrerische Anmutung zu geben: Einer muss es ja tun. Darüber hinaus lehrt ihn das Studium, seinen scharfen Verstand so einzusetzen, dass dieser tut, was er soll: in die Argumente der anderen präzise einzuschneiden und sie zu zerteilen. Er hat darüber hinaus gelernt, seine Causa mit dem Gestus der ehrlichen Empörung zu vertreten. Wenn er in der Talkshow sitzt oder auf dem Parteitag spricht, dann träumt er sich in die Rolle eines jungen Anwalts, der die Geschworenen von einer gerechten Sache überzeugt. Sein ganzes Dasein in der Politik ist folglich ein einziges Plädoyer – scheinbar für die Sache, in Wahrheit immer für sich. Eine Art Nebenberufspolitiker Drittens: Der Querulator stellt gern heraus, dass er vor allem Rechtsanwalt ist und nur aus purer Bürgerpflicht nebenbei auch Parlamentarier. Er umgibt sich gern mit der Aura desjenigen, der einem anständigen Beruf nachgeht und eine Art Quereinsteiger in die Politik ist. Die Partei darf froh sein, dass er – bei seinem Stundensatz!! – kostbare Lebenszeit an sie verschwendet. Dass Gauweiler schon zu Zeiten von Franz Josef Strauß in der Politik war, Ströbele schon zu Zeiten von Petra Kelly und Kubicki schon zu Zeiten von Hans-Dietrich Genscher, widerspricht dem nicht. Viertens: Der Querulator ist ein Liebling der Medien. Mit ihnen geht er eine Symbiose ein. Er weiß: Sendezeit bedeutet Einfluss. Drei Seiten Interview am Stück sind ein Zeichen von Macht und Einfluss. Die Medien ihrerseits wissen: Jedes Interview mit einem Querulator hat eine hohe Chance, einen Sprengsatz zu enthalten. Wenn der explodiert, ist nicht nur der Name des Querulators in aller Munde, sondern das Medium gleich mit. Ein gutes Geschäft für beide. Spott über die eigenen Parteikollegen Der Querulator gibt für einen flotten Spruch alles preis, auch die Loyalität zu seiner eigenen Partei und deren Führungsfiguren. Mehr noch: Er spottet sogar darüber, dass die anderen nicht so mundschnell sind. Über Birgit Homburger habe er gelesen, dass sie die am wenigsten bekannte Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag sei, sagte Kubicki einmal. "Was mich überhaupt nicht wundert. Auch ich nehme nichts von ihr wahr. Bei dem, was sie sagt, scheint es so zu sein, dass niemand das Bedürfnis hat, das auch zu transportieren." Der Aufsatz über die Querulatoren ist zwölf Jahre alt. Ich würde ihn genau so wieder schreiben. Auch und gerade den fünften und letzten Punkt: Der Querulator scheut normalerweise die Verantwortung. Verantwortung ist für ihn so angenehm wie für einen Vampir, in der prallen Sonne Knoblauch zu essen. Verantwortung bringt sein ganzes Konzept zum Scheitern. Niemand kann gegen alles Falsche und für alles Richtige schimpfen, wenn er Verantwortung trägt. Denn dann muss er Kompromisse herbeiführen, verschiedene Standpunkte zusammenführen, für eigene Fehler geradestehen. Das führt zu diesem abschließenden Befund: Ich bin Team Kister, nicht Neukirch. Kubicki ist eine echte Type. Ein Parteichef ist er nicht.



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