Die Bundesregierung will deutlich schärfere Regeln für Krankschreibungen deutlich verschärfen. Kritik an den Plänen lässt nicht lange auf sich warten. Hausärzte und Opposition warnen vor mehr Bürokratie und längeren Wartezeiten. Die Pläne der Bundesregierung , die telefonische Krankschreibung abzuschaffen und eine verpflichtende Vorlage der Krankschreibung ab dem ersten Tag einzuführen, stoßen bei Opposition, Hausärzten und Gewerkschaften auf heftige Kritik. Die Arbeitgeber hingegen begrüßen das Vorhaben, das Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gemeinsam mit den Spitzen der Koalition am Donnerstag in Berlin vorstellte. Grüne: Pläne sind unsinnig und unverschämt "Die Koalition macht ausgerechnet das Gegenteil dessen, was unser Gesundheitswesen jetzt braucht", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Janosch Dahmen, t-online. "Statt Hausarztpraxen zu entlasten und Patientinnen und Patienten besser zu steuern, schafft sie Millionen zusätzlicher Arztkontakte für reine Bescheinigungen", monierte Dahmen. Die Beschlüsse würden mehr Bürokratie, längere Wartezeiten und weniger Zeit für die Menschen bedeuten, die ärztliche Hilfe wirklich benötigten, so Dahmen. "Wer so Politik macht, belastet ausgerechnet die ambulante Versorgung, die schon heute unter erheblichem finanziellem und personellem Druck steht." Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, sprach von einer "unsinnigen Maßnahme" und einer "Unverschämtheit". Mit dem Vorhaben würde die schwarz-rote Koalition den Beschäftigten das "Misstrauen" aussprechen, so Dröge im Interview mit dem TV-Sender "Phoenix". Kassenärzte: "Unverhohlenes Misstrauen" gegenüber den Bürgern Die Kassenärzte reagierten empört auf die Pläne. "Für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ist das, was die Regierungsparteien vereinbart haben, eine Zumutung, die an Unverschämtheit grenzt", teilten die Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Gassen, Stephan Hofmeister und Sibylle Steiner, t-online mit. Die nun vorgestellten Vorhaben seien ein "unverhohlenes Misstrauen" gegenüber den Bürgern, die "zu übervollen Praxen, einem Wust an zusätzlicher Bürokratie und einem enormen Zeitaufwand führen, der zulasten der eigentlichen Patientenversorgung gehen wird". Es grenze an Irrsinn, "Abertausende Menschen zusätzlich in die Praxen zu jagen für das reine Ausfüllen von Zetteln", kritisierten die Kassenärzte sie weiter. Wer krank sei, gehöre ins Bett und nicht in eine übervolle Praxis. Hausärzte: Pläne sind "absolut katastrophal" Auch die Hausärzte fällen ein vernichtendes Urteil. Die Beschlüsse seien "absolut katastrophal", sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Blumenthal-Beier, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Auf unsere Praxen kommt damit eine riesige Bürokratiewelle zu, die kaum zu bewältigen sein wird." Die Koalition macht sich mit diesen "vollkommen faktenfreien Beschlüssen" nicht nur unglaubwürdig, sie nehme auch die "komplette Überlastung unserer Praxen" billigend in Kauf. Alle Statistiken und Untersuchungen belegten "zweifelsfrei", dass die telefonische Krankschreibung nicht zu mehr Krankschreibungen geführt habe. Es handele sich um einen statistischen Effekt, weil durch die elektronische Erfassung mehr Krankschreibungen in der Statistik auftauchten. Die Krankschreibungspflicht ab Tag eins werde dazu führen, dass Millionen zusätzliche Menschen in die Arztpraxen kommen müssten, nur um sich eine Krankschreibung abzuholen – "ohne dass das medizinisch irgendeinen Sinn ergibt", fügte Blumenthal-Beier hinzu. DGB-Chefin Fahimi: Das ist "kontraproduktiv" Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hält die Vorhaben für "kontraproduktiv". Man werde "die Auswirkungen für Beschäftigte und Arztpraxen genau im Blick behalten", teilte DGB-Chefin Yasmin Fahimi mit. Der Arbeitsgeberverband BDA hingegen lobte die Bundesregierung für einen "überfälligen Kurswechsel". Sie reagiere die "zu Recht auf den im internationalen Vergleich hohen Krankenstand", so Arbeitergeberpräsident Rainer Dulger. Der Koalitionsausschuss hat die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Tag der Erkrankung beschlossen. Bislang ist eine ärztliche Bescheinigung erst ab dem vierten Tag vorgeschrieben. Abgeschafft werden soll zudem die Möglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen. Bundeskanzler Merz betonte aber, Betriebe könnten einzel- oder tarifvertraglich sowie in Betriebsvereinbarungen davon abweichen.