WM: Deutschland dreht Spiel gegen die Elfenbeinküste
Deutschland schafft in letzter Sekunde den zweiten Sieg im zweiten WM-Spiel. Es wird ein schweres Spiel – denn die Elfenbeinküste präsentiert sich enorm stark. Wahnsinn in Toronto ! In den Schlussminuten des Spiels gegen die Elfenbeinküste hat die deutsche Nationalmannschaft einen 0:1-Rückstand noch in einen 2:1-Sieg gedreht. Damit steht die DFB-Elf in der nächsten Runde der Weltmeisterschaft : dem Sechzehntelfinale. Franck Kessié (30. Minute) brachte das afrikanische Topteam in Führung, der eingewechselte Deniz Undav (68. und 90.+4) sicherte mit einem Doppelpack den Sieg für Deutschland. Gegen die Elfenbeinküste: Verletzungsdrama um DFB-Star Eigentlich bereits abgeschafft: Fifa begrüßt DFB-Team mit umstrittenem Namen Nach den Blamagen 2018 und 2022 erreichte das DFB-Team erstmals seit dem Sommermärchen 2006 schon nach zwei Gruppenspielen die K.-o.-Runde. Wie bei dem Heimturnier vor 20 Jahren geht es wieder gegen Ecuador zum Abschluss der Gruppenphase nur noch um Platz eins. So lief das Spiel Franck Kessié hatte WM-Rekordtorwart Manuel Neuer und die DFB-Auswahl vor 43.036 Zuschauern in Toronto mit seinem Tor in der 30. Minute geschockt. Nach großem Kampf und viel Einsatz, aber auch vielen Fehlern gegen die physisch enorm starken Ivorer gelang aber noch der elfte Sieg in Serie. Das ausgerufene Zwischenziel ist auch nach dem Sieg der Emotionen weiterhin nicht ganz sicher. Platz eins und der damit verbundene beste Weg in die Alles-oder-Nichts-Spiele in Boston und Philadelphia kann nun aber schon mit einem Remis gegen Ecuador gesichert werden. Jetzt warten auf Nagelsmann also intensive Tage im WM-Camp in Winston-Salem, bevor am Donnerstag im Endspiel-Stadion von East Rutherford die Gruppenphase perfekt abgeschlossen werden soll. Als Sorge nimmt Bundestrainer Julian Nagelsmann eine Verletzung von Nico Schlotterbeck am linken Bein mit nach North Carolina. Der Dortmunder musste zur Halbzeit für Antonio Rüdiger ausgewechselt werden. Sechs Tage nach dem 7:1-Auftaktsieg in das XXL-Turnier gegen Sparringspartner Curaçao war von Beginn klar, dass der Afrikameister von 2024 ein ganz anderer WM-Prüfstein werden würde. Zwar starteten die elf von Nagelsmann wie beim Auftakt aufgebotenen Spieler um Reizfigur Leroy Sané dominant und selbstbewusst in die Partie. Aber der Respekt vor dem Tempo-Test gegen die Powerfußballer war allgegenwärtig. "Was immer wieder außergewöhnlich ist, ist die Geschwindigkeit, die die mitbringen", hatte DFB-Sportdirektor Rudi Völler noch kurz vor dem Anpfiff gewarnt. Beim afrikanischen Führungstreffer am Ufer des Lake Ontario stellte das der Leipziger Angreifer Yan Diomande nach Startproblemen bei seiner Vorarbeit eindrucksvoll unter Beweis. Im kleinsten der 16 WM-Stadien fehlte bei akustischem Heimvorteil zuvor nicht viel – und Nagelsmann hätte nur kurz nach seinem 1.000-Tage-Jubiläum selbst über die frühere Führung jubeln können. Nach schöner Flanke von Kapitän Joshua Kimmich hätte Vizekapitän Kai Havertz fast per Kopf getroffen. Torhüter Yahia Fofana kratzte den Ball aber noch gerade so von der Linie. Auch die Distanzschüsse von Jamal Musiala (18.) und Felix Nmecha (21.) kamen dem Tor gefährlich nahe. Eine Minute nach dem Nmecha-Versuch lag der Ball dann zum überschwänglichen Jubel der deutschen Delegation im gegnerischen Tor. Aleksandar Pavlović war nach