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Grüne in Großbritannien: Was Deutschland von ihnen lernen kann

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Großbritanniens Grüne feiern Erfolge und treiben vor allem die sozialdemokratische Labour-Partei vor sich her. Was die deutschen Grünen davon lernen könne, verrät die Bundestagsabgeordnete Karo Otte. In Großbritannien sind die Grünen so erfolgreich wie nie zuvor. Bei den jüngsten Kommunal- und Regionalwahlen haben sie ordentlich zugelegt . Zuvor hat die Partei bei einer Nachwahl für einen Sitz im Unterhaus überraschend der britischen Labour-Partei in deren Hochburg Manchester einen Sitz entrissen. Das Gesicht des grünen Erfolgs ist Parteichef Zack Polanski. Er steht für einen radikalen Öko-Populismus und wird von einigen schon als britischer Zohran Mamdani gefeiert. In Deutschland geht es für die Grünen zwar in den Umfragen gerade wieder etwas aufwärts. Doch ob es sich dabei um eine Trendwende handelt, ist ungewiss. Die grüne Bundestagsabgeordnete Karo Otte ist nach Großbritannien gereist, um zu schauen, was die Parteifreunde in Großbritannien so erfolgreich macht. t-online: Frau Otte, was können die Grünen in Deutschland von den Grünen in Großbritannien lernen? Karo Otte : Die britischen Grünen haben sich entschieden, mutig zu sein. Sie haben erkannt, was das Gebot der Stunde ist: Sie stellen infrage, von welchen absurden Privilegien extrem reiche Menschen auf Kosten von allen anderen profitieren. Das beeindruckt mich sehr, besonders, wenn man die Parallelen zu Deutschland betrachtet. Welche sind das? Auch hier erleben wir eine Regierung, die unter der Überschrift "Reformbedarf" Maßnahmen plant, die vor allem Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen treffen. Die Überreichen profitieren. In Deutschland und in Großbritannien steigen die Lebensmittelpreise, gleichzeitig gehören den reichsten Deutschen die Discounter wie Aldi, Kaufland und Lidl . Mieten werden in beiden Ländern für viele unbezahlbar, Immobilienkonzerne wie Vonovia schlagen in Deutschland daraus Profit. Die Krankenkassenbeiträge in Deutschland drohen immer weiter zu steigen und auch in Großbritannien kostet das Gesundheitssystem die Gesellschaft immer mehr, gleichzeitig verdienen private Investoren an Krankenhäusern, an Hausarztpraxen, an Pflegeheimen. Die britischen Grünen haben erkannt, dass es notwendig ist, sich mit den extrem Reichen und mächtigen Konzernen entschlossen anzulegen, die enorme Gewinne aus der Gesellschaft ziehen, aber wenig zurückgeben. Die Grünen in Deutschland sollten sich also stärker nach links ausrichten und auf das Thema Vermögensungleichheit konzentrieren? Ich glaube, dass wir als Grüne wieder angefangen haben, diese entscheidende Fragen nach gerechter Verteilung wirklich ernsthaft zu stellen. Ich nehme aus meiner Reise nach Großbritannien viel Mut mit, dass wir das Thema mit all unserer Kraft angehen werden. Das zentrale Problem unserer Gesellschaft ist, dass wir ein System aufgebaut haben, von dem extrem Reiche auf Kosten aller profitieren. Das muss sich ändern. Und wir Grüne müssen dazu beitragen. Das klingt, als würden Sie von Ihrer Partei mehr bei diesem Thema erwarten. Ich glaube, dass uns manchmal noch der Mut fehlt, ja, um richtig schlagkräftig zu sein. In Großbritannien profitieren die Grünen auch von der Schwäche der Labour-Partei, also den Sozialdemokraten. Ist eine schwache SPD auch der Schlüssel zum Erfolg für die deutschen Grünen? Ich glaube, wir sind als Grüne nur dann stark, wenn wir uns unabhängig von anderen Parteien positionieren. Wir müssen zeigen, dass wir uns vor die Breite der Gesellschaft stellen und für sie Probleme lösen können. Ja, der SPD gelingt das gerade nicht besonders gut. Krasser finde ich, wie sehr die CDU und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen Angriff gegen einen Großteil der Bevölkerung fahren. Jede Woche sucht Merz eine neue Gruppe aus, die sich mehr anstrengen soll, die mehr beitragen sollen. Die Überreichen aber bleiben dabei immer verschont. Ein weiterer Erfolgsfaktor für die britischen Grünen ist ihr charismatischer Parteivorsitzender Zack Polanski. Wer soll denn diese Rolle hier in Deutschland übernehmen? Besonders schillernde Grüne wie Robert Habeck haben sich ja zurückgezogen. Wir haben eine starke Spitze. Aber klar, wir können uns noch ein bisschen etwas von dem Mut und der Unerschrockenheit von Zack Polanski abschauen und mehr wagen. Dann sind wir genau die richtigen Grünen, die wir in Deutschland brauchen. Einen Namen haben Sie jetzt aber nicht genannt. Niemand kämpft im Bundestag so für eine stabile gesetzliche Rente , wie unsere Fraktionsvorsitzende, Britta Haßelmann. Niemand streitet mit so einer Verve für Menschen in der Pflege, Alleinerziehende und alle anderen in unserem Land, die jeden Tag spüren, dass die Bundesregierung mit ihrer Sparpolitik sie ganz direkt trifft. Welche Unterschiede sehen Sie zwischen den britischen und den deutschen Grünen? Wir haben Regierungserfahrung in Bund und Ländern. Wir sind als Grüne enorm gut darin, Sachverhalte in der Tiefe zu durchdringen und Lösungen für Probleme bis in die letzte Nachkommastelle seriös zu durchdenken. Das haben wir den britischen Grünen voraus. Das klingt fast ein bisschen bieder. Ist das wirklich ein Vorteil? Absolut. Das ist eine Stärke. Die großen Herausforderungen unserer Zeit können wir nur angehen, wenn wir bereit sind, in Regierungen einzutreten. Und da hilft uns diese Erfahrung enorm. Frau Otte, herzlichen Dank für das Gespräch.



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