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Deutschland sollte mehr Nationalhymne wagen

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Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser, Markus Söder hat es wieder mal geschafft. Seine Kultusministerin schickte einen Brief mit einem Hymnen-Erlass an bayerische Schulen. In Zukunft sollen im Freistaat bei Abschlussfeiern die Bayernhymne sowie die National- oder die Europahymne gespielt werden. Eine Pflicht, mitzusingen, gibt es nicht. Die Reaktionen erfolgten zuverlässig und reichten von "Ablenkung von den wahren Problemen im Bildungsbereich" (SPD) hin zu "Schnapsidee" (Lehrergewerkschaft GEW). Dabei kann man Söder hier einmal in Schutz nehmen: Er hatte schon wesentlich schlechtere Ideen als diese. Ein Hymnen-Erlass wäre auch für andere Bundesländer eine gute Idee. Optimalerweise nämlich wird der Erlass pädagogisch unterfüttert. Will heißen: Es wird den Schülern nicht einfach einmal im Jahr Bläser-Sound in die Gehörgänge gezwungen, sondern sie erfahren im Unterricht mehr als bisher an vielen Schulen üblich über den Sinn, die Inhalte und die Geschichte der Hymnen. Zugleich können sie durch die Möglichkeit, die Hymne auch zu singen, positiven Patriotismus statt verderblichen Nationalismus erleben. Für die Bayernhymne vermag ich aufgrund meiner etwas nördlicheren Herkunft nicht zu sprechen. Für die deutsche Nationalhymne aber kann ich sagen: Es wäre bitter notwendig. Speziell in dieser Zeit, in der Kräfte in der Bundesrepublik den Blick auf die Vergangenheit verstellen und die kollektive Erinnerung verzerren wollen, ist es angezeigt, sich dem Thema zu widmen, Wissen und positive Präsenz zu fördern. Leere Köpfe und Herzen sind zu leicht zu kapern. Wie leer die Köpfe und Herzen der Deutschen mit Blick auf die Insignien der Bundesrepublik sind, wird jeder wissen, der schon einmal eine Zeit lang in den USA verbracht hat. Ich arbeitete nach dem Schulabschluss als Au-pair an der Ostküste und war vom Patriotismus dort erst einmal erschlagen: Der Achtjährige, auf den ich aufpasste, sang mit seiner gesamten Klasse die Nationalhymne und leistete den Treueeid auf die Nation. Jeden Morgen, kleine Hände auf den Herzen, der US-Flagge im Klassenzimmer zugewandt. Von den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am 4. Juli, an dem ausnahmslos jedes Haus unabhängig vom Wahlverhalten seiner Bewohner in Rot, Weiß und Blau geschmückt wurde, nicht zu sprechen. Und das war lange vor Trump. Für mich als Deutsche waren das erst einmal befremdliche Anblicke. Um dann zu spüren: Dieser Patriotismus hat nichts Böses, hat nichts Aggressives. Er ist Freude an der eigenen Herkunft, Ausdruck von Verbundenheit mit Land, Geschichte, einander. Das war vor gut 20 Jahren. Inzwischen hat sich auch in Deutschland ein bisschen etwas geändert. Vor allem internationale Fußballturniere haben die Deutschlandflagge zumindest zwischenzeitlich en vogue gemacht. Aus unpolitischem Stolz auf die Mannschaft erwuchs Stolz auf das Land, beginnend mit dem Sommermärchen 2006. Ein buntes, fröhliches, entspanntes Fahnenmeer. Seit 2013 hat sich auch die AfD dem Thema Patriotismus verschrieben. Speziell die Ost-AfD aber tut das immer wieder mit dem Ziel, die Nazi-Zeit als dunkelstes Kapitel der Deutschen kleinzureden. Thüringens AfD-Chef Björn Höcke beispielsweise forderte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" schon 2017 in seiner Rede vom "Denkmal der Schande". 2018 dann wollte Alexander Gauland die Verbrechen der Nazis auf einen "Vogelschiss" verschrumpfen. Jetzt, 2026, plädiert die AfD in Sachsen-Anhalt in ihrem Wahlprogramm für ein Ende von "Identitätsstörung" und "Schuldkomplex". Verbunden mit ganz konkreten Maßnahmen: Schulklassen sollen nicht mehr KZ- und NS-Gedenkstätten besuchen. Die gefallenen Soldaten beider Weltkriege sollen unter einer AfD-Regierung gleichermaßen geehrt werden – also auch jene, die für das nationalsozialistische Regime kämpften. Auch die Forderung nach dem Singen der Nationalhymne bei öffentlichen Anlässen in den deutschen Schulen findet sich im Programm der AfD in Sachsen-Anhalt, ebenso wie das tägliche Hissen der Deutschlandfahne vor den