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Goldpreis fällt: Diese Faktoren nehmen dem Krisen-Metall den Rückenwind

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Gold hat seine Gewinne dieses Jahres wieder abgegeben. Dabei gilt es als klassisches Kriseninvestment. Das sind die Gründe. Noch zu Jahresbeginn herrschte Goldgräberstimmung am Markt. Das Edelmetall war teuer wie selten, bis Februar hatte ein regelrechter Hype den Goldpreis auf ein Rekordhoch von 5.600 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) getrieben. Doch dann drehte die Stimmung. Womöglich unterschätzten Investoren einige Risiken. Keine vier Monate später hielt immerhin noch die psychologische Marke von 4.000 US-Dollar . Dazu beigetragen haben einzelne Notenbanken. Die sind seit Jahren große Gold-Käufer, namentlich die chinesische, russische, türkische oder polnische Notenbank. Jetzt mussten sich die türkischen Währungshüter von einigen Beständen trennen, um mit den Einnahmen die eigene Währung zu stützen, einmal mehr. Das Momentum war da Dabei wäre das Momentum eigentlich aufseiten des Edelmetalls gewesen: Eine neue Krise, der Iran-Krieg mit all seinen Folgen von steigenden Ölpreisen, unterbrochenen Lieferketten und steigender Inflation , hätte eine Flucht in Gold auslösen können. Das ist nicht passiert, weil schnell klar war: Die Notenbanken müssen darauf reagieren, dass steigende Energiepreise die Inflation hochtreiben. Und das haben die Europäische Zentralbank, die Bank of England und die japanische Notenbank auch getan und die Zinsen angehoben. Das ist schwierig für Gold, weil es keine Zinsen abwirft und damit unerwartet Konkurrenz bekommen hat. Die Fed und die Schulden Wie zu erwarten war, hat hingegen die US-Notenbank Fed die Zinsen nicht erhöht . Und zwar aus gutem Grund. Denn die US-Staatsverschuldung steigt, auch wenn sie gerade nicht besonders im Fokus steht und wenig Beachtung findet, unaufhörlich. Steigende Zinsen kämen da ungelegen. Auch wenn die Inflation eigentlich diesen Schritt nötig macht. Ich sag’ es mal so: Wenn sich die Aufmerksamkeit der Investoren wieder mehr auf Fakten wie Schulden richtet statt ausschließlich auf das, was KI vielleicht bald sein wird (dazu gleich mehr), steht Gold sicher wieder anders im Fokus. Aktuell schaut keiner auf die Schulden der USA . Und vielleicht pendelt sich die US-Inflation bei 3 Prozent ein, wenn die USA schnell einen Frieden mit dem Iran hinbekommen – im ganz eigenen Interesse. Nun aber zu dem, was Investoren aktuell spannend(er) finden als die Sorgen der USA: KI-Brille aufgesetzt Über Wochen schwappte eine neue KI-Welle durch die Welt, die – verbunden mit der Knappheit von Chips – eine lange nicht gesehene Aktienrally auslöste. Das hieß allerdings auch, dass Geld aus Gold- und anderen Edelmetall-Fonds sowie aus Kryptowährungen abgezogen wurde. Diese Gewinnmitnahmen flossen zu einem guten Teil in den Tech-Sektor – in der Hoffnung, dass die enormen Investitionen in Rechenzentren und Geschäftsmodelle Früchte tragen. Es sind Vorschusslorbeeren, die nie zu vertrocknen scheinen. Wann kommt der Vertrag zum Frieden? Und da sind wir bei den weiteren unterschätzten Risiken, die künftig auch mit Blick auf Gold wieder eine Rolle spielen dürften. Punkt 1: Noch gibt es keinen Frieden zwischen den USA und dem Iran, auch wenn die Aktienmärkte ein vages Abkommen gefeiert haben wie einen fixen Vertrag. An der Börse wird die Zukunft gehandelt, ja, das ist richtig. Und ich bin ein großer Fan davon. Aber eine Prise Realitätssinn hat noch niemandem geschadet, denn früher oder später wird diese Prise wirken. Punkt 2: Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran werden dauern, denn die Materie ist komplex. Politisch, wirtschaftlich, militärisch. Wann wirklich Frieden in der Region einzieht und zu welchen Konditionen, ist völlig unklar. Hormus bleibt eine Waffe Punkt 3: Selbst wenn die Straße von Hormus entmint (wie lange dauert so etwas eigentlich?) und wieder für den Schiffsverkehr geöffnet wird, wird das Öl wegen der zerstörten Raffinerien und Leitungen nicht wie vor dem Krieg fließen. Entsprechend werden die Preise nicht auf das Vorkriegsniveau von 60 US-Dollar zurückgehen. 80 US-Dollar halten viele Analysten und Strategen für gerade noch möglich. Ich sehe das ähnlich. Das ist aber wohl nicht der Preis, mit dem die meisten Unternehmen und Volkswirtschaften kalkuliert haben. Punkt 4: Hormus bleibt ein ewiges Druckmittel für den Rest der Welt. Ein Unsicherheitsfaktor, der immer wieder aktiviert werden kann. Punkt 5: An den Aktienmärkten wird das ausgeblendet, offensichtlich auch bei den Krisen-Investments wie Gold. Wir reden aber hier noch von Monaten nach einem wann auch immer geschlossenen Frieden, bis die Lage für Rohstoffe und Logistik in Nahost wieder annähernd normal sein wird. Monate bis zur Normalität In den vergangenen Wochen kam der Welt sehr zugute, dass China weniger Öl nachfragte, viele Produktionen beschränkte und seine Reserven anzapfte. Andernfalls wäre der Welt der Ernst der Lage angesichts von deutlich weniger Öl auf dem Markt wesentlich klarer geworden. Damit hätte eventuell auch Gold eine andere Entwicklung genommen. Aber "hätte, hätte" zählt nicht. Gold dürfte wie über Jahrhunderte ein kluges Investment bleiben, wenn es nicht wieder spekulativ übertrieben nach oben gejazzt wird und vor allem private Anleger viel zu spät aufspringen. Denn wenn man eine Rally, welcher Art auch immer, verpasst hat, rennt man nicht dem vorbeigefahrenen Zug hinterher. Der nächste kommt bestimmt (wenn er nicht gerade von der Deutschen Bahn ist). Ich wünsche Ihnen allzeit kluge Investments.



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