Nach der jüngsten Gerichtsentscheidung bekommt Collien Fernandes viele hasserfüllte Nachrichten. Die Moderatorin sieht darin die Erfolge einer klassischen Täterstrategie. Collien Fernandes erreichten zuletzt mehr Hassnachrichten und Morddrohungen. Das hat die 44-Jährige jetzt in einem Podiumsgespräch mit "Tagesspiegel"-Chefredakteur Christian Tretbar gesagt. Dabei sprach sie darüber, was die vergangenen Monate mit ihr gemacht haben und nannte auch ihr persönliches Worst-Case-Szenario: "Was ist denn, wenn mir jetzt wirklich so ein Christian-Ulmen-Ultra eine Kugel in den Kopf jagt?", zitiert die "Welt" sie aus dem Gespräch. Auslöser für die neuerlichen Anfeindungen ist eine Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts. Das Gericht hatte der Zeitung "Spiegel" untersagt, in seiner Berichterstattung nicht klar genug zwischen verschiedenen Formen gefälschter Pornografie zu unterscheiden, weil der Durchschnittsleser sonst annehmen müsse, ihr Ex-Mann Christian Ulmen habe sogenannte Deepfake-Videos hergestellt oder verbreitet. Ulmen bestreitet genau das. Gleichzeitig hielt das Gericht fest, dass die Erstellung von Fake-Profilen, die Verbreitung pornografischer Fotos und Videos sowie der sexualisierte Kontakt zu Männern unter ihrem Namen "unstreitig" seien. Sie heiratete vor 15 Jahren: Collien Fernandes erinnert an ihren Hochzeitstag Rückschlag für Moderatorin: Gericht auf Mallorca fällt Entscheidung im Fall Fernandes Viele hätten daraufhin den Eindruck bekommen, zentrale Vorwürfe gegen Ulmen seien zurückgenommen worden. In den Nachrichten, die Fernandes erreichten, heiße es vielfach: "Aha, da ist ihr Lügengerüst wohl endlich zusammengefallen." Das belaste sie "wahnsinnig". Dieser Eindruck sei das Ergebnis einer klassischen Täterstrategie, so Fernandes. Dabei würden Nebenschauplätze eröffnet und Aspekte abseits der Kernvorwürfe angezweifelt, um sich dann als Sieger zu feiern, wenn das Opfer diese nicht beweisen könne. Fernandes kritisierte: "Als seien die Leute nur deshalb auf die Straße gerannt, weil sie dachten, dieses Video, wo ich spermaverschmiert auf dem Boden liege, das hat er selber hergestellt. Das finde ich so krass, dass man sagt: Jetzt, wo das geklärt ist, seht ihr mal, das war völlig unverhältnismäßig und hysterisch, was ihr da alle gemacht habt." Derzeit erreichten sie vermehrt Nachrichten, die Unverständnis darüber ausdrückten, was eigentlich ihr Problem sei, da Ulmen schließlich nur Videos fremder Frauen verschickt habe. Laut "Welt" schilderte Fernandes auf dem Podium auch, was Ulmen ihr zufolge in ihrem Namen verbreitet habe. Nämlich eine Geschichte, in der sie "von 21 Männern vergewaltigt werde, wo immer wieder beschrieben wird: Ich habe Schmerzen; ich weine; ich sage, ich möchte das nicht. Ich liege am Ende regungslos auf dem Boden." Sie wisse bis heute nicht, wer aus der Branche dieses Material kenne. "Natürlich habe ich dann Angst, ans Set zu gehen", sagte sie. "Mich haut das um" Hinzu kämen immer neue Details. "Ich habe zum Beispiel jüngst erfahren, dass er das auch an meinem Geburtstag gemacht hat", sagte sie. Für manche sei das vielleicht eine Kleinigkeit, "aber mich haut das um und ich finde, das ist ein extremer Vertrauensmissbrauch". Sie sei deswegen unentwegt in einem Prozess, der nicht abgeschlossen ist, "weil immer wieder irgendwas Neues um die Ecke kommt, was mich fertig macht". Gerade prüft die Staatsanwaltschaft, ob ein Anfangsverdacht für sexualisierte, digitale Gewalt vorliegt. Ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Ulmen wegen des Verdachts auf Körperverletzung läuft bereits. Fernandes habe aber Angst, dass ein Großteil von Ulmens mutmaßlichen Taten straffrei bleiben könnte, weil entsprechende Gesetze in Deutschland bislang fehlen. Ulmen lässt die Vorwürfe über seine Anwälte öffentlich bestreiten. Es gilt die Unschuldsvermutung.