Zeekr 7GT: Neuer Luxus-Kombi aus China geht an den Start
Bisher ist Zeekr weniger präsent als andere noble China-Marken. Kein Wunder: Sie ist bei uns spät gestartet und richtet sich hauptsächlich an Firmenkunden. Mit dem 7GT könnte das anders werden. Der Nächste, bitte: Nach Nio, Xpeng und Denza will sich jetzt auch Zeekr bei uns einen Platz in der automobilen Oberklasse sichern. Nachdem die chinesische Schwester von Geely-Marken wie Volvo und Polestar bereits seit ein paar Jahren rings um Deutschland aktiv ist, buhlt sie erst seit dem Jahreswechsel auch um hiesige Kunden – vor allem im Business-Sektor. Nun will sie etwas mehr Aufmerksamkeit erreichen. Dafür bringt sie – gezeichnet im schwedischen Göteborg und gebaut im chinesischen Hangzhou – noch im Juli den 7GT in den Handel. Der Konkurrenz im Kalender voraus 4,82 Meter lang und mindestens 47.990 Euro teuer, zielt der schmucke Kombi für die Firmenkundschaft auf Konkurrenten, die es zum Teil noch gar nicht gibt. Denn weder hat BMW bislang einen i3 Touring versprochen, noch ist bei Mercedes von einem T-Modell der elektrischen C-Klasse die Rede. So bleiben als Referenzen neben Nio ET5 und Denza Z9GT nur der Audi A6 e-tron und der VW ID.7 Tourer. Und die steckt der 7GT locker weg. Er lädt zwar nicht so viel ein, lädt dafür aber schneller als die beiden Rivalen. Dabei fährt er weiter als der Audi und kostet weniger als der VW. Schönheit vor Stauraum Wie fast alle elektrischen Kombis ist auch der 7GT kein Raumwunder. Weil er dem Wind möglichst wenig Stirn bieten soll und Praktiker ohnehin längst lieber zum SUV greifen, wurde bei ihm auf Ästhetik gesetzt und nicht auf Stauraum. Er ist deshalb betont flach und leistet sich ein schräges Heck, das ihn fast schon zum Shooting Brake stempelt. Macht nichts, argumentieren die Chinesen. 456 Liter hinter der elektrischen Klappe sind schließlich nicht ganz schlecht. Und zur Not gibt's ja auch noch einen bis zu 65 Liter fassenden Frunk (Frontstauraum) im Bug. Außerdem sitzen dafür die Hinterbänkler vorzüglich: 2,90 Meter Radstand garantieren genügend Kniefreiheit, das riesige Panoramadach lässt die Kabine luftig erscheinen, und neben der Rückenlehne lässt sich vom Fond aus auch der Beifahrersitz auf Knopfdruck verstellen. Ach ja, und elektrischen Türen begegnet man bei den Deutschen allenfalls in höheren Preisklassen. Man drückt wahlweise auf einen Knopf am Schlüssel oder an der Flanke, und es drückt sich einem die Tür entgegen. Der Fahrer startet mit einem Fluch … Der Fahrer allerdings flucht erst mal – zumindest wenn ihm das Smartphone nicht schon in die Wiege gelegt wurde. Denn so nobel das Cockpit aussieht, so nackt ist es auch. Es gibt zwar ein großes Head-up-Display, digitale Instrumente und einen XXL-Bildschirm über der Mittelkonsole, aber kaum Knöpfe. Spiegel und Lenkrad stellt man deshalb über den Touchscreen und die wenigen Tasten am Lenkrad ein. … und hat beim Fahren umso mehr Spaß Der Ärger vergeht allerdings schnell, wenn die Fahrt beginnt. Denn als Hecktriebler mit 310 kW/421 PS oder als Allradler mit 475 kW/646 PS zählt der 7GT zu den kräftigeren E-Kombis und fährt bei bestenfalls zu 210 km/h ganz vorn mit. Die Kraft lässt sich zudem gut kontrollieren: Die Lenkung ist präzise und vermittelt – anders als die meisten Chinesen – viel Fahrgefühl. Zumal das im Topmodell serienmäßige Luftfeder-Fahrwerk mit adaptiver Dämpfung stets gekonnt den Spagat der Businessklasse kann: Im Alltag und auf der Autobahn wolkenweich und entspannt, macht der Zeekr im Sport-Modus dem GT im Namen alle Ehre. Auf einer kurvigen Landstraße wird er dann angenehm engagiert, federt stramm und lässt sich sportlich um die Kurven treiben. Da merkt man, dass der Zeekr in Göteborg entwickelt wurde und nicht in Hangzhou. Lademeister an der Steckdose Die Elektrotechnik allerdings kommt aus China und ist der europäischen Konkurrenz deshalb haushoch überlegen. Ja, Akkus mit 75 oder 100 kWh sind nicht die Speerspitze und die Reichweite von 519 bis 655 Kilometern auch nicht. Aber bei Ladeleistungen von 450 kW sieht selbst die Neue Klasse von BMW ganz schön alt aus, von der neuen Mercedes C-Klasse ganz zu schweigen. Die Assistenten sind so nützlich wie nervig Auch die Elektronik kommt aus China – das ist Fluch und Segen zugleich. Ein Segen, weil die Zahl der Assistenten üppig ist und sie viel können. Ein halbes Dutzend Kameras zum Beispiel zeigen das Auto bei der Fahrt aus jeder erdenklichen Perspektive, Sensoren übernehmen auf der Autobahn weitgehend das Kommando und den Parkplatz sucht sich der 7GT alleine – auf Wunsch auch von der Smartphone-App aus. Und ein Fluch, weil die Chinesen im vorauseilenden Gehorsam die Brüsseler Regeln so streng umsetzen, dass die Unterstützer arg nervös sind und deshalb schnell nervig werden. Fazit: Verführer bei Preis und Performance Er sieht klasse aus, hat solide Fahrleistungen und steckt die Konkurrenz wenn schon nicht an der Laderampe, dann doch an der Ladesäule in die Tasche. Dafür allerdings fehlt ihm bislang der bekannte Name. Und der Start könnte schwierig werden: Aktuell zielt Zeekr auf Gewerbekunden und verkauft nur ausnahmsweise an Privatleute. Erst zum Jahresende soll sich das mit der Eröffnung von mindestens fünf Händlern in den Ballungszentren der Republik ändern. Doch weil zur Performance auch der Preis stimmt, ist der schöne Kombi aus China trotzdem eine Versuchung – erst für Firmenkunden und später auch für die Vielfahrer unter den Familienmenschen.