Medikamente im Urlaub kaufen: Viele Wirkstoffe fehlen
Viele Urlauber kaufen fehlende Medikamente erst am Reiseziel nach. Eine neue Analyse zeigt jedoch: Das kann teuer werden. Wer vor der Reise seine Reiseapotheke nicht auffüllt, muss im Urlaub unter Umständen tief in die Tasche greifen. Darauf weist eine aktuelle Analyse der Versandapotheke mycare.de hin. Die Untersuchung verglich die Preise von bis zu 19 Wirkstoffen, die das Auswärtige Amt für eine Reiseapotheke empfiehlt, in mehr als 30 Ländern weltweit. Das Ergebnis: Wer alle empfohlenen Medikamente neu kaufen müsste, zahlt in Deutschland durchschnittlich 253 Euro. In vielen Ländern fallen die Kosten noch höher aus. Zudem zeigt die Analyse, dass zahlreiche Wirkstoffe im Ausland gar nicht oder nur eingeschränkt erhältlich sind. Pilot erklärt: Daher kommt das sägende Geräusch vor dem Start Auto: Das sollten Sie in Italien auf keinen Fall tun Povidon-Jod kostet in Dänemark mehr als das Elffache Besonders groß sind die Preisunterschiede beim Antiseptikum Povidon-Jod. Antiseptika töten Krankheitserreger ab und helfen dabei, Wunden zu desinfizieren. In Deutschland kosten 25 Gramm des Wirkstoffs durchschnittlich 5,25 Euro. In Norwegen und Dänemark sieht das anders aus. Dort werden für Packungen mit 40 Milligramm umgerechnet 63,29 beziehungsweise 95,77 Euro verlangt. Auf den Preis pro Einheit umgerechnet liegt der Preis in Norwegen mehr als siebenmal und in Dänemark sogar mehr als elfmal höher als in Deutschland. Allergiemittel und Durchfallmedikamente viel teurer Auch bei Cetirizin zeigen sich große Unterschiede. Der Wirkstoff wird gegen Allergien eingesetzt. In Deutschland kostet eine Packung mit sieben Tabletten à 10 Milligramm 2,05 Euro. Das entspricht rund 29 Cent pro Tablette. In Norwegen kostet dieselbe Packungsgröße 10,33 Euro. Damit zahlen Verbraucher dort etwa das Fünffache des deutschen Preises. In Kuba kostet eine vergleichbare Packung rund doppelt so viel wie hierzulande. Ähnlich verhält es sich bei Loperamid, einem Medikament gegen Durchfall. Zehn Tabletten mit jeweils zwei Milligramm kosten in Deutschland 1,97 Euro. In Norwegen liegt der Preis für eine Packung mit 16 Tabletten bei 10,78 Euro. In Kanada kostet eine 100er-Packung 50,50 Euro. Polen schneidet günstiger ab als Deutschland Nicht überall müssen Reisende mehr bezahlen. Besonders günstig fällt der Vergleich für Polen aus. Dort sind 18 der 19 empfohlenen Medikamente erhältlich und erschwinglich. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 102 Euro und liegen damit etwa 150 Euro unter den deutschen Durchschnittskosten. So kostet Loperamid in Polen lediglich 94 Cent. Auch Elektrolytpulver und das abschwellende Nasenspray Xylometazolin sind dort günstiger als in Deutschland. Viele Medikamente sind im Ausland gar nicht erhältlich Die Analyse zeigt außerdem, dass sich das Angebot an Arzneimitteln von Land zu Land stark unterscheidet. In keinem der untersuchten Länder waren alle 19 empfohlenen Wirkstoffe verfügbar. Während in Schweden für 17 Präparate Preise ermittelt werden konnten, fanden die Forscher in Kroatien nur für ein Medikament entsprechende Angebote. In Griechenland waren es zwei und in Thailand vier Präparate. Das Problem: Selbst wenn ein Wirkstoff verfügbar ist, wird er oft unter einem anderen Markennamen verkauft oder in einer anderen Dosierung angeboten. Japan: Neuer Trick gegen Reiseübelkeit entdeckt Skandinavien besonders teuer Vor allem in Nordeuropa liegen die Medikamentenpreise häufig deutlich über dem deutschen Niveau. Ein Beispiel: Das Nasenspray Xylometazolin kostet in der 10-Milliliter-Flasche in Deutschland 3,29 Euro. In Finnland werden dafür 7,96 Euro fällig, in Norwegen 7,34 Euro. Noch größer fällt der Unterschied bei Dimenhydrinat aus. Der Wirkstoff hilft gegen Reisekrankheit. Während 20 Tabletten à 50 Milligramm in Deutschland 2,20 Euro kosten, werden in Schweden für zehn Tabletten mit niedrigerer Dosierung 18,10 Euro verlangt. Martin Schulze, Apotheker und pharmazeutischer Leiter bei mycare.de, warnt deshalb davor, sich ausschließlich auf den Medikamentenkauf im Urlaubsland zu verlassen. Sein Rat: "Wer regelmäßig Medikamente nimmt oder reisespezifische Risiken hat, sollte seine Apotheke vor der Reise gezielt auffüllen". Zur Methodik: Die Analyse basiert auf Preisrecherchen zu bis zu 19 Wirkstoffen, die das Auswärtige Amt für eine vollständige Haus- und Reiseapotheke empfiehlt. Die Preise wurden in 25 Ländern weltweit erhoben, vorwiegend über lokale Online-Apotheken und verfügbare Apothekenportale. Grundlage des Vergleichs waren jeweils die günstigsten verfügbaren Online-Angebote pro Land. Für Deutschland wurden die Preise aus zwei führenden Versandapotheken einbezogen. Deutschland diente damit als zentrale Referenz.