Rutte bemüht sich um eine Glättung der Wogen im Streit mit Donald Trump. Helfen soll dabei ein eigens erstelltes Schaubild über den "Trump-Effekt". Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump versucht, die Spannungen vor dem wichtigen Nato-Gipfel im Juli abzubauen. Dazu lobte er die Entwicklung der Verteidigungsausgaben der Nato-Partner seit Trumps erster Amtszeit mithilfe eigens mitgebrachten Anschauungsmaterials und lobte Trumps Führungsstärke. Dieser kritisierte die aus seiner Sicht mangelnde Unterstützung Deutschlands und anderer Länder beim Krieg gegen den Iran . Bei Ruttes Besuch im Weißen Haus warf Trump den europäischen Verbündeten vor, die USA im Stich gelassen zu haben. Er sei "enttäuscht über Deutschland" und die Haltung der Bundesregierung im Iran-Krieg, erklärte der US-Präsident. Er habe die Bundesregierung im Iran-Krieg gebeten: "Gebt uns einen kleinen Stups, gebt uns ein kleines Küsschen. Aber sie haben nein gesagt", kritisierte er, ohne Bundeskanzler Friedrich Merz namentlich zu nennen. Trump hält bizarre Rede: 30 Minuten Selbstlob Autor über Verteidigung: "Sobald das passiert, werden wir zur Kriegspartei" "The Trump Trillion" Rutte nahm Deutschland in Schutz. Er verwies auf die Pläne der Bundesregierung, ihre Verteidigungsausgaben zwischen 2021 und 2029 zu verdoppeln, um den Forderungen nach einer massiven Erhöhung der Rüstungsbudgets nachzukommen. Um die bisherigen Entwicklungen des Rüstungsbudgets zu verdeutlichen, zeigte Rutte dem US-Präsidenten und den Versammelten eine Schautafel mit roten Balken. Darüber prangte in goldener Schrift: "The Trump Trillion", zu Deutsch: "Die Trump-Milliarde". Diese zeige "den Anstieg dessen, was Europäer und Kanadier zahlen, seit Sie 2017 Ihr Amt angetreten haben, Trump", so Rutte. Besonderes Augenmerk legte er auf die vergangenen beiden Jahre, in denen die Nato-Ausgaben "mehr als 250 Milliarden Dollar" betragen hätten. "Ich kann Ihnen versichern, dass dies auf Russland und die von Russland ausgehende Bedrohung zurückzuführen ist", sagte Rutte. "Aber ich bin auch fest davon überzeugt, dass Sie als Präsident der Vereinigten Staaten den entscheidenden Unterschied gemacht haben", fuhr Rutte fort. Trump habe etwas vorangetrieben, "das seit Eisenhower nicht erreicht worden ist: nämlich dass die Europäer ihre Verteidigungsausgaben an das Niveau der Vereinigten Staaten angleichen." Der ehemalige US-Präsident Dwight Eisenhower hatte die Nato jedoch nicht infrage gestellt, sondern maßgeblich aufgebaut. Aus einer Nato-nahen Quelle hatte es geheißen, Rutte wolle Trump mit dieser plakativen Darstellung überzeugen. Zudem lobte Rutte Trumps Führungsstärke, aber auch das fruchtete wenig: Der US-Präsident teilte nicht nur gegen Deutschland aus, sondern auch gegen Frankreich , Italien und Großbritannien . Die Verbündeten hätten die USA "im Stich gelassen", wiederholte er. Rutte um Harmonie im Bündnis bemüht Die Nato steht vor dem Gipfel am 7. und 8. Juli in der türkischen Hauptstadt Ankara unter Druck. Die Spannungen zwischen Trump und den weiteren Nato-Ländern hatten sich verschärft, nachdem die europäischen Alliierten Trumps ohne vorherige Konsultation begonnenen Krieg gegen den Iran nicht unterstützt hatten. Auslöser des Konflikts war ein amerikanisch-israelischer Angriff auf den Iran Ende Februar sowie die daraus resultierende Blockade der wichtigen Ölroute durch die Straße von Hormus . Trump hatte daraufhin den Beistandspakt der Nato infrage gestellt und einen Austritt der USA erwogen. Zudem hatte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in der vergangenen Woche eine Überprüfung der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa angekündigt, was zu einer Reduzierung der US-Streitkräfte führen könnte. Kritiker Ruttes, darunter auch einige Nato-Verbündete, halten seinen Umgang mit Trump für zu nachgiebig. Rutte selbst hat jedoch sowohl öffentlich als auch in vertraulichen Gesprächen deutlich gemacht, dass sein Erfolg als Nato-Generalsekretär vor allem daran gemessen werde, ob es ihm gelinge, die Vereinigten Staaten im Zentrum des Bündnisses zu halten. Ein weiteres Ziel besteht darin, das schwindende Vertrauen vieler europäischer Staats- und Regierungschefs wiederherzustellen, dass die USA im Fall eines russischen Vorstoßes auf Nato-Gebiet Teil einer gemeinsamen Reaktion des Bündnisses wären.