einer Kimmich-Flanke energisch zum Ball gesprungen, hatte aber nicht das Spielgerät, sondern nur Torhüter Fofana getroffen. Schiedsrichter Juan Gabriel Benítez aus Paraguay wertete das als nicht regelkonform. Einen noch härteren Stimmungsdämpfer kassierte das deutsche WM-Ensemble gleich nach der ersten Trinkpause durch das 0:1. Diomande zündete den Turbo auf links, Kimmich konnte das Geschwindigkeitsdefizit nicht mit seiner sonstigen Klasse ausgleichen. Nach dem Querpass von Diomande rettete Nathaniel Brown beim ersten Schuss von Amad noch sensationell, beim zweiten Versuch von Kapitän Kessié waren er und Manuel Neuer im deutschen Tor am Ende einer Fehlerkette der deutschen Hintermannschaft machtlos. Dass Neuer bei seinem 21. WM-Einsatz, der ihn vor dem Franzosen Hugo Lloris zum alleinigen Rekordtorhüter machte, wieder nicht zu null spielte, wurmte ihn. Dass sich wieder nach einer Trinkpause das Spiel-Momentum veränderte, dürfte Diskussionsstoff geben. Als hätten es die deutschen Fans geahnt: Beim Start der Trinkpause gab es Buhrufe und Pfiffe. Schiedsrichter-Entscheidung erzürnt Nagelsmann Angetrieben vom sehr energischen Bayern-Regisseur Jamal Musiala brauchte die DFB-Elf einige Zeit, um sich nach dem Wirkungstreffer wieder zu straffen. Musiala leitete den nächsten deutschen Treffer durch Havertz ein. Doch wegen eines vorangegangen Fouls von Musiala am früheren Leverkusener Odilon Kossounou zählte auch dieses Tor nicht. Als dann nach einem Einsteigen gegen Musiala der Pfiff des Referees ausblieb, wütete Nagelsmann an der Seitenlinie. Der 38-Jährige war offensichtlich erbost ob der Entscheidungen von Benítez. Aber auch der Auftritt seiner eigenen Mannschaft konnte ihn nicht zufrieden stimmen. Immerhin stimmte der Einsatz – auch bei Sané, an dem Nagelsmann trotz viel Kritik festgehalten hatte. Der Flügelspieler von Galatasaray Istanbul arbeitete fleißig mit nach hinten. Offensive Pluspunkte sammelte der frühere Münchner aber keine. Schlotterbeck verletzt raus Gegen die Highspeed-Offensivkräfte aus Westafrika durchkreuzte die Verletzung von Dortmunds Schlotterbeck Nagelsmanns Personalplanungen. Der 26-Jährige, der schon während der ersten Hälfte behandelt werden musste, kehrte nach dem Seitenwechsel wegen Knieproblemen nicht mehr auf den Rasen zurück. Real-Kraft Rüdiger kam für ihn. Aber auch der 33-Jährige, der seinen Vertrag in Madrid verlängert hat, bekam eine Kostprobe der Angriffsstärke der Ivorer. Der viermalige WM-Teilnehmer, der zuvor noch nie eine K-.o.-Runde erreicht hatte, übernahm jetzt das Kommando. Nach einer Stunde setzte Nagelsmann mit einem Dreifachwechsel einen erfolgreichen Impuls. Undav sowie überraschenderweise auch Jamie Leweling und Nadiem Amiri kamen für Pavlović, Musiala und Sané. Gegen die in der gesamten WM-Qualifikation und beim 1:0 zum Auftakt gegen Ecuador ohne Gegentreffer gebliebenen Westafrikaner verfehlte ein Kopfball von Havertz nach einem Fofana-Fehlgriff nur knapp das Tor (64.). Dann endlich konnte Nagelsmann jubelnd die Faust ballen, als eine Co-Produktion seiner Joker den umjubelten Ausgleich brachte. Amiris Flanke verwandelte Undav eiskalt zum 1:1 und erzielte in der Nachspielzeit sogar noch den Siegtreffer. Der Stuttgarter baute seine Topquote als Super-Joker auf neun Tore in elf Länderspielen aus. Der 29-Jährige bewarb sich damit um die Beförderung in die Startelf gegen Ecuador.