Beliebter Entertainer: Tausende wollen Hape Kerkeling als Bundespräsidenten – ginge das überhaupt?
Er sei „kein Spaßkandidat“, sagt der Kopf hinter einer Initiative, die Hape Kerkeling zum Bundespräsidenten machen will. So könnte sein Weg ins Schloss Bellevue aussehen.
Es wäre ein überraschender Karriereschritt: Hape Kerkeling zieht nach der Bundespräsidentenwahl im Januar 2027 als 13. Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland ins Berliner Schloss Bellevue ein.
Das jedenfalls wünschen sich mittlerweile rund 30.000 Menschen (Stand: 11. Juni, 15 Uhr) auf der Petitionsplattform „We act!“. Sie fordern die „demokratischen Parteien“ auf: „Nominieren Sie Hans-Peter Kerkeling als gemeinsamen, überparteilichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten!“
Was sagte Hape Kerkeling zu der Petition?
Kerkeling, 61, ist vieles: Erfolgsautor, Comedian, Moderator, Schauspieler, Regisseur, Sprecher, Entertainer. Aber Politiker? Bisher nicht – auch wenn sich der gebürtige Recklinghäuser immer wieder in gesellschaftspolitische Debatten einbringt, zuletzt unter anderem mit seiner bewegenden Rede in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald.
„Kerkeling hat klargemacht, dass unsere Demokratie tägliche Pflege und eine lebendige Erinnerungskultur braucht“, schreibt Petitionsinitiator Mark Wege und führt weiter aus, warum er den Komiker für den geeigneten Bundespräsidenten hält.
So nehme er Menschen „auf Augenhöhe“ mit, verkörpere „ein modernes, weltoffenes Deutschland“ und setze dabei auf die Kraft des Wortes: „Kerkeling verbindet in Krisenzeiten die Sprache der Bürger mit der Würde des Amtes – und macht beides stärker.“ Er sei ausdrücklich nicht als „Spaßkandidat“ gedacht. „Er ist ein Brückenbauer für eine verunsicherte Gesellschaft“, heißt es.
Und was meint der Entertainer selbst dazu? „Vor zehn Jahren hätte ich Ihnen gesagt: ,Nein, das ist nicht möglich!’“, sagte er Anfang Juni zu RTL. „Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, nach all dem, was in der Welt geschieht, und wenn ich mir angucke, wer so an der Spitze von Nationen steht: Ich schließe nichts mehr aus.“ Sein Unterton war allerdings deutlich ironisch. Online-Petitionen haben in der Regel wenig Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse.
Die formellen Voraussetzungen jedenfalls erfüllt Kerkeling. Wer Bundespräsident werden will, muss laut Grundgesetz mindestens 40 Jahre alt und deutscher Staatsbürger sein sowie das Bundestagswahlrecht haben.
Wie kann Kerkeling Bundespräsident werden?
Das deutsche Staatsoberhaupt wird regulär alle fünf Jahre von der Bundesversammlung gewählt. Sie besteht aus allen Bundestagsabgeordneten und genauso vielen Vertretern der Bundesländer. Wer dort in einem der Wahlgänge die Mehrheit der Stimmen erlangt, ist gewählt, muss aber der Wahl noch zustimmen. Maximal zwei Amtszeiten sind möglich. Die von Amstinhaber Frank-Walter Steinmeier endet im kommenden Jahr.
Aber wie könnte Kerkeling überhaupt zur Wahl gestellt werden? „Wahlvorschläge für die Wahl des Bundespräsidenten kann jedes Mitglied der Bundesversammlung beim Präsidenten des Bundestages schriftlich einreichen“, heißt es im Bundespräsidentenwahlgesetz.
Der Entertainer würde also lediglich einen Fürsprecher aus der Bundesversammlung für sich benötigen, um zur Wahl zu stehen. Diese Rolle könnte Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek einnehmen. Sie sagte laut „Welt“, Kerkeling sei „durch seinen Einsatz für Demokratie und Vielfalt sowie seine klare Kante gegen Rechtsextremismus und Intoleranz ein durchaus geeigneter Kandidat“.
Berührungsängste mit dem Schloss Bellevue hat Kerkeling jedenfalls nicht. Sein Auftritt als vermeintliche Königin Beatrix am Rande eines Staatsbesuchs der echten niederländischen Königin bei Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1991 gilt bis heute als Sternstunde der Fernsehunterhaltung.
Quellen: „We act!“, RTL, „Welt“, Grundgesetz, Bundespräsidentenwahlgesetz
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