Schulgebäuden. Aus der Partei aber gibt es noch weitergehende Vorstöße mit Blick auf die Hymne: So forderte der stellvertretende Bundesvorsitzende der AfD, Kay Gottschalk, im Jahr 2025 bei t-online, die erste Strophe des "Liedes der Deutschen" ("Deutschland, Deutschland über alles"; "Von der Maas bis an die Memel") zu rehabilitieren und wieder vermehrt zu singen. Und er war damit mitnichten der Erste aus der Partei. Wer als Journalist Texte zu diesem Thema schreibt, erlebt in den sozialen Medien in erstaunlicher Geschwindigkeit eine heftige Gegenreaktion. Befeuert von Rechten und Internet-Trollen, getragen aber auch von Unwissenden. Es zeigt sich dann: Vielen ist es nicht nur egal, sondern sie wissen schlicht wenig über die Geschichte unserer Hymne. Ein unbestellter Acker, den die AfD mit geschichtsklitterndem Pflug bearbeiten will. Hilfreich wäre, würde man in den Schulen die Geschichte unserer Hymne intensiver lernen. Wie August Heinrich Hoffmann von Fallersleben den Text schon 1841 schrieb – als Ausdruck eines tiefen Wunschs nach nationaler Einheit. Wie sein "Lied der Deutschen" mit allen Strophen 1922 von Friedrich Ebert zur Hymne erklärt wurde. Wie die Nazis alsbald allein die erste Strophe in Verbund mit dem Horst-Wessel-Lied, zuerst Kampflied der SA, dann Parteihymne der NSDAP, als Nationalhymne missbrauchten. Wie sie so ein Symbol schufen: Deutschland als Staat und die NS-Bewegung als untrennbare Einheit. Gesungen bei staatlichen Feiern, Militärparaden, NSDAP-Parteitagen, Appellen und Schulveranstaltungen. Häufig besiegelt mit dem Hitlergruß. Wie sie die Zeile der ersten Strophe "Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt" – vom Schöpfer gänzlich anders gedacht – in ein Symbol für kriegerischen Nationalismus und Großmannssucht verwandelten. Und schließlich: Wie 1952 erst Kanzler Konrad Adenauer und Bundespräsident Theodor Heuss festlegten, bei öffentlichen Anlässen nur die dritte Strophe ("Einigkeit und Recht und Freiheit") singen zu lassen. Und 1991 Kanzler Helmut Kohl und Bundespräsident Richard von Weizsäcker nur ebendiese dritte Strophe zur Nationalhymne erklärten. Drei CDU-, ein FDP-Politiker, allesamt dem allzu antifaschistischen Aktivismus recht unverdächtig. Wissen ist Macht. In diesem Fall: die Macht, die Vergangenheit zu verstehen, einzuordnen, Populisten und Extremisten zu widerstehen und eine eigene Geschichte zu schreiben. Ein Hymnen-Erlass – kombiniert mit dem richtigen Lehrplan – könnte dabei helfen. Umfrage Gesundheit Kommt eine neue Regelung zur Organspende? An diesem Dienstag stellen Bundestagsabgeordnete von SPD, CDU/CSU, Grünen und Linken einen fraktionsübergreifenden Antrag zur Organspende vor. Der Antrag trägt den Titel "Paradigmenwechsel in der Organspende – Widerspruchsregelung jetzt". Er fordert eine Neuregelung, nach der jede und jeder zunächst als Organspender gelten würde – außer, man widerspricht ausdrücklich. Bislang muss man seine Spende-Bereitschaft aktiv erklären, etwa durch Eintrag in ein Register. Lesetipps Die Zufriedenheit der Wähler mit der Regierung ist auf einem Tiefpunkt. Was, wenn die Koalition platzt? Johannes Bebermeier erklärt, wie es dann weiterginge. Artikel lesen Die Amokfahrt eines 33-Jährigen in Leipzig wird von unterschiedlichen Akteuren instrumentalisiert. Fälschlicherweise wird der Mann mal zum Antifa-Unterstützer, mal zum Syrer erklärt, hat mein Kollege Lars Wienand recherchiert. Warum? Artikel lesen In kurzer Folge stecken sich mehrere Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff mit einem Virus an. Es gibt Tote. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit ordnet das Geschehen im Text von Matti Hartmann ein. Artikel lesen Ohrenschmaus Ich bin kein Fan von Bläsern. Deswegen hier unsere Nationalhymne in einer Version, die mir besser gefällt: mit Streichern und Chor, gesungen beim Festakt der Deutschen Einheit 2016. Zum Schluss Oder doch lieber eine Alternative zum Hymnen-Erlass? Ich wünsche Ihnen einen fantastischen Donnerstag. Morgen schreibt Florian Harms wieder für Sie. Herzliche Grüße Ihre Annika Leister Politische Reporterin im Hauptstadtbüro Mit Material von dpa.